Solarenergie in NRW - die ungenutzte Energiereserve

Das Bild zeigt die Errichtung einer Solarstrom-Anlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses.

Solarenergie in NRW - die ungenutzte Energiereserve

Von Stefan Lauscher

Die Landesregierung kann sich zwar für Photovoltaik erwärmen. Aber die tatsächliche Nutzung lässt zu wünschen übrig. Das ergab eine Kleine Anfrage der Grünen.

Photovoltaik: Sonnenenergie, umweltfreundlich, ohne Akzeptanzprobleme. Auch die Landesregierung hat die Chancen von "Strom aus Sonne" erkannt. Im Januar 2019 kündigten die Regierungsparteien CDU und FDP eine große Photovoltaik-"Offensive" an. Im Juli – mit der so genannten "Energieversorgungsstrategie" von Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) – folgten klare Zielvorgaben: Verdoppelung der Energiegewinnung aus der Photovoltaik in NRW bis 2030. Und im Dezember 2019 legte Pinkwart dann noch mal nach. Sein "Entfesselungspaket 5" benannte klare Handlungsfelder, was wo jetzt passieren soll.

Und was ist seitdem tatsächlich passiert? Wenig bis gar nichts, wie die Antworten der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen jetzt offenbaren. Hier die wichtigsten Punkte aus den Dokumenten, die dem WDR vorliegen.

Plan und Verwirklichung

  • Solarmodule auf denkmalgeschützten Gebäuden: Die Landesregierung wollte das ermöglichen. Geplant ist das auch weiterhin, aber nicht mal das Denkmalschutzgesetz wurde inzwischen entsprechend angepasst.
  • 'Photovoltaik auf landeseigenen Gebäuden: Hier steckt großes Potential, aber nur eine einzige Immobilie wurde inzwischen mit Solarmodulen auf dem Dach ausgerüstet, die Autobahnpolizei in Mönchengladbach. Für 80 weitere Gebäude (Gerichte, Finanzämter, Polizeiwachen) wurde laut Landesregierung immerhin "mit der Planung begonnen".
  • Freiflächen-Photovoltaik auf Randstreifen der Autobahnen und entlang von Schienenstrecken: Gespräche darüber waren "vorgesehen", wurden aber abgesagt wegen Corona. Das gleiche gilt für den Plan der Landesregierung, den
  • Bau von Solarmodulen auf den Dächern von Gewerbegebäuden: Ebenfalls abgesagt wegen Corona. Jetzt ist für Anfang 2021 "der Auftakt einer Kampagne" geplant. Schließlich:
  • Schwimmende Photovoltaik-Anlagen, das so genannte "Floating-PV", z.B. auf Restseen des Braunkohletagebaus: Es soll eine Studie erstellt werden.

Studie: Nur 6 Prozent des möglichen Sonnenstroms genutzt

Die grüne Energieexpertin Wibke Brems sagt: "Herr Pinkwart verspricht viel, hält aber leider wenig". Experten sehen in der Photovoltaik viel ungenutztes Potential in NRW. Möglich, so das Ergebnis einer Studie, wären 68 Terrawattstunden Strom aus Sonnenenergie. Tatsächlich erzeugt werden bislang aber nur 3,9 Terrawattstunden. Das sind knappe 6 Prozent.

Stand: 28.08.2020, 12:27