Olympia-Debakel: Was ist schiefgelaufen?

Olympia-Debakel: Was ist schiefgelaufen?

Von Nina Magoley

Über die Quasi-Absage der Olympischen Spiele 2032 für NRW ist Ministerpräsident Laschet schwer enttäuscht. Die Kommunikation zwischen Initiator Mronz und den Olympia-Machern bleibt undurchsichtig.

Die Nachricht vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), dass über die Austragung der Olympischen Spiele 2032 ausschließlich mit Australien verhandelt würde, habe ihn "überrascht und hart getroffen", sagte NRW Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag auf einer Pressekonferenz. Aber: "Wir werden weiter kämpfen", und zwar für die Spiele 2032. Und wenn daraus nichts werde, dann eben für die Austragung 2036.

Der IOC-Präsident selber habe ihn in einem Telefongespräch "dazu ermutigt, die Vorbereitungen aufrechtzuerhalten". Auch Michael Mronz, der mit seiner Privatinitiative "Rhein-Ruhr-City 2032" Hauptinitiator der Bewerbung ist, sagte, es sei "gut, die Option aufrecht zu erhalten, auch wissend, dass die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs gering ist."

Bürgerbefragung war für Herbst geplant

Es scheint einiges schiefgelaufen im Kontakt mit dem IOC: "Wenn klar gewesen wäre, dass es bis zu einem bestimmten Datum eine klare formale Rückendeckung geben muss, hätten wir sie hergestellt", erklärte Laschet, "aber das Signal war ein anderes". Mit Rückendeckung ist vor allem die Zustimmung der Bewohner eines Austragungsorts durch eine Bürgerbefragung gemeint. Die hatte die Landesregierung erst für den Herbst 2021 geplant.

Welche Rolle spielt der DOSB?

Die Olympischen Ringe zur Olympia-Bewerbung von NRW 2032

Olympia in NRW: Hoffnungen sind dahin

Eine fragwürdige Rolle spielt bei dem Debakel aber auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Nur über ihn kann eine Bewerbung beim IOC laufen - nicht etwa über eine Privatinitiative wie "Rhein-Ruhr-City 2032". In einer Pressekonferenz Anfang Februar hatte eine IOC-Vertreterin berichtet, dass der DOSB einem weiteren Dialog über die Austragung der Spiele eine Absage erteilt habe.

Spätestens da hätte dem Initiator Mronz klar sein müssen, dass die Bewerbungschancen für NRW rapide gesunken sind. Danach befragt, sagte Mronz am Freitag allerdings, er habe von dieser Kommunikation zwischen IOC und DOSB "keine Kenntnis".

"Hier steht Aussage gegen Aussage", sagt Sportschau-Olympiaexperte Robert Kempe: "Wer hat wann mit wem gesprochen?" Das sei bislang alles äußerst undurchsichtig. Laschet kündigte an, die Rolle des DOSB bei dem Debakel zu untersuchen: "Warum ist der DOSB nicht in der Lage gewesen, in den Dialog mit dem IOC einzutreten?"

Mronz schlägt unabhängiges Sportfest vor

Mronz wollte am Freitag keine eigenen Fehler eingestehen, räumte aber ein, dass er sich kritische Fragen stellen müsse: "Hätte ich sehen müssen, dass der Vorentscheid jetzt fällt?" Nun gelte es, wie im Sport auch, nach einer Niederlage wieder aufzustehen und weiter zu machen. Seine Vision: Ein anderes Sportereignis, ein "Dekadenprojekt" wie er es nennt, das man in jedem Fall weiter verfolgen wolle, unabhängig von Olympia.

"Wir sind nicht an eine Jahreszahl gebunden", sagte Mronz, theoretisch könnten solche Spiele schon 2024 stattfinden. Parallel aber wolle auch er dem Projekt Olympiabewerbung jetzt noch nicht "den Stecker ziehen".

Aufschwung für NRW erträumt

Olympia in NRW wären "die nachhaltigsten Spiele auf der ganzen Welt", sagte Laschet: 90 Prozent der Spielstätten stünden bereits, "wir könnten morgen loslegen". Die im Zuge der Olympia-Vorbereitungen geplanten Modernisierungen würden weiter verfolgt, so sie "dem Land nutzen". Auch an den von der Landesregierung angekündigten 300 Millionen Euro für den Breitensport halte man fest.

Mit seiner Initiative hatte Mronz dafür geworben, dass NRW mit der Austragung der Olympischen Spiele bei "essentiellen Zukunftsthemen" wie vernetzte Mobilität, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und künstlicher Intelligenz "entscheidend vorangetrieben werden" könnte.

Oberbürgermeister wollen weiter an ihren "Traum" glauben

Insgesamt 14 Städte zwischen Aachen und Dortmund, Recklinghausen und Bonn sollten nach den bisherigen Planungen zu Austragungsorten für die Olympischen Sommerspiele werden. Per Video hatten die betroffenen Stadtoberhäupter am Morgen mit dem Ministerpräsidenten konferiert. Die Nachricht vom IOC sei "eingeschlagen wie ein Blitz", berichtet der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen. Dennoch hätten sich alle teilnehmenden Städte darauf verständigt, die Bewerbung weiter voranzutreiben.

Man wolle den Traum, olympische Spiele in diese "sportbegeisterte Region" zu bringen, noch nicht aufgeben. Die Stimmung fasste Kufen so zusammen: "Rhein und Ruhr ist sozusagen noch in der Umkleidekabine, während Brisbane schon losgelaufen - aber noch nicht im Ziel ist."

Über mögliche Fehler äußert sich der Essener OB zurückhaltend: "Seitens des DOSB wäre natürlich eine frühzeitige Unterstützung der Initiative wünschenswert gewesen." Wesentliche Kosten seien der Stadt Essen bislang nicht entstanden.

Umweltschützer gegen olympische Spiele

Für den Umweltverband BUND wäre eine Absage der Olympischen Spiele ohnehin die bessere Lösung. Sie seien alles andere als nachhaltig, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht am Freitag: "Die Gesamtbilanz der bisherigen Olympischen Spiele ist unter Umweltgesichtspunkten verheerend gewesen." Letztendlich hafte der Steuerzahler "für den Größenwahn des nicht ansatzweise demokratisch legitimierten IOC". Und die Kommunen müssten langfristig mit den Fehlplanungen leben. "Für eine nachhaltige Regionalentwicklung brauchen wir Olympia nicht."

Laschet "bedauert", dass der DOSB nicht mit dem IOC in den "Dialog" getreten ist Sportschau 26.02.2021 01:26 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 Das Erste

Stand: 26.02.2021, 17:36