Obdachlose Frauen: ein verdecktes Problem

Montage: Landtag in Düsseldorf;eine obdachlose Frau zieht ihre Habseligkeiten verpackt in Koffern und Taschen beim Überqueren einer Straße hinter sich her.

Obdachlose Frauen: ein verdecktes Problem

Von Sabine Tenta

  • Landtag diskutiert über Obdachlosigkeit von Frauen
  • Frauenhäuser als Hilfe in der Not
  • Welche Wohnungspolitik ist sinnvoll?

Obdachlosigkeit von Frauen ist ein wenig beachtetes Problem. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach am Mittwoch (11.07.2018) im NRW-Landtag von "Schicksalen von Frauen, die einen emotional enorm berühren." Er lobte, dass die SPD eine Aktuelle Stunde zum Thema beantragt hatte. Sein Ministerium hatte vor kurzem eine Fachtagung dazu veranstaltet.

Über die Wichtigkeit des Themas waren sich die Fraktionen weitgehend einig, nur FDP und AfD kritisierten den geschlechtsspezifischen Ansatz.

Hohe Dunkelziffer

Lisa-Kristin Kapteinat (SPD) zitierte aus einer landeseigenen Statistik. Demnach waren 2016 in NRW 6.400 Frauen wohnungslos, "die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher".

Landesregierung gibt mehr Geld für sozialen Wohnungsbau

WDR 5 Westblick - aktuell | 11.07.2018 | 00:49 Min.

Download

Eine Einschätzung, die auch Claudia Schlottmann (CDU) teilte. Unter anderem, weil Frauen "die männlich dominierten Notunterkünfte" scheuten und sich so einer statistischen Erfassung entzögen.

Die Grüne Josefine Paul wies darauf hin, dass viele obdachlose Frauen bei Verwandten oder Bekannten unterkommen oder aber sich in "Sexpartnerschaften" flüchteten mit der Gefahr, sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein.

Nach Angaben der Landesregierung leben von den 6.400 wohnungslosen Frauen knapp neun Prozent auf der Straße.

Die Ursachen weiblicher Obdachlosigkeit

Die Christdemokratin Schlottmann nannte strukturelle Gründe als Ursache der Obdachlosigkeit von Frauen. Dazu zählen für sie die "unterbezahlte Haus- und Familienarbeit", Gewalt in Beziehungen und der im Schnitt geringere Lohn, den Frauen erhalten.

Lage der Frauenhäuser in NRW

"Frauenhäuser sind ein Baustein, um Frauen in Not zu helfen", betonte die Grüne Paul. Die Lage der Frauenhäuser in NRW stand denn auch im Fokus der Debatte. Frauenministerin Ina Scharrenbach (CDU) erinnerte daran, dass das Land die Zahl der Plätze erhöht habe. Die Opposition kritisierte, dass dies noch ungenügend sei.

Förderung der Wohnungspolitik

Eng verknüpft mit dem Thema Obdachlosigkeit ist die Wohnungspolitik. Dabei haben Regierung und Opposition unterschiedliche Auffassungen: CDU und FDP setzen unter anderem auf den Eigenheimbau junger Familien zur Entlastung des Wohnungsmarkts. SPD und Grüne wünschen sich hingegen eine stärkere Förderung des sozialen Wohnungsbaus.

Bauministerin Scharrenbach kündigte an, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau um 300 Millionen Euro zu erhöhen.

Zuversicht des Sozialministers

Das letzte Wort in der Debatte hatte Sozialminister Laumann. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Problem der Obdachlosigkeit "mit gutem Willen zu lösen ist."

Stand: 11.07.2018, 14:45