So geht es in Schulen weiter: Nach den Ferien überall Präsenzunterricht

So geht es in Schulen weiter: Nach den Ferien überall Präsenzunterricht

Von Martina Koch

Nach den Ferien soll es an allen Schulen mit Präsenzunterricht weiter gehen. Das haben die Kultusminister beschlossen. Trotzdem sind noch viele Fragen offen.

Silvia Schwick lässt nicht locker. Nach den Ferien soll der Unterricht für ihre Kinder sicherer werden. Sie ist Schulpflegschaftsvorsitzende am Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss und fordert mobile Luftfilter in Klassenzimmern. Was im Landtag oder in Büros der Verwaltung geht, müsse doch auch in Schulen möglich sein, meint Schwick. Eltern wollten die Geräte selber kaufen. Aber das wurde von der Neusser Stadtverwaltung abgelehnt.

Kaum Lüftungsanlagen in Klassenräumen

Neuss ist kein Einzelfall. Und die Zahl der Eltern, die das nicht hinnehmen wollen, wächst. Inzwischen stehen nach Angaben einer landesweiten Elterninitiative 100.000 Eltern aller Schulformen in NRW zusammen. Sie fordern mobile Raumluftfilter für den Präsenzunterricht. Denn sie glauben nicht, dass Lüften allein reicht, um die Infektionsgefahr zu bannen.

Bauministerin: Verlangen bestimmten Technikstandard

Die ablehnende Haltung gegenüber privaten Initiativen in Sachen Lüftungsanlagen erklärte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Mittwochabend in der Aktuellen Stunde damit, dass die vielen verschiedenen Geräte gewartet werden müssten: "Die Frage ist dabei immer: Erfüllen sie ihren Zweck? Wir haben einen bestimmten Technikstandard verlangt, und der wird dann manchmal nicht eingehalten von den Geräten, die da beigestellt werden."

Besseres Lüften: Land will in neue Fenster investieren

Scharrenbach versicherte, dass bis zum Beginn des neuen Schuljahres noch viel passieren werde. Sommerzeit sei Bauzeit: "Die baulichen Maßnahmen, die noch folgen - gerade in Nordrhein-Westfalen - werden dazu beitragen, dass die Belüftung gegeben ist." Viele Schulen würden darüber hinaus im Sommer insbesondere in die Fensteranlagen investieren, die vielerorts marode seien.

Scharrenbach vertrat zudem die Auffassung, dass die Schulen sichere Orte für die Kinder und Jugendlichen seien: "Wir haben als Land genauso wie die Kommunen viel investiert in den letzten zwölf Monaten.“

Bund fördert nur fest eingebaute Lüftungsanlagen

Im November letzten Jahres hatte das Land ein Sonderprogramm für mobile Luftreinigungsgeräte aufgelegt. Es soll die Lücke zur Bundesförderung schließen. Denn der Bund fördert nur fest eingebaute Lüftungsanlagen. Mitte Februar hatte der WDR bei einer Umfrage unter den Kommunen als Schulträger festgestellt, dass nur 28 Prozent vereinzelt Geräte angeschafft haben. Das Land finanziert nur dann, wenn sich die Räume nicht lüften lassen. Das zuständige Bauministerium bestätigt jetzt: von den 50 Millionen Euro, die zur Verfügung stehen, wurden nur 20 Millionen abgerufen - und laut NRW-Bauministerin Scharrenbach bislang neun Millionen tatsächlich ausgegeben.

Impfungen für Kinder nicht in Sicht

Die meisten Lehrkräfte werden wohl bis zum neuen Schuljahr geimpft sein, die Schülerinnen und Schüler aber nicht. Der Impfstoff ist knapp und ohnehin erst ab 12 Jahren zugelassen. Eltern wie Silvia Schwick aus Neuss wollten die Empfehlung der Ständigen Impfkommission abwarten - die aber am Donnerstag eine Empfehlung nur für Kinder mit Vorerkrankungen ausgesprochen hat. Ohnehin sei die Bereitschaft, Kinder impfen zu lassen, bei vielen nicht vorhanden, so Silvia Schwick.

Im Moment besteht Testpflicht für Schülerinnen und Schüler – zweimal die Woche, um am Unterricht teilzunehmen. Die Lehrkräfte stellen darüber auch Bescheinigungen aus.

Warum offene Schulen gut (fürs Impfen) sind

WDR RheinBlick 21.05.2021 38:34 Min. Verfügbar bis 21.05.2022 WDR Online


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Kultusminister vereinbaren Regelbetrieb nach den Sommerferien

Mütter wie Silvia Schwick erwarten von Schulen aber nicht nur Verwaltungsaufgaben, sondern guten Unterricht. Nach so vielen Monaten im Homeschooling müsste viel Unterrichtsstoff nachgeholt werden.

Am Donnerstag vereinbarten die Kultusminister der Länder bei einer Videoschalte, dass alle Schulen nach den Sommerferien "dauerhaft im Regelbetrieb (...) mit allen Schulfächern und Unterrichtsstunden" besucht werden sollen. Das ging aus einem Beschluss hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Schulen erwarten rechtzeitig klare Vorgaben

Natürlich gibt es viele Unsicherheiten in der Pandemie, das weiß auch Dorothee Kleinherbers-Boden. Sie leitet die Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule in Wuppertal und erwartet neben der organisatorischen Vorbereitung des neuen Schuljahres vor allem eine neue Definition des Bildungsbegriffs. "Die Stofffülle, die wir in den Lehrplänen haben, muss reduziert werden“, so die Schulleiterin. Dafür könnte man die Ferien nutzen. Doch Schulministerin Gebauer sieht dazu bisher keinen Anlass.

Allerdings will sie dem kommenden Abiturjahrgang, ähnlich schon wie in diesem Jahr, entgegenkommen. Beim Zentralabitur 2021 hatte es mehr Auswahl bei den Aufgaben gegeben. Schülerinnen wie Patricia Rohleder, die im kommenden Jahr an der Wuppertaler Gesamtschule ihr Abi machen will, hofft, "dass uns mehr Zeit gegeben wird beim Schreiben der Prüfungen und das wir ohne Masken schreiben können."

Während NRW das alles noch überlegt, haben Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen inzwischen die Maskenpflicht an Schulen bei sehr niedrigen Inzidenzzahlen aufgehoben.

Wie gut läuft der Präsenzunterricht? Westpol 06.06.2021 UT DGS Verfügbar bis 06.06.2022 WDR

Stand: 10.06.2021, 17:15