Gefährliches Petrolkoks in NRW-Städten verbrannt

Schornsteine an der Shell-Raffinerie in Köln-Godorf

Gefährliches Petrolkoks in NRW-Städten verbrannt

Von Martin Teigeler

  • Kritik an Verbrennung von Raffinerie-Rückständen in NRW
  • Laut Ministerium wurden Stoffe in rund 20 Städten verwendet
  • SPD im Landtag fordert Aufklärung von Behörden und von Shell

Raffinerie-Rückstände aus Anlagen des Mineralölkonzerns Shell sind jahrelang in Kohlekraftwerken als sogenanntes Petrolkoks verbrannt worden. Doch dieses Material wird mittlerweile nicht mehr als wertvoller Brennstoff, sondern als Sondermüll eingestuft. Die SPD kritisierte am Montag (06.01.2020) Shell und forderte Aufklärung von den zuständigen Behörden in NRW.

SPD fordert Überprüfung

"Das sind hochgefährliche Stoffe, die als krebserregend gelten", sagte SPD-Fraktionsvize Michael Hübner. Nun müsse geprüft werden, ob die jeweiligen Kraftwerke in der Lage gewesen seien, "entsprechende Reststoffe herauszufiltern". Die WAZ hatte am Montag darüber berichtet.

Das NRW-Umweltministerium räumte in einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine kleine Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag eine "nicht korrekte Einstufung des in der Raffinerie anfallenden Rückstandes" ein. Gegenüber handelsüblichem Petrolkoks seien in der Substanz aus der Shell-Raffinerie Schwermetallemissionen wie Vanadium und Nickel erhöht.

Bei Petrolkoks (auch Ölpellets genannt) handelt es sich um Rückstände, die bei der Schwerölvergasung in der Raffinerie entstehen. Sie enthalten vor allem Nickel und Vanadium, Stoffe, die in hohen Dosen als krebserregend gelten.

Die neue NRW-Ministerin für Umwelt  Ursula Heinen-Esser

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

Bereits im Oktober hatte das Ministerium seine bisherige Bewertung korrigiert und mitgeteilt, dass es sich beim Shell-Petrolkoks - das Unternehmen spricht von "abfiltriertem Ruß" - um Sonderabfall handelt.

Zahlreiche Städte betroffen

Nach Ministeriumsangaben aus dem Oktober war der Stoff an mehrere Kraftwerke geliefert worden, darunter Gelsenkirchen, Herne und Lünen. Nun wird durch die neue Anfrage im Landtag bekannt: Es sind weitaus mehr Städte in NRW betroffen.

Die Anlagen, in denen Petrolkoks zum Einsatz kam (verbrannt, gelagert oder anderweitig weiter verwendet), befinden sich laut Umweltministerium in folgenden Städten:

  • Bottrop (Kokerei Prosper)
  • Castrop-Rauxel
  • Dinslaken ((RVG Rohstoffverwertungsgesellschaft)
  • Duisburg (Befesa Steel Services; De Beijer, Lagerung; HTAG Häfen und Transport AG, Lagerung)
  • Dülmen (Wienerberger Ziegelindustrie Gmbh)
  • Eschweiler-Weisweiler (Kraftwerk Weisweiler, RWE)
  • Essen (Luxcarbon Rohstoffhandelsgesellschaft, Handel)
  • Gelsenkirchen (Zentraldeponie Emscherbruch)
  • Herne (STEAG Kraftwerk)
  • Lünen (STEAG Kraftwerk; Mircoca Kohlenstäube GmbH)
  • Marl (B&S Hafenspedition, Lagerung)
  • Moers (Riedel und Söhne, Lagerung)
  • Köln-Niehl (Neska, Lagerung)
  • Krefeld (MAV)
  • Petershagen (Uniper Kraftwerk)
  • Ratingen (TTA Con Trade, Handel)
  • Rheinberg-Orsoy (NIAG, Lagerung)
  • Rietberg (Wienerberger Ziegelindustrie)
  • Troisdorf (Deponie Troisdorf)

Der Fall dürfte den Umweltausschuss des Landtags in den nächsten Wochen weiter beschäftigen.

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Shell: Keine Hinweise auf überschrittene Grenzwerte

Ein Sprecher von Shell teilte mit, "dass die behördliche Überprüfung keine Hinweise auf eine Überschreitung der für die jeweiligen Anlagen maßgeblichen Grenzwerte ergeben hat". Darüber hinaus werde im Regierungsbericht auch bestätigt, dass bei allen untersuchten Anlagen einem Einsatz von Petrolkoks ausdrücklich zugestimmt worden sei - und dass Shell sich "stets im Einklang mit geltenden Genehmigungen" verhalten habe.

Stand: 06.01.2020, 17:47

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