Trotz Klimawandel: NRW investiert in fossile Unternehmen

Block 4 des Kraftwerks Datteln

Trotz Klimawandel: NRW investiert in fossile Unternehmen

Von Nina Giaramita

Der NRW-Pensionsfonds soll zu "100 Prozent nachhaltig" sein - so das Land. Doch laut WDR-Recherchen werden die Mittel weiter auf umstrittenen Geschäftsfeldern angelegt.

Es war ein vollmundiges Versprechen, das die NRW-Grünen vor drei Jahren gaben: Das "einstige Kohleland NRW" investiere in Zukunft auf ihre Initiative die Mittel des Landespensionsfonds nach "nachhaltigen Grundsätzen". Für dreckige Geschäfte sollte es kein Landesgeld mehr geben, verkündeten die Grünen, damals noch Teil der Landesregierung.

Zweifel an Nachhaltigkeit

Von diesem Versprechen sei nach heutigem Stand nicht viel übriggeblieben, urteilen Experten für nachhaltiges Investment. "Man findet im Pensionsfonds des Landes Beteiligungen an Firmen wie Uniper, ENBW, Total, Shell, BP, alle Großen der fossilen Kohle- und Energiebranche", sagt Thomas Küchenmeister von der NGO "Facing Finance".

Die Organisation setzt sich für nachhaltige Geldanlagen ein und hat für den WDR das Portfolio untersucht. "Man ist doch sehr erstaunt, diese Beteiligungen zu finden", sagt Küchenmeister. "Das passt überhaupt nicht zu der Aussage des Landes, dass der Fonds zu 100 Prozent nachhaltig geführt werde."

Berufung auf Minimalstandards

Ähnlich sieht es Ulrike Lohr, Expertin für ökologische Geldanlagen vom Bonner Institut "Südwind". "Nach derzeitigem Stand würde ich sagen, dass man mit diesen Anlagen das Klimaziel von 1,5 Grad oder auch von zwei Grad nicht erreichen kann", so Lohr. "Das Einzige, was ausgeschlossen wird, sind Dinge, die sowieso verboten sind - Kinderarbeit und Sklavenarbeit zum Beispiel. Das hat aber mit einer Klimastrategie nichts zu tun und sollte eine Selbstverständlichkeit sein."

Staats- und Pensionsfonds gehören zu den Mächtigsten der Welt Planet Wissen 10.01.2019 01:52 Min. Verfügbar bis 10.01.2024 SWR

Auf WDR-Anfrage beruft sich das NRW-Finanzministerium auf "verbreitete Konzepte zur Steuerung der Nachhaltigkeit von Kapitalanlagen" – und meint damit unter anderem die Berücksichtigung des sogenannten UN Global Compact, einer Initiative für nachhaltige Unternehmensführung. "Ein zahnloser Tiger", so Urike Lohr. Die Initiative halte sich an Minimalstandards, deren Einhaltung nicht kontrolliert werde.

Richtlinien überarbeitet

Die Anlagerichtlinien sind ohnehin 2019 von der Landesregierung überarbeitet worden. In der neuen Fassung findet sich die Feststellung, dass man bei den Investments weiterhin nicht auf Unternehmen verzichte, deren Geschäftsmodell auf Gewinnung fossiler Energien basiere. Ausschlaggebend sei dafür der Umstand, dass "Kohleverstromung in Deutschland eine notwendige Brückentechnologie für die kommenden 18 Jahre darstellt".

Die Neujustierung sei "durchgerutscht", bekennt Monika Düker, finanzpolitische Sprecherin der Grünen. Den Vorgang will sie jedoch nicht auf sich beruhen lassen. "Der Finanzminister handelt aus meiner Sicht gegen die Anlagerichtlinien", so Düker. Nach dem Willen der Grünen soll der Pensionsfonds im Landtag debattiert werden. Das Finanzministerium signalisiert jedoch bereits: Es gebe keinen Korrekturbedarf.

Stand: 21.11.2020, 14:33