Kommentar: Olympia 2032 - Noch lange nicht am Ziel

Olympia-Logo in Tokio

Kommentar: Olympia 2032 - Noch lange nicht am Ziel

Von Christoph Ullrich

Die Idee Olympia 2032 an Rhein und Ruhr zu holen, ist einen entscheidenden Schritt weiter und wird wohl die deutsche Bewerbung. Trotzdem bleiben bekannte Probleme der Bewerbung bestehen, kommentiert unser Autor.

Für Michael Mronz ist das ein großer Etappensieg. Der Aachener Sportmanager hatte die Initiative für Olympia an Rhein und Ruhr auf den Weg gebracht - und es geschafft, die Politik zu begeistern. Die 14 Teilnehmerstädte waren zu einem frühen Zeitpunkt konzeptionell im Boot. Und die Landespolitik ist inzwischen ebenfalls voll mit dabei.

Politik steht hinter der Bwerbung

Christoph Ullrich

Christoph Ullrich

Wirkte es in der Endphase von Ministerpräsidentin Kraft und der Frühphase ihres Nachfolgers Laschet eher wie eine kühl distanzierte, nur zögerliche Unterstützung, haben wir es längst mit einer stärker lodernden Flamme zu tun. Laschet wirbt bei Funktionären, die Parteien im Landtag - mit Ausnahme der AfD - haben sich parlamentarisch für die Spiele an Rhein und Ruhr ausgesprochen.

Olympia 2032 - Rhein-Ruhr-Region ist Favorit

Sportschau 11.02.2020 02:02 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 ARD

Den DOSB-Präsidenten Hörmann scheint das überzeugt zu haben. Deutschland wird sich aller Voraussicht nach mit Rhein-Ruhr um die Spiele 2032 bewerben - schlussendlich kommt das schon überraschend. Sportpolitisch hat NRW damit zumindest national gezeigt, dass es ganz weit oben mitmischt. Nicht nur im Fußball. Aber ob das für internationale Weihen reicht und wir wirklich 2032 Olympische Spiele zwischen Köln und Dortmund erleben?

Europa ist 2032 eigentlich nicht dran

Da gibt es noch große Fragezeichen. Fangen wir mit dem Weltpolitischen an: 2024 sind die Spiele in Paris, 2028 in Los Angeles. Ob dann schon wieder Europa dran sein darf? In der Logik des Weltsports hätte eine asiatische Bewerbung sicher bessere Chancen.

Aber jenseits der international oft mindestens umstrittenen Welt der Sportpolitik: Vor Ort in NRW ist längst noch alles noch nicht so weit, wie es die Rhein-Ruhr-Macher immer behaupten. Wenn sie von nachhaltigen Spielen sprechen, bei denen die Sportstätten längst da sind, unterschlagen sie immer das Herz der Spiele: Ein geeignetes Olympiastadion, mit Laufbahn für die Leichtathletik, gibt es nicht. NRW hat enge Fußballstadien mit der besten Auslastung der Welt. Für ein Olympiastadion für 80.000 Zuschauer gibt es über die Spiele hinaus keinen wirklichen Bedarf.

Kein gemeinsamer Nenner unter den Städten

Und da wäre noch ein ganz weicher, aber wichtiger Faktor: Das Ruhrgebiet ist und bleibt eine Anhäufung von Dörfern, die Im Härtefall ihre Interessen eben nicht hinter das große Ganze stellen. Das behebt kein Ruhrparlament, das hat keine Kulturhauptstadt 2010 geschafft und mit der Ruhrkonferenz wird man das Kirchturmdenken auch nicht überwinden.

Spätestens bei der Suche nach dem Hauptspielort ist der Streit programmiert. Bei der Frage, wo das olympische Feuer zuerst brennt, wird es zwischen den Städten - wenn alles so bleibt - ein Hauen und Stechen geben. Und da haben wir noch längst nicht über die rheinischen Teilnehmerstädte wie Köln oder Düsseldorf gesprochen, deren Selbstbewusstsein nun auch nicht gerade klein ist.

Stand: 12.02.2020, 13:45