Olympia 2032 an Rhein und Ruhr: NRW will nicht aufgeben

Olympia 2032 an Rhein und Ruhr: NRW will nicht aufgeben

Von Nina Magoley

Die Chancen auf Olympische Spiele 2032 in NRW sind nicht mehr besonders gut. Die Metropolregion Rhein-Ruhr scheint aus dem Rennen. Die Landesregierung will aber offenbar die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Noch vor drei Tagen war NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) voller Hoffnung: Euphorisch vermeldete er auf einer Pressekonferenz, dass sich NRW mit guten Chancen für die Olympischen Spiele 2032 bewerben würde: "Wir wollen 2032 die Spiele in Nordrhein-Westfalen ausrichten." Jetzt dürfte es reichlich lange Gesichter in der Staatskanzlei geben. Und nicht nur dort.

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hatte gestern entschieden, vorerst ausschließlich mit dem australischen Bewerber Brisbane zu verhandeln. Andere Interessenten wie Katar oder Budapest und eben auch die Rhein-Ruhr-Initiative erhielten damit erstmal einen empfindlichen Dämpfer.

Landesregierung: "Gespräche fortsetzen"

Doch so schnell will die Landesregierung offenbar nicht aufgeben. NRW habe sich "auf den Weg gemacht", die Voraussetzungen für Olympische und Paralympische Spiele zu schaffen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei auf Nachfrage am Donnerstag, und sprach weiter von einer "großen Chance" für die Metropolregion Rhein-Ruhr. "Dazu setzen die Landesregierung, die Stadtoberhäupter der am Konzept beteiligten Kommunen und die Initiative Rhein Ruhr City an diesem Freitag ihr Gespräch zum Bewerbungsprozess fort".

Die olympischen Regenspiele an Rhein und Ruhr

WDR RheinBlick 25.02.2021 27:51 Min. Verfügbar bis 25.02.2022 WDR Online


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Modellzeichnung eines möglichen Olympiadorfs über der A40 in Essen

Simulation: Olympiadorf in Essen

Ministerpräsident Laschet hat für Freitag zu diesem Gespräch mit den für die Bewerbung vorgesehenen Städten geladen. Zahlreiche Kommunen im Ruhrgebiet hatten sich von der Gastgeberrolle bei den Olympischen Sommerspielen viel versprochen. Allein das "Olympische Dorf" würde rund 15.000 Sportler beherbergen. Die Stadt Essen hatte bereits Pläne, wie das Dorf aussehen könnte.

Mronz bemängelt fehlende Unterstützung

Mit seiner privatwirtschaftlichen Initiative Rhein-Ruhr gilt der Unternehmer Michael Mronz als Initiator der Idee, die Spiele nach NRW zu holen. Mit 115.000 Hotelbetten alleine in der Region Rhein-Ruhr übererfülle NRW bereits die Anforderungen des IOC, hatte Mronz noch im vergangenen Jahr geschwärmt.

In einem ersten Statement zitiert die FAZ Mronz mit den Worten, man nehme "den überraschenden Schritt des IOCs zur Kenntnis". Die Schuld daran macht Mronz offenbar im eigenen Land aus. Er verweist darauf, dass das IOC seine Entscheidung für Brisbane auch mit der starken Unterstützung durch das Australische Olympische Komitee begründet habe, diese aber "im Falle Deutschlands leider nicht gegeben" gesehen habe.

Tatsächlich hatte es für Olympia 2032 in NRW noch keine konkrete Verhandlungen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) mit dem IOC gegeben. Auch die Finanzierung war in weiten Teilen noch offen. Eine Bürgerbefragung war für den Herbst vorgesehen, eventuell gekoppelt an die Bundestagswahl.

IOC mit intransparentem Verfahren

Der WDR-Sportjournalist Robert Kempe beschäftigt sich seit Jahren mit dem IOC - und ist von der Entscheidung nicht überrascht. Seit das Vergabeverfahren beim IOC 2019 geändert wurde, sei der Ablauf völlig intransparent, kritisiert er. Demnach gehe die Kommission jetzt gezielt auf Bewerber zu. "Fakt ist, dass wir nichts davon wissen, was diskutiert wurde", sagt Kempe, "wir wissen auch derzeit nicht, was das IOC mit der Rhein-Ruhr-Initiative diskutiert hat". Laut einer Klausel beim IOC dürfe über die Inhalte solcher Gespräch nichts nach außen dringen.

Kutschaty: "Die Region hätte es verdient"

Er sei "enttäuscht", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Kutschaty am Donnerstag dem WDR. Die Region Rhein-Ruhr sei "der perfekte Ort" für die Austragung der Olympischen Spiele. "Wir hatten uns viel versprochen auch für den Ausbau der Infrastruktur." Ein Zuschlag für Olympia wäre ein "Aufbruchsignal", sagte Kutschaty, "die Region Rhein-Ruhr hätte es verdient".

Aber auch Kutschaty will die Hoffnung nicht aufgeben: "Wir müssen jetzt alles tun, dass diese Bewerbung doch noch eine Erfolgsmöglichkeit hat." Er erwarte von der Landesregierung "jetzt zu handeln, die Bewerbung zu pushen". Laschet als Sportminister müsse sich "jetzt ins Zeug legen".

Grüne vermissen Engagement für Olympia

Kritischer äußerte sich am Donnerstag die Co-Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion, Josefine Paul. Sie wirft der Landesregierung mangelndes Engagement vor: Es reiche nicht aus, "dass man einfach irgendwie beim IOC vorspricht". Die Hausaufgaben, meint sie, müssten in NRW gemacht werden. Tatsächlich ist im Haushaltsplan 2021 der Landesregierung kein einziger Posten für die Vorbereitung der Olympischen Spiele 2032 vorgesehen.

Stand: 25.02.2021, 16:48