"Dunkelfeld-Studie" zur Gewaltkriminalität in NRW gestartet

Mann der seine Faust nach vorne streckt

"Dunkelfeld-Studie" zur Gewaltkriminalität in NRW gestartet

  • Ergebnisse zu Gewalt und Sicherheit erwartet
  • 60.000 Fragebögen verschickt
  • Erste Studienergebnisse 2020

Mit einer großangelegten Befragung will die Landesregierung Gewalt und Sicherheitsempfinden der Menschen in NRW ermitteln. 60.000 Personen über 16 Jahre bekommen dazu ab Montag (02.09.2019) einen Fragebogen zugeschickt. Darin geht es laut NRW-Heimat- und Innenministerium um unterschiedliche Aspekte von Gewalterfahrung - in der eigenen Familie, auf der Straße, im öffentlichen Raum.

Wie sicher fühlen sich die Menschen in ihrem Umfeld?

Neben Erkenntnissen zu Gewaltstraftaten aus dem "Dunkelfeld", also Straftaten, die der Polizei nicht bekannt sind, soll auch das Sicherheitsgefühl der Menschen erfasst werden: Ob am Wohnort Müll auf der Straße herumliege oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt wird, in den nächsten zwölf Monaten beraubt zu werden. Auch der Schutz vor Kriminalität und Hilfsangebote für Gewaltopfer werden abgefragt.

"Wir müssen den Menschen die Angst nehmen"

„Die nachweislich verbesserte Kriminalitätslage bei uns in Nordrhein-Westfalen ist die eine Sache, das Empfinden der Bürger die andere. Wir müssen nicht nur für eine bessere objektive Sicherheit sorgen, sondern wir müssen den Menschen auch die Angst nehmen, Opfer einer Straftat werden zu können", sagt Innenminister Herbert Reul. "Es bringt doch nichts, wenn es auf dem Papier sicher ist, die Leute aber Sorgen haben, wenn sie die eigenen vier Wände verlassen. Um dieses Problem anzupacken, müssen wir wissen, wo sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen unsicher fühlen."

Gründe für gefühlte Unsicherheit?

Per Zufallsprinzip werden nun Menschen aus 81 Kommunen in NRW befragt, darunter auch einige Kommunen am Niederrhein. Eine WDR-Umfrage in Straelen zeigt: Viele Bewohner fühlen sich dort sicher, erleben und kennen kaum Fälle von Kriminalität vor Ort. Doch einige Frauen und Männer in Straelen sagen: Vor allem spät abends im Dunkeln gehe man nicht mehr so gerne raus. Eltern sagen uns, sie holen ihre Kinder lieber persönlich ab. Doch woran liegt diese Unsicherheit? Gründe dafür können die meisten Befragten nicht klar benennen, für einige entstehe dieses Gefühl der Unsicherheit durch die Berichterstattung in den Medien über Gewaltfälle.

Studie erleuchtet Dunkelfeld

WDR 5 Diesseits von Eden 17.03.2019 10:51 Min. Verfügbar bis 14.03.2020 WDR 5 Von Jörg Fegert

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Die Polizei Kleve verzeichnete in Straelen 29 Gewaltdelikte im vergangenen Jahr, darunter 25 Körperverletzungen. "Im Kreis Kleve haben wir 20.000 Straftaten im Jahr, davon sind rund 2,5 Prozent Gewaltstraftaten", sagt Manuela Schmickler, Sprecherin der Polizei Kleve. "Die Zahlen für Gewaltfälle gehen bei uns aber insgesamt zurück."

Die Studie des Innenministeriums - auch für die Polizei Kleve kann sie in Zukunft eine Hilfe sein, um Gewaltdelikte aus dem "Dunkelfeld" besser zu analysieren und zu verfolgen. "Unser Ziel ist es, Straftaten aufzuklären, deswegen raten wir Bürgern, sobald Gewaltdelikte passieren, diese auch bei der Polizei zur Anzeige zu bringen", sagt Schmickler.

Erste Studienergebnisse 2020 erwartet

Durchgeführt wird die großangelegte Studie, für die das Land NRW 500.000 Euro ausgibt, vom Bonner Umfrageinstitut "Infas" zusammen mit dem Landeskriminalamt. Mit Ergebnissen sei Anfang 2020 zu rechnen.

Stand: 02.09.2019, 14:36