Lehrermangel: Hunderte Pensionäre reaktiviert

Leerer Klassenraum, Stühle stehen auf den Tischen

Lehrermangel: Hunderte Pensionäre reaktiviert

Von Nina Magoley

  • NRW-Schulministerin holt pensionierte Lehrer zurück in den Unterricht
  • Tausende Lehrerstellen unbesetzt
  • Einige Hundert ließen sich auf das Angebot ein

Freiwillig zurück aus dem Ruhestand: 818 pensionierte Lehrkräfte seien seit 2016 in den Schuldienst zurückgekehrt oder hätten ihre bevorstehende Pensionierung verschoben, meldet NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Mit Hilfe der Altgedienten hofft Gebauer, dem dramatischen Lehrermangel in NRW zu begegnen.

Knapp 2.000 Lehrerstellen sind nach Angaben des Ministeriums derzeit noch unbesetzt. Allein an Grundschulen fehlen fast 1.000 Lehrkräfte. Im Schuljahr 2017/18 sei an den Schulen in NRW durchschnittlich 5,1 Prozent des Unterrichts ausgefallen, gibt das Schulministerium an.

Alte Idee mit neuen Anreizen

Die Idee, pensionierten Lehrern eine Rückkehr in den Job anzubieten, ist nicht neu: Schon die rot-grüne Vorgängerregierung hatte damit begonnen. Seit Beginn des Schuljahres 2017/18 konnte die neue Landesregierung mit diesen Maßnahmen nach eigenen Angaben allerdings erst 175 weitere offene Stellen besetzten. Zusätzlich verlängerten in dieser Zeit 19 Lehrer ihre Dienstzeit über das Pensionsalter hinaus.

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat das Programm um einige Anreize erweitert. So dürfen ehemalige Beamte im Schuldienst neben ihren regulären Pensionsbezügen nun mehr hinzu verdienen. Diese eigentlich bis Ende 2019 befristete Regelung werde noch verlängert, erklärte Ministerin Gebauer.

Außerdem winken allen, die bereit sind, auch nach Erreichen des Penionsalters weiter als Lehrer zu arbeiten, zehn Prozent Besoldungszuschlag.

Grundschullehrer fordern mehr Lohn

Das Problem der fehlenden Lehrkräfte besonders an Grundschulen sei "hausgemacht", sagt Stefan Behlau, NRW-Landesvorsitzender beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). Es sei "kein Zufall, dass der Personalmangel besonders spürbar an genau den Schulformen ist, die eine deutlich geringere Einstiegsbesoldung bieten". In einer Petition an den Landtag fordert der VBE "gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit".

Eltern: Rückkehrer sind positiv motiviert

Der Elternverein NRW begrüßt die Reaktivierung der Pensionäre: Man könne davon ausgehen, dass die Lehrer, die sich darauf einließen, "zu den motivierteren und belastbareren" gehören, sagt Sprecherin Regine Schwarzhoff - "Lehrer, die Freude am Beruf haben". Davon, sagt sie, könnten Schüler und Unterricht, aber auch Kollegen nur profitieren.

Stand: 11.03.2019, 14:19

Kommentare zum Thema

16 Kommentare

  • 16 Horsta 12.03.2019, 11:20 Uhr

    Naja, die Pensionäre freuen sich wenigstens über die Zeit-Verträge, die man ihnen anbietet. Die brauchen von den vergünstigten Konditionen ja auch nicht leben, sondern bekommen ein Hobby-Taschengeld. Sollte man für Politiker auch mal einführen!

  • 15 Frank Mäder 12.03.2019, 05:06 Uhr

    Schüler ohne Deutschkenntnisse gehören in die Schulen! Wo sollen sie sonst Deutsch lernen? Die Sprachklassen sind allerdings i.a. wenig effektiv. Immersion, d.h. das Eintauchen in die Fremdsprache, ist die effektivste Methode, um eine Fremdsprache zu erlernen. Ein gutes Beispiel sieht man in der französischsprachigen kanadischen Provinz Quebec. Dort lernen die englischsprachigen Schüler seit 50 Jahren Französisch und die normalen Unterrichtsfächer von Anfang an in den französischen Klassen — auf Französisch. Für Seiteneinsteiger ist zu Anfang ein kurzer intensiver Deutschkurs erforderlich Der Sprachunterricht muss ganz konsequent auf das Verstehen im Unterricht ausgerichtet werden. Kein Integrationskurs! Was im Supermarkt im Regal liegt, lernt sich von selbst! Ich spreche aus Erfahrung mit einer rumänischen Schülerin. Sie ist von der 6. Klasse in Rumänien über die Realschule glatt zum Gymnasium durchgelaufen. Sie ist fleißig und normal begabt. In der Familie wird Rumänisch gesprochen.

  • 14 Svetlana 11.03.2019, 19:17 Uhr

    Der eigentliche Skandal ist doch das sich diejenigen welche das Geld besitzen, eine gute Bildung für ihre Kinder kaufen können. Die anderen müssen eben mit verwahrlosten Schulen und einem über 100 Jahre alten Bildungssystem vorliebnehmen. Ich denke das hat System!

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    • Vollbeschäftigung 11.03.2019, 21:12 Uhr

      Unsinn. Ich kenne eine südamerikanische Putzfrau,kann schlecht Deutsch, ohne Geld, die hat 2 Kinder aufs Gymnasium gebracht. Es kommt auf die ELTERN an. Oder Weissrussen - Sohn sofort ohne Deutsch in die GY-Oberstufe - Abi gemacht. Auf Deutsch. Motivation. Die waren harte geistige Arbeit gewohnt. Davon haben wir leider viel zu wenige. ---Da gehts nicht um Geld - sondern um einen guten Eltern-Job. Drecksarbeit - anziehen, Essen machen, genug Schlaf, Erziehung, Hausaufgaben machen, Vorlesen usw. ---- Dann kann jeder Hartzer Abi machen. Geld ist nicht entscheidend.

  • 13 Vollbeschäftigung 11.03.2019, 18:15 Uhr

    Mit ca 45 Mio Angestellten ist fast Vollbeschäftigung. Da ist Lehrer nicht attraktiv. Das Geld ist meist OK - aber die Arbeitsbedingungen sind unter aller Sau. Klassen mit 32 unerzogenen Leuten, Eltern, die nicht mitbilden, keine Unterstützung durch die Schulleitungen, aber dauernd neue Anforderungen, lustige "Pläne" und "Projekte", Druck, wenn Noten und Abschlüsse nicht stimmen. Die Arbeitszeit von Lehrern ist ohne Kontrolle und immer länger. Da helfen auch die Ferien nicht, aufs Jahr gerechnet. ------der Druck in der Industrie ist auch da - aber da kann man mehr machen. ----Der Beruf wird systematisch kaputt gemacht. Von "Inklusion" bis zum Mißbrauch von Schulen als Auffangbecken für Unwillige und Unkundige aller Art. Auch Leute ohne Deutschkenntnisse gehören nicht in Schulen - aber das wird alles ignoriert. Wehrt sich ja keiner.

    Antworten (3)
    • Frau Müller 11.03.2019, 19:34 Uhr

      Besser hätte man es wirklich nicht mehr sagen können!

    • Hans 12.03.2019, 07:22 Uhr

      Sie haben vollkommen Recht. Dazu kommt, dass man von 50% der Bevölkerung als fauler Sack beschimpft wird. Nach 40 Jahren in diesem ständig niedergehenden Schulsystem würde ich noch nicht mal für die doppelte Pension in den Schuldienst zurückkehren.

    • André 12.03.2019, 12:29 Uhr

      > Das Geld ist meist OK < -- Mag sein, dass für die verbeamteten Lehrer das Geld OK ist. Für die angestellten L. aber auf jeden Fall nicht, denn die leisten ja die gleiche Arbeit. Eine Untersuchung der GEW ist auf eine wöchentliche Stundenzahl von 46 Std. gekommen, unter Einrechnung der Ferien!

  • 12 Jimi X. 11.03.2019, 16:49 Uhr

    Heilsbringer Heil (SPD) ist dafür, dass Asylbewerber mehr Geld erhalten sollen. War die NRW SPD seinerzeit dafür, dass Lehrer mehr Geld erhalten sollten? Jetzt in Opposition sind sie plötzlich dafür. Unglaublich wie Genossen reagieren.

  • 11 Dave 11.03.2019, 16:27 Uhr

    Das Problem ist nicht, dass es zuwenige gäbe, sondern dass gespart wird auf Biegen und Brechen. Das Problem: Irgendwann ist der Staat so ausgehöhlt dass er nicht mehr ernst genommen wird. Die Generationen, die den Staat als Ramsch kennen lernen, werden die nächsten 70 Jahre davon erzählen; so weitreichend ist das Kaputtsparen.

  • 10 wehweh 11.03.2019, 16:18 Uhr

    Re zu Antwort auf "xxx" von 15.38 h: Genau, jeder, der morgens auf dem Weg zum Job zufällig an einer Schule vorbeikommt, meint, hier seine kompetente Meinung abgeben zu müssen ...

  • 9 Olaf 11.03.2019, 16:11 Uhr

    Liebe Ministerin ! Dann bezahlen Sie bitte die Leute anständig und schaffen vernünftige Arbeitsverhältnisse. Ein Kumpel aus Oberhausen hat als Gymnasiallehrer in den Ferien - in denen er entlassen wurde - Tennisunterricht gegeben. Er nach längerem Kampf fand er eine Festeinstellung als Lehrer. Aber auch nur im Angestelltenverhältnis. Der Artikel suggeriert zudem, dass die Lehrer alle Beamte sind. Wenn Ihr wieder Beamte einstellen würdet, kämen auch neue Kräfte an die Schulen. Nur für Bedingungen unter Leiharbeiterniveau arbeitet kein Mensch, der studiert hat. Die gehen dann mit ihren vielfältigen Möglichkeiten woanders hin. Obwohl ja die Leiharbeit auch schon beispielsweise die Ingenieure erreicht hat. Danke Mama Merkel ! Danke für diese soziale Kälte. Der Mensch ist nur noch Humankapital. Auf vielen Problemschulen verwaltet man die Schüler nur noch und diese werden danach vom Arbeitsamt verwaltet. Wacht doch endlich mal auf. Diese Form des Kapitalismus ist nicht gesund.

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    • Wibbe Andrea 11.03.2019, 16:55 Uhr

      Also ich bin Vertretungslehrerin, mit bisher 10 befristeten Arbeitsverträgen, bei jeder weiteren Bewerbung hieß es: Wir haben keine Stelle zur Zeit. .... ??

    • Nicole 11.03.2019, 17:34 Uhr

      @Wibbe Andrea.. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Alle Vertretungslehrer haben ab einer bestimmten Anzahl an befristeten Verträgen das Recht auf unbefristete Festanstellung. Da diese aber nicht gewollt ist, werden keine neuen Verträge ausgestellt.

  • 8 Rolf Dinkler 11.03.2019, 15:45 Uhr

    Jetzt sollen es die alten wieder richtigen, was die Politiker versaubeutelt. Als ich eingestellt worden bin, bin ich eingestellt worden, weil ich Technik als Fach für die sii alle meine Freunde hatten überflüssigerweise studiert, jetzt fehlen die alle. Und ich habe mich in der Schule verschlissen, nicht weil die Schüler in der Gesamtheit so stressig sind, sondern weil immer mehr schwierige Schüler zusätzlich unterrichtet werden müssen. Am Anfang der Inklusion (Lernbehinderte sind viel schwieriger, weil die nicht wollen, aber da habe ich kein Bespiel) wurde jeder dieser SChüler einzeln betreut, heute gibt es eine halbe Betreuerstelle an einer Schule mit 1400 Schüler, die Lehrer machen das schon, auch wenn sie nicht dafür ausgebildert worden sind, nicht einmal Fortbildungen gabs.

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    • hø'ø 12.03.2019, 06:40 Uhr

      Die hochgepriesene zieldifferente Inklusion lernbehinderter Kinder an Regelschulen ist ein reines Geldeinsparprogramm. Die gut ausgerüsteten Förderschulen mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften wurden und werden geschlossen, weil sie teuer sind, die Kinder an Regelschulen geschickt, die weder die notwendigen Ressourcen (zB extra Räume), noch die notwendigen Fachkräfte haben (oft nicht einmal genug Lehrer für den Regelunterricht!), und es wird nichts seitens der Politik dafür getan, das zu ändern: Es wird behauptet, alles sei perfekt, die notwendigen Ressourcen vorhanden und alle seien zufrieden. Das tut weder den Regelschülern noch den zu inkludierenden Kindern gut, und die Lehrkräfte sind schlicht überfordert, weil nicht dafür ausgebildet. Es gibt für zieldifferente Inklusionsschüler an Gymnasien nicht einmal ein definiertes Ausbildungsziel (denn das Abitur als Ziel ist illusorisch)!

  • 7 Ein Vater 11.03.2019, 15:17 Uhr

    Es wird wohl noch viele Jahre dauern bis die derzeitige Landesregierung die Versäumnisse von rotgrüner Misswirtschaft, in Sachen mehr Lehrer, beseitigt hat. Rotgrün hat in NRW das Bildungsniveau nach unten gefahren, vermutlich in der Annahme, dass sie von Bildungsschwachen eher gewählt werden. Ein Dank den Pensionären, die jetzt bereit sind auszuhelfen.

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    • Thomas M 11.03.2019, 17:18 Uhr

      Jede NRW Regierung hat zu wenig in die Bildung investiert, CDU/FDP ist genauso mies wie SPD und Grüne.

  • 6 André 11.03.2019, 15:10 Uhr

    Wenn es wirklich einen Lehrermangel gäbe, dann würde die BezReg doch welche einstellen? Und die Lehrer, die schon seit diversen Jahren auf Vertretungsstellen rumgeschoben werden, fest anstellen. Macht sie aber nicht, zumindest nicht im RegBez. Arnsberg. Aushilfslehrer muss man nicht so gut ( oder schlecht ? ) bezahlen wie fest angestellte.

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    • xxx 11.03.2019, 15:18 Uhr

      so ist es wohl auch in NRW.

    • xxx 11.03.2019, 15:35 Uhr

      man darf nicht nur die Politik für die Lehrer-Misere ansprechen, wo bleibt die Wirtschaft/Arbeitgeber, welche angeblich nach Fachkräften fleht, aber wohl auch nicht u.a. kommerziell bereit ist zu helfen.

    • hoe'oe 12.03.2019, 12:36 Uhr

      Lieber André, es gibt in manchen Fächern keine Lehrer auf dem Markt. Unsere Schule sucht seit Jahren einen zweiten Informatiklehrer, damit Informatik endlich in der Oberstufe gegeben werden kann, aber es findet sich einfach keiner. Zwischenzeitlich wurden aber durchaus Lehrer in anderen Fächern eingestellt, es liegt also nicht an einem absoluten Einstellungsstop. Dazu kommt, daß unsere Schule zwar einen Unterhang hat, andere Gymnasien im Umkreis aber einen Überhang, und das wird Schulbezirk zusammengezählt und verrechnet. So kommt es dann tatsächlich auch dazu, daß Lehrer von einer Schule an eine andere abgestellt werden, um das Team dort zu verstärken, was aber keine Dauerlösung sein kann.