So könnte es mehr Organspenden in NRW geben

Ein Herzchirurg nimmt ein Spenderherz aus einem Behälter, um es fuer die Implantation vorzubereiten

So könnte es mehr Organspenden in NRW geben

  • Immer weniger Organspenden in NRW
  • Experten kritisieren fehlendes Engagement von Krankenhäusern
  • NRW-Gesundheitsminister appelliert an Kliniken

Die Nachricht sorgte dieser Tage für Aufsehen: In NRW ist die Zahl der Organspender auf einem Tiefstand. Nur 146 Menschen spendeten 2017 ein Organ - 40 Prozent weniger als 2008. Der Landtag diskutierte am Donnerstag (18.01.2018), wie es mehr Organspenden geben kann. Dabei könnte es schon jetzt mehr Spenden geben.

Bochum macht es vor

Im Knappschaftskrankenhaus Bochum kümmert sich Benedikt Alders als Transplantationsbeauftragter um das Thema. Mehrmals täglich besucht er die Intensivstation und spricht mit den dortigen Ärzten. Ist Heilen nicht mehr möglich und liegt kein Spenderausweis vor, sucht Alders schnell das Gespräch mit den Angehörigen.

"Die sind in der Rolle, den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu äußern. Da gibt es eine große Anzahl, die sagt: Ja, unser verstorbener Angehöriger hätte postmortal eine Organspende gewollt oder es wäre in seinem Sinne gewesen." Im Klinikalltag hätten alle Mitarbeiter das Thema Organspende im Hinterkopf und die Unterstützung sei groß.

Organspenden auf historischem Tiefstand

WDR 2 | 18.01.2018 | 03:36 Min.

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Viele machen nicht mit

Operation

Oft kommt es gar nicht zu einer Transplantation

Diese Teamarbeit und das Engagement zahlen sich offenbar aus. Mit im Schnitt zwölf Spendern liegt das Bochumer Krankenhaus an der Spitze in NRW. Insgesamt gibt es 300 Kliniken im Land, die sich theoretisch beteiligen könnten. Doch laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation hatten 168 Häuser im Jahr 2016 keine einzige Spende.

Schwierigkeiten durch Patientenverfügungen

Dazu zählt auch das Allgemeine Krankenhaus Viersen. Auch dort gibt es einen Transplantationsbeauftragten. Peter Gretenkort sagt, dass im Jahr zwölf Patienten als Spender infrage kämen. Doch viele hätten eine Patientenverfügung. Und in der stehe, dass die Apparate abgeschaltet werden sollen, wenn keine Aussicht mehr auf Heilung besteht. Eine Spende ist dann nicht mehr möglich.

Andere Häuser berichten dem WDR, es fehle an der nötigen Zeit oder es gebe schlicht keine geeigneten Patienten. Die Stiftung Organtransplantation sieht darin Ausflüchte und spricht von einer Schutzbehauptung. Bei Patientenverfügungen herrsche oftmals Unklarheit, aber auch dort seien Gespräche möglich.

NRW könnte Bayern folgen

In Bayern sind die Spenderzahlen zuletzt gestiegen. Dort wird vorgeschrieben, dass die Transplantationsbeauftragten von anderen Aufgaben freigestellt werden müssen und ihnen somit mehr Zeit bleibt.

Karl-Josef Laumann

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat angekündigt, dies auch für NRW zu prüfen. Zudem will er das Gespräch mit den Kliniken suchen. "Es kann nicht sein, dass Menschen sterben, nur weil wir in dieser Frage nicht gut genug sind", sagt er.

Stand: 21.01.2018, 06:00