Viele Männer suchen Opferschutzbeauftragte auf

Viele Männer suchen Opferschutzbeauftragte auf

  • NRW-Opferschutzbeauftragte seit einem Jahr aktiv
  • 550 Kriminalitätsopfer beraten
  • Zu wenig Beratungsstellen für Männer und Senioren

Die seit Dezember 2017 aktive erste Landesbeauftragte für Opferschutz hat mit ihrem Team bislang 550 Kriminalitätsopfer beraten. "Es fragen alle Gruppen an: Junge und Alte, Männer und Frauen", sagte Ex-Generalstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz (67).

"Wir haben Sexualopfer, Opfer häuslicher Gewalt, Einbruchsopfer, Unfallopfer - es ist alles dabei. Manche kommen direkt nach der Tat, noch bevor sie Anzeige erstattet haben, andere - etwa Missbrauchsopfer - Jahrzehnte später", berichtete Auchter-Mainz.

Unter anderem kümmere sich die Stelle um die Opfer der Amokfahrt von Münster sowie um das bei der Geiselnahme am Kölner Bahnhof schwer verletzte Mädchen.

Sind Männer "Opfer zweiter Klasse"?

Es erreichten sie "relativ viele Anfragen von Männern", die Opfer geworden seien, so Auchter-Mainz weiter. Gegenüber dem WDR schätzte sie am Dienstag (27.11.2018) den Anteil auf "über 40 Prozent". Das sei "beachtlich" und so nicht zu erwarten gewesen. Tatsächlich bezeichneten sich Männer bisweilen als "Opfer zweiter Klasse", sagte Auchter-Mainz.

Elisabeth Auchter-Mainz

Opferschutzbeauftragte Auchter-Mainz

Die Art der Verbrechen, denen Männer zum Opfer fallen, unterscheide sich dabei nicht von den Fällen mit weiblichen Opfern: "Es ist alles vertreten, wie bei den Frauen." Auchter-Mainz bemängelte, dass es zu wenig Anlaufstellen gebe, in denen Männer gezielt von Männern beraten würden. Gleiches gelte für Senioren.

Opfer haben Anspruch auf Entschädigung

Das Leid der Opfer, von dem sie erfahre, sei in einigen Fällen enorm, sagte Auchter-Mainz: "Manchmal muss man schon schlucken. Wir reden in unserem kleinen Team darüber. Das hilft." Viele Menschen wüssten laut Auchter-Mainz gar nicht, dass sie Anspruch auf Opferentschädigung haben, wenn sie bei einem Verbrechen vorsätzlich angegriffen und verletzt werden. "Wir vermitteln in diesen Fällen die Kontakte zu den zuständigen Landschaftsverbänden."

Ihre Bilanz nach einem Jahr: "Der Bedarf ist da. Es gibt Menschen, denen wir bei einem telefonischen oder persönlichen Kontakt weiterhelfen können, es gibt aber auch Menschen, die rufen mehrfach an." Neben Verbrechensopfern meldeten sich auch Mitarbeiter von Beratungsstellen, Rechtsanwälte und Staatsanwälte bei der Stelle.

Stand: 27.11.2018, 12:02