Organspende: Um diese Vorschläge geht es

Organspende: Um diese Vorschläge geht es

  • Mehr Organspenden nötig
  • Bundestag stimmt am Donnerstag ab
  • Drei Initiativen stehen zur Debatte

Angesichts Tausender schwerkranker Menschen auf den Wartelisten sollen in Deutschland mehr Organspenden möglich werden. Doch wie? Der Bundestag will am Donnerstag (16.01.2020) über zwei Gesetzentwürfe und einen Antrag abstimmen.

Die große Lösung

Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach macht sich für eine "doppelte Widerspruchslösung" stark. Sie würde das bestehende Prinzip umkehren, dass Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja zulässig sind.

Stattdessen soll jeder automatisch Spender sein - man soll dem aber jederzeit widersprechen können und müsste das in einem neuen Register speichern. Vor einer Transplantation müsste ein Arzt dort abfragen, ob es eine Erklärung gibt.

Falls nicht und es auch sonst kein schriftlich festgehaltenes Nein gibt, ist der nächste Angehörige zu fragen - allerdings nicht nach einer eigenen Entscheidung, sondern ob er ein Nein oder einen anderen Willen des Verstorbenen kennt.

Geplant ist eine große Informationskampagne für eine neue Regelung, außerdem soll jeder ab 16 Jahren dreimal direkt mit Informationen angeschrieben werden. Kommen Minderjährige als Spender infrage, wäre eine Organentnahme nur zulässig, wenn ein Angehöriger zugestimmt hat - das sind wohl in aller Regel die Eltern.

Bei Menschen, die die Tragweite einer solchen Entscheidung nicht erkennen können - beispielsweise wegen einer geistigen Behinderung - sollen Organspenden grundsätzlich tabu sein.

Die alternative Lösung

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Eine andere Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping lehnt einen derart tiefen Eingriff in die Selbstbestimmung ab. Sie schlägt vor, die Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt anzusprechen.

Wer ab 16 einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll auf dem Amt Informationsmaterial bekommen. Beim Abholen kann man sich dann auch schon direkt vor Ort in ein neues Online-Register eintragen - mit Ja oder Nein.

Auch in Ausländerbehörden soll es so etwas geben. Selbst beraten sollen Ämter ausdrücklich nicht. Für Kinder sollen die Neuregelungen nicht gelten.

Für eine regelmäßige Aufklärung spielen in diesem Konzept auch Hausärzte eine größere Rolle. Sie können Patienten bei Bedarf alle zwei Jahre über Organspenden informieren und zum Eintragen ins Register ermuntern. Die Informationen müssen aber ergebnisoffen weitergegeben werden und mit dem Hinweis, dass es weiter keine Pflicht zu einer solchen Erklärung gibt.

Grundwissen über Organspenden soll auch Teil der Erste-Hilfe-Kurse vor einer Führerscheinprüfung werden. Im Online-Register sollen Entscheidungen jederzeit zu ändern sein.

Antrag der AfD

Die AfD hat einen Antrag eingebracht, in dem zunächst von einer "abzulehnenden" Widerspruchslösung die Rede ist. Das Ziel ist mehr Vertrauen in das Organspendesystem. Dafür soll unter anderem das Parlament die Bundesregierung auffordern, die Aufsicht über die Vermittlung von Organen zu übertragen.

Konkret ist von einer "unabhängigen öffentlich-rechtlichen Institution" die Rede. Diese dürfe nicht mit Beteiligten im Organspendeverfahren besetzt sein.

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Stand: 16.01.2020, 10:00

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