Kritik an EM-Regenbogen: FDP-Mann Papke fühlt sich mit "Dreck" beworfen

Gerhard Papke

Kritik an EM-Regenbogen: FDP-Mann Papke fühlt sich mit "Dreck" beworfen

Von Christoph Ullrich

Der ehemalige Fraktionschef der NRW-FDP hatte Kritik an einem in Regenbogenfarben erstrahlenden Münchener Stadion geübt. Seine Partei reagierte empört - Papke ist es wiederum auch.

"Diese freche Arroganz gegenüber Völkern, die sich dem linken Mainstream nicht anschließen wollen, ist unerträglich", lautet der letzte Satz eines Tweets, der ein schon länger volles Fass wohl zum überlaufen gebracht hat.

Der Verfasser ist Gerhard Papke, von 2005 bis 2012 Fraktionschef der Landtags-FDP und danach bis 2017 Landtagsvize-Präsident. Der heute 60-Jährige prägte über Jahre das Gesicht der Freidemokraten im Landtag, blieb beharrlich ein Vertreter der stark am Markt orientierten FDP.

Papke ärgert die FDP häufiger

Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag schrieb er ein Buch über seine landespolitische Zeit, samt kritischer Passagen über Parteichef Christian Lindner. Auch in seiner aktuellen Position als Präsident der Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft eckt er an, da er die Regierung Orban häufig gegen Kritik verteidigte.

Wenig verwunderlich also, dass sich auch Papke gegen die Pläne ausgesprochen hat, bei der EM-Partie der DFB-Mannschaft gegen Ungarn das Münchener Stadion in Regenbogen-Farben erstrahlen zu lassen.

Papke spricht von "linkem Mainstream"

Dafür hatte sich Parteien im Münchener Stadtrat - auch mit der Zustimmung der dortigen FDP - ausgesprochen. Es sollte ein Zeichen gegen die Gesetzgebung in Ungarn sein. Das Parlament in Ungarn hatte zuletzt Gesetze gegen Homo- und Transsexuelle beschlossen, die international kritisiert wurden.

Dass Papke die Pläne mit der Stadionbeleuchtung als "Arroganz" und "linken Mainstream" bezeichnet, erzürnt viele in der Partei. Vor allem Letzteres gilt als Bezeichnung, die häufig im neurechten Umfeld benutzt wird.

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Aus der FDP hagelt es seitdem Kritik. Die Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann empfiehlt Papke auf Twitter den Parteiaustritt. Landeschef Joachim Stamp retweetet, dass Papke eine Einzelmeinung darstelle.

Nur ein einfaches "Basismitglied"?

Und auf Anfrage heißt es aus der Düsseldorfer Parteizentrale, "bei den angesprochenen Tweets handelt es sich um einzelne Äußerungen eines Basismitgliedes, das kein Amt, keine Funktion und keine Bedeutung innerhalb der Partei mehr hat." Papke spreche nicht für die FDP.

Papke selber zeigt sich überrascht, aber auch angegriffen von diesen Zeilen. Dem WDR schreibt er, wenn er sich anschaue, wie er von Mitgliedern der Partei mit Dreck beworfen werde, werde es ihm Angst und Bange um die Diskussionskultur der FDP. "Solche Umgangsformen gab es früher nicht. Außerdem war die FDP mal die Partei der Meinungsfreiheit", schreibt er.

Auch Rufe nach FDP-Rauswurf

Damit meint Papke die deutlichen Rufe jüngerer Mitglieder, die einen Parteiausschluss fordern, da Papke nicht das erste Mal mit Äußerungen polarisiert.

Auf Twitter äußert er sich regelmäßig gegen Masseneinwanderung, einem vermeintlich linken Mainstream und eine angebliche Verengung des Diskurses in Deutschland.

Papke sieht keine Homophobie in Ungarn

Zu seinen Äußerungen über die angedachte Idee mit der Münchener Stadionbeleuchtung teilt er mit, er werde sich auch weiter dagegen wehren, wenn das Land als "homophob" an den Pranger gestellt werde.

"In Ungarn können Homosexuelle gut und sicher leben. Wie übrigens auch jüdische Mitbürger, deren Einrichtungen nicht wie in Deutschland rund um die Uhr von der Polizei bewacht werden müssen", so Papke.

SPD: Bekannte Probleme mit "Altvorderen"

Mit diesen Zeilen dürfte er die Diskussion um seine Position nicht entschärft haben. Im Gegenteil. Längst hat auch die Landtags-Opposition die Geschichte aufgegriffen.

Die Generalsekretärin der NRW-SPD, Nadja Lüders, schreibt, dass die FDP nicht alleine Probleme mit "Altvorderen" habe, die es mit "kruden Äußerungen in die Öffentlichkeit zieht." Die SPD habe im Fall Thilo Sarrazin jedoch "spät, aber letztendlich konsequent gehandelt", so Lüders. Auch die FDP müsse deutlich sagen, "bis hierhin und nicht weiter."

Warum der Begriff "Homophobie" umstritten ist

Das Wort Homophobie ist in der Literatur zum ersten Mal Ende der 60er Jahre aufgekommen. Damals veröffentlichte der jüdisch-amerikanische Psychologe George Weinberg einen Artikel, in dem er den Begriff zum ersten Mal verwendete und somit prägte. Er definierte Homophobie als eine Art Störung im Gehirn, dem der Empfindende mehr oder weniger ausgeliefert sei – eben wie bei einer Phobie.

Genau aus diesem Grund ist der Begriff "Homophobie" allerdings auch umstritten. Eine Phobie ist per Definition nämlich eine Angststörung, die man in der Regel nicht kontrollieren kann – was ein wenig in die ursprüngliche Richtung von Weinbergs Definition geht. Viele Menschen mit homophoben Neigungen empfinden allerdings keine Angst, sondern Ablehnung, Unsicherheit, Feindseligkeit oder sogar Ekel, wenn sie mit Homosexualität konfrontiert werden. Daher werden für Homophobie auch manchmal andere Begriffe verwendet, wie zum Beispiel Homo-Negativität. Dieser ist im englischsprachigen Raum als homo negativity allerdings weiter verbreitet als bei uns.

Quelle: FAQ: Was du über Homophobie wissen musst (quarks.de)

Stand: 21.06.2021, 21:12

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