Corona: Wie sich Omikron in NRW ausbreitet

Corona: Wie sich Omikron in NRW ausbreitet

Von Nina Magoley

Die Zahl der Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante schießen mittlerweile auch in NRW sprunghaft in die Höhe. Zuletzt verdoppelten sie sich sogar. Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Aktuell meldet das Robert Koch-Institut (RKI) für Nordrhein-Westfalen 10.779 Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante seit Mitte November (Stand 04.01.2022). Allein von Montag auf Dienstag gab es 1.461 neue Fälle. Allerdings wurden von allen Omikron-Fällen bislang nur 904 durch Sequenzierung nachgewiesen, der Rest sind Omikron-Verdachtsfälle unter den positiven PCR-Tests.

Zu diesem Unterschied erklärt das RKI: Als Omikron-Fälle werden Corona-Infektionen gezählt, bei denen ein Nachweis entweder durch eine vollständige Genomsequenzierung erfolgt oder der PCR-Test den Verdacht auf die Virusvariante Omikron nahelegt. Diese Omikron-Verdachtsfälle müssen dann noch sequenziert werden, zählen aber aufgrund ihrer Struktur schon offiziell als Omikron-Fälle.

Sequenzierung bei Auffälligkeiten

Sequenziert, das heißt auf ihre Genomstruktur untersucht, werden Proben dann, wenn im Labor der Verdacht auf eine besorgniserregende Variante (Variant of Concern) des Virus besteht - vor allem, wenn bestimmte Aminosäure-Mutationen auffallen. Aber auch bei anderen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit einer Coronainfektion - wie unerwartete Krankheitsschwere oder Impfdurchbrüche - kann sequenziert werden.

Nicht alle Labore, die Corona-Tests untersuchen, können auch sequenzieren. Der gesamte Vorgang ist aufwändig und braucht Zeit. Der Labornachweis einer besonderen Variante wie Omikron kann mehrere Tage oder sogar Wochen dauern und kostet bis zu 220 Euro.

Omikron auch mit PCR-Test gut zu finden

Parviz Ahmad-Nejad, Direktor des Instituts für Medizinische Labordiagnostik, Helios Klinikum Wuppertal

Labormediziner Parviz Ahmad-Nejad

Viele Experten halten eine Sequenzierung bei Omikron aber gar nicht mehr für nötig, da die gängigen PCR-Testverfahren mittlerweile sensibel genug funktionierten, um die neue Variante aufzudecken. So ist man sich am Helios-Klinikum in Wuppertal beispielsweise sicher, dass PCR-Tests ausreichen, um Omikron aufzuspüren, sagt Parviz Ahmad-Nejad, Direktor des dortigen Instituts für Medizinische Labordiagnostik. Ist ein Schnelltest positiv, werden Abstriche mit zwei variierenden PCR-Testverfahren hintereinander untersucht. "Mit dem zweiten Test können wir die Omikron- oder Deltavariante differenzieren", sagt der Labormediziner im WDR-Interview.

Ein Ergebnis per PCR-Test könne in vier Stunden vorliegen, während die Sequenzierung mehrere Tage brauche. Dennoch schicke man auch in Wuppertal eine Art Pflichtanteil der Abstriche zur Sequenzierung: In NRW schreibt das Gesundheitsministerium schon seit vergangenem Jahr vor, dass bei mehr als 70.000 Coronafällen mindestens fünf Prozent sequenziert werden müssen. "Das ist auch sinnvoll", sagt Ahmad-Nejad, "da man nur per Sequenzierung ganz neue Varianten entdecken kann".

Gesundheitsämter in NRW zählen mehr Fälle als RKI

Das Land NRW beziffert die aktuelle Zahl der Omikron-Fälle am Dienstag (04.01.2022) mit 11.153 etwas höher als das RKI. Quelle seien die Meldungen der Gesundheitsämter in NRW. Während Düsseldorf (992) und Köln (772) derzeit offenbar die "Omikron-Hochburgen" sind, werden aus Gelsenkirchen (11) und Olpe (24) nur wenige Fälle gemeldet. Bislang schlüsselt das Land NRW seine Omikron-Fälle nicht nach Altersgruppen auf.

Bundesweit sind seit Mitte November rund 35.500 Omikron-Fälle bekannt geworden. 361 Omikron-Infizierte mussten ins Krankenhaus, neun sind gestorben. Die meisten Fälle verzeichnen NRW und Bayern. Der Tabelle des RKI für den 4. Januar ist zu entnehmen, dass die meisten Fälle (16.069) unter den 15 bis 34-Jährigen auftraten.

Die Kurve des RKI zeigt: Mitte November wurden die ersten Omikron-Fälle in Deutschland bekannt, seit Mitte Dezember steigt die Zahl täglich sprunghaft an.

Omikron: "Quarantäne-Regeln überdenken"

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.01.2022 07:18 Min. Verfügbar bis 04.01.2023 WDR 5


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Stand: 04.01.2022, 17:48