NRW schafft Pooltests an Grundschulen ab

Stand: 17.02.2022, 14:37 Uhr

Schulministerin Yvonne Gebauer lockert: Ab dem 28.2. werden an den Grundschulen keine Pooltests mehr gemacht. Eltern sollen ihre Kinder dreimal die Woche Zuhause testen - die Tests erhalten sie von den Schulen.

Von Marc Steinhäuser, Sabine Tenta

An den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen werden zum Monatsende verschiedene Corona-Regeln gelockert: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte am Mittwochmorgen in Düsseldorf, dass die PCR-Pool-Tests an den Grundschulen zum 28. Februar abgeschafft werden sollen. Für geimpfte oder genesene Grundschul-Lehrkräfte und immunisierte Grundschülerinnen und -schüler entfällt zudem die Testpflicht komplett.

PCR-Pool-Tests an Grundschulen fallen weg

Ab Ende Februar sollen Grundschülerinnen und Grundschüler nur noch zu Hause ihren Test mit den Eltern machen - das allerdings drei Mal pro Woche. Gebauer erklärte, damit setze NRW die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz um. "Die Landesregierung setzt auch verstärkt auf die Eigenverantwortung der Eltern, ihre Kooperation und Mitwirkung, damit der Präsenzunterricht für ihre Kinder weiter gesichert und die Unterrichtszeit entlastet werden kann", sagte Gebauer.

Die Landesregierung vollzieht damit endgültig einen Kurswechsel bei den PCR-Pooltests, der sich bereits seit Wochen angedeutet hatte. Einst warb Schulministerin Gebauer - wie auch Familienminister Joachim Stamp - mit dem deutlich strengeren PCR-Testsystem in NRW. Doch durch die Überlastung der Labore hatte sich das Verfahren im Alltag teils als untauglich herausgestellt, vor allem seitdem die Nachtestungen nur noch über Schnelltests erfolgten. Immer wieder berichteten Schulleitungen und Eltern, dass trotz positiver Fälle im PCR-Pool alle Kontroll-Schnelltests danach negativ waren.

Der neue Ablauf: Schulen teilen die Tests aus

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag

Schulministerin Gebauer (FDP) lockert Testverfahren

Ab dem 28. Februar kommen in allen Grundschulen nur noch Antigen-Selbsttests zur Anwendung. Die notwendigen Tests erhalten die Kinder über die Schulen. "Die Schnelltests können zuhause in Ruhe vor dem Gang zur Schule oder schon am Vorabend durchgeführt werden", teilte das Schulministerium mit. Die Eltern müssten dazu einmalig schriftlich mit einer Bescheinigung versichern, an dem Testverfahren teilzunehmen. Montags, mittwochs und freitags sollen die Tests dann morgens zu Hause gemacht werden. Auch die Vorlage von Bürgertest-Bescheinigungen ist möglich.

Wenn eine Schulkonferenz hingegen beschließe, dass die Tests nach wie vor in der Schule gemacht werden sollen, "kann das in Zukunft so geschehen", sagte die Ministerin dem WDR. Und es bestehe die Möglichkeit der Nachtestung durch die Lehrkräfte, wenn ihnen zu Ohren komme, dass das Kind nicht Zuhause getestet wurde oder wenn ein Kind Symptome zeige.

Kritik von der Opposition an neuem Testregime

Mit dem neuen Verfahren, welches das Schulministerium weiterhin als "strenges Testverfahren" betitelt, sollen Testergebnisse nicht erst am Morgen nach den Corona-Tests in den Schulen vorliegen. "Dadurch können die Eltern bei einem positiven Testergebnis rechtzeitig in gewohnter Umgebung unterstützen und weitere notwendige Maßnahmen in die Wege leiten", wünscht sich das Ministerium.

Nicht alle sind begeistert von den neuen Plänen. Kritik kommt vom schulpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion: "Da die Eltern der Grundschulen jetzt wieder allein gelassen werden, zeigt das nur, dass die Landesregierung das Testregime längst nicht mehr im Griff hat", sagte Jochen Ott. Und die Schulpolitikerin Sigrid Beer (Grüne) meint: "Die Ministerin fährt nun den Infektionsschutz in der Schule weiter herunter."

Ausnahmen für Förderschulen bei PCR-Pooltests

Für alle Förderschulen bleibe laut Landesregierung "aufgrund der strukturell höheren Vulnerabilität dieser Schülergruppe" das bestehende "Lolli"-PCR-Testsystem in seiner jetzigen Form erhalten.

Bei den weiterführenden Schulen bleibt vorerst alles beim Alten: das bestehende System beinhaltet dreimal wöchentlich stattfindenden Antigen-Selbsttests, die in den Schulen vor dem Unterricht durch die Schülerinnen und Schüler selbstständig durchgeführt werden.

Immunisierte Personen müssen keine Tests mehr machen

Erleichterungen soll es auch für Grundschülerinnen und -schüler sowie Lehrkräfte und weitere Beschäftigte geben, die geimpft oder genesen sind. Künftig müssen nur noch Personen, die über keinen vollständigen Impfschutz verfügen, getestet werden. "Dennoch können auch immunisierte Personen weiterhin freiwillig an den Schultestungen teilnehmen, sofern sie dies wünschen", erklärte das NRW-Schulministerium.

Aus den Reihen der Opposition im NRW-Landtag gab es hierfür Zustimmmung. "Es ist richtig, dass Geimpfte und Genesene im nächsten Öffnungsschritt nicht mehr getestet werden müssen", sagte der schulpolitische Sprecher Jochen Ott (SPD).

Entlastungspaket für die Grundschulen

Zugleich kündigte Gebauer am Donnerstag ein "Entlastungs- und Unterstützungspaket" in Höhe von 9,5 Millionen Euro an. Es enthält unter anderem Supervisions- und Coaching-Angebote für Schulleitungen sowie eine Stärkung des Helferprogramms für die Ganztags- und Betreuungsangebote.

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