NRW-Polizei testet Taser im Pilotversuch

Ein Polizeibeamter hält einen Taser im Anschlag.

NRW-Polizei testet Taser im Pilotversuch

  • Elektrodistanzwaffe Taser wird in NRW getestet
  • Vier Polizeibehörden sollen Taser ein Jahr lang nutzen
  • Waffe ist wegen ihrer Gefahren umstritten

In einem Pilotprojekt sollen in den Polizeibehörden in Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen und im Rhein-Erft-Kreis die Taser-Distanzwaffe testen. Beginn der einjährigen Testphase ist im Januar 2021, bis zum Frühjahr 2022 soll eine Auswertung vorliegen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte in Düsseldorf: "Wir müssen die Taser gründlich und in einem Langzeittest auf ihre Praxistauglichkeit hin prüfen. Erst danach können wir entscheiden, ob wir die Geräte flächendeckend für die NRW-Polizei einführen."

Zur Auswahl der Pilotbehörden

Reul sagte, die Auswahl der Pilotbehörden decke die ganze Bandbreite der Polizei im Land ab: "Von großen Behörden mit dementsprechend großen Einsätzen, über eine mittlere Behörde, die mit Fußball- und Claneinsätzen stark belastet ist, bis hin zum personalstärksten Landkreis ist alles dabei." So sei es wahrscheinlich, dass die Taser in unterschiedlichen Situationen getestet werden könnten.

Aktuell werden Taser in Nordrhein-Westfalen nur bei den Spezialeinheiten der Polizei, aber nicht im täglichen Streifendienst eingesetzt. Im Saarland, in Hessen und Rheinland-Pfalz werden die Taser bereits von der Polizei im Regelbetrieb genutzt. Weitere Bundesländer testen den Einsatz.

Die Funktionsweise der Taser

"Distanzelektroimpulsgerät" heißen die Taser im Polizeideutsch, man nennt sie auch Elektroschockpistole. Im Gegensatz zu Elektroschockern funktionieren sie aus der Distanz. Dafür schießen die Taser zwei Mini-Projektile auf einen Menschen, der dann einen 50.000 Volt starken, schmerzhaften Schlag versetzt bekommt.

Eine Muskelkontraktion macht den Getroffenen bewegungsunfähig. Im Gegensatz zu Pfefferspray wirken Taser auch bei Menschen, die betrunken sind oder unter Drogen stehen.

Die Kritik an der Waffe

Gerade Menschen, die unter Drogen stehen, haben jedoch ein erhöhtes Risiko, dass der Taser ihnen schwere gesundheitliche Schäden zufügt oder sie gar daran sterben. Gleiches gelte für Menschen mit Herzerkrankungen. Darauf weist der US-amerikanische Kardiologe Douglas Zipes im Gespräch mit dem WDR-Magazin Monitor hin. Der Herzspezialist hatte Todesfälle untersucht, die nach dem Einsatz eines Tasers auftraten.

Im rheinland-pfälzischen Pirmasens war 2019 ein psychisch Kranker während eines Polizeieinsatzes mit einem Taser beschossen worden. Danach erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, der Herzinfarkt sei plötzlich und ohne Vorzeichen eingetreten.

Stand: 08.07.2020, 16:01

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