NRW begeht 75. Landesgeburtstag mit Festakt

NRW begeht 75. Landesgeburtstag mit Festakt

Mit einem Festakt in Düsseldorf haben Landtag und Landesregierung die Gründung von NRW vor genau 75 Jahren gefeiert. Zu den Gratulanten zählten Kanzlerin Merkel und der Präsident Ghanas.

Angela Merkel, Stargeiger David Garrett, das WDR-Sinfonieorchester und auch der Präsident Ghanas - sie alle waren am Montag zu einem Festakt in Düsseldorf auf der Galopprennbahn der Landeshauptstadt erschienen: Nordrhein-Westfalen feierte seinen 75. Landesgeburtstag.

Angela Merkel: Bindestrich, nicht Trennstrich

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r), und Armin Laschet (beide CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stehen auf dem Gelände der Galopprennbahn auf dem roten Teppich.

Bundeskanzlerin Merkel und NRW-Ministerpräsident Laschet beim Festakt

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel ist eine routinierte Gratulantin bei hiesigen Landesjubiläen: Bereits vor fünf Jahren, zum 70. NRW-Geburtstag, war sie auf Einladung der damaligen Ministerpräsidentin Kraft (SPD) dabei. Am Montag sagte sie mit Blick auf die drei Landesteile Rheinland, Westfalen und Lippe: "Ohne Zweifel wird heute der Bindestrich als solcher und nicht mehr als Trennungsstrich verstanden."

Merkel sprach vom "tiefgreifenden Strukturwandel", damit kenne NRW sich aus. An Rhein und Ruhr habe man sich "förmlich neu erfunden." Sie lobte Nordrhein-Westfalen als "weltoffenes Land", die Grenzregion zu den Niederlanden und Belgien sei zur "Arbeitsregion" geworden. Sie beglückwünschte das Bundesland auch dazu, in der Pandemie stets die Grenzen offen gehalten zu haben. NRW habe die Geschichte der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt "darauf können die Bürgerinnen und Bürger stolz sein".

Laschet zur Aufnahme von Schutzsuchenden aus Afghanistan

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach zunächst über die jüngste Vergangenheit und Gegenwart, nämlich über die Flutkatastrophe und ihre Auswirkungen. Den Betroffenen versicherte er: "Es gilt das Versprechen, die Landesregierung wird Ihnen zur Seite stehen."

Mit Blick auf Afghanistan sagte der CDU-Kanzlerkandidat, NRW sei bereit, so viele Ortskräfte wie möglich aufzunehmen. Insbesondere Frauen, "Journalistinnen, Bloggerinnen, Menschenrechtlerinnen" will Laschet in NRW helfen.

30 Prozent der Menschen in NRW hätten eine Einwanderungsgeschichte, sagte Laschet und verwies auf den ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der Feierlichkeiten "mit Juden, Christen und Muslimen". Den Briten, deren Militärverwaltung einst das Bundesland gegründet hatten, dankte er und bekräftigte: "Auch außerhalb der EU ist Großbritannien ein wichtiger Partner."

Laschets Schreibtisch "entwendet"

Dann erzählte der Ministerpräsident von einem Möbelstück, das für ihn und das neue "Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens" einen weiteren prägenden Aspekt des Landes bezeugt: In der Staatskanzlei habe bis vor kurzem der Schreibtisch gestanden, an dem Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichneten. Die Kanzlerin schaute erstaunt auf der Ehrentribüne. "Das wusstest du noch gar nicht?", fragte Laschet die Parteifreundin.

Weil das Möbel für Laschet eine enge Verbindung zwischen den ehemals verfeindeten Nationen Deutschland und Frankreich symbolisiert, habe er ihn in sein Büro gestellt. Dann wurde er aus eben diesem Grund vom Museum "entwendet", wie Laschet schmunzelnd erzählt.

Freundschafts-Bekräftigung vom Geburtshelfer

Aber auch Deutschland und Großbritannien verbindet eine enge Freundschaft, wie alle Festrednerinnen und -Redner beteuerten. Zu ihnen gehörte der britische Staatsminister Greg Hands, der als junger Mann und Soldat am Niederrhein stationiert war und mit einer Deutschen verheiratet ist. In fließendem Deutsch wandte er sich an die Zuhörenden: "Herzlichen Glückwünsch zu 75 Jahre Nordrhein-Westfalen!"

Sein Rückblick umfasste "75 Jahre enge Freundschaft" und einen Ausblick auf weitere enge Beziehungen im Handel zwischen Schulen, Hochschulen und Städten. "Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit", so Hands.

Ghana durch NRW inspiriert

"Grüße von der Bühne der Weltpolitik", wie es Moderator Johannes B. Kerner nannte, steuerte der Präsident von Ghana bei. NRW verbindet seit mehr als 20 Jahren eine enge Partnerschaft mit dem westafrikanischen Staat. Präsident Nana Akufo-Addo lobte die Kreativität, harte Arbeit und Innovationskraft Nordrhein-Westfalens. All das sei inspirierend für sein Land. Ghana will, so der Präsident, die Beziehungen zu Deutschland vertiefen und im Zentrum stehe dabei NRW.

Und der Ehrengast aus Ghana dankte für die Gelegenheit, "diese wundervolle Musik zu hören". Das musikalische Rahmenprogramm bestritten das WDR-Sinfonieorchester, Stargeiger David Garrett sowie Trompeten-Star Till Brönner mit seiner Band.

Landtagspräsident Kuper dankt den Briten

Zum Auftakt der Feierlichkeiten hatte zuvor der Präsident des NRW-Landtags, André Kuper (CDU), ausdrücklich den Briten gedankt, denn "das beherzte und weitsichtige Handeln Großbritanniens" habe dazu beigetragen die Demokratie in NRW zu ermöglichen. Am 23. August 1946 gründete die britische Besatzungsbehörde das neue Bindestrich-Land. Kuper bat den GB-Staatsminister für Handelspolitik, Greg Hands, diesen Dank auf die Insel zu tragen.

Kuper betonte: "Unsere Geschichte, das sind Schichten, auf denen wir stehen und uns zu bewähren haben." Er warf dann einige kurze Schlaglichter auf die vielfältige Kultur, die auf dem Gebiet des heutigen NRW entstand, nannte Beethoven, BAP, die Toten Hosen, aber auch Heinrich Böll und Friedrich Bodelschwingh. "Unser Land ist viel mehr und viel größer als wir hier heute auszudrücken vermögen", bilanzierte der Parlamentspräsident.

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James Bond soll mitten im Ruhrgebiet geboren worden sein. Kein Scherz! Die berühmte Spionfigur erblickte laut autorisierter Biografie von John Pearson, einst enger Mitarbeiter von Ian Fleming, dem Autor der James-Bond-Romane, 1920 in Wattenscheid das Licht der Welt.

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Da wäre Meerbusch im Rhein-Kreis Neuss als Geburtsort für 007 auch eine gute Wahl gewesen. Hier leben die meisten NRW-Millionäre. Von allen 396 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden hat Meerbusch mit einer Quote von 12,9 je 10.000 Einwohner die höchste Millionärsdichte.

Insgesamt leben heute in NRW 17,9 Millionen Menschen. 51,8 Prozent mehr als im Gründungsjahr. Da lebten 11,8 Millionen Menschen an Rhein und Ruhr. Damit ist NRW das bevölkerungsreichste der 16 Bundesländer Deutschlands. Wäre es ein eigener Staat, wäre Nordrhein-Westfalen unter den zehn größten Staaten der Europäischen Union.

Und die Menschen hier werden alt: In NRW sind etwa 1,2 Millionen Einwohner mindestens 80 Jahre alt. Bad Sassendorf im Kreis Soest ist bezogen auf die Einwohner die älteste Stadt. 12,3 Prozent der dort lebenden Menschen sind 80 Jahre oder älter. Mit einem Altersdurchschnitt von 38,7 Jahren ist Augustdorf im Kreis Lippe die jüngste Gemeinde in NRW.

Die "heißeste" Stadt in NRW ist Marl - jedenfalls war sie es im Sommer 2019. Marl, im nördlichen Ruhrgebiet gelegen, hatte am 25. Juli 2019 mit 41,8 Grad einen neuen Hitzerekord für NRW aufgestellt. Am kältesten war es im Januar 1942 in Münster mit -29,7 Grad.

NRW hat eigentlich viel Platz - mit einer Fläche von 34.112 Quadratkilometern ist NRW das viertgrößte Bundesland Deutschlands. Unsere Nachbarn sind Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie Belgien und die Niederlande.

Mit dem Auto braucht man schon einige Stunden um hier von hü nach hott zu kommen: Die nördlichste Stadt ist Rahden und Hellenthal die südlichste Gemeinde des Landes – per Auto eine Fahrstrecke von 322 Kilometern. Im Westen grenzt die Gemeinde Selfkant an die Niederlande und die östlichste Stadt ist Höxter. 293 Kilometer mit dem Auto braucht man etwa zwischen West und Ost.

Am höchsten hinaus geht es im Rothaargebirge. Der Langenberg ist mit 843 Metern der höchste Berg Nordrhein-Westfalens und überragt somit den wesentlich bekannteren "Kahler Asten" um genau zwei Meter. Die tiefste natürliche Senke befindet sich in Zyfflich in der Gemeinde Kranenburg.

Sechs eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten in NRW stehen unter dem Schutz der Internationalen Konvention für das Kultur- und Naturerbe der Menschheit: die UNESCO-Weltkulturerbestätten sind der Niedergermanische Limes, der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, der Kölner Dom, das Schloss Corvey und die Zeche Zollverein in Essen.

Nach Essen pilgern übrigens Cineasten, denn in der Lichtburg gibt es den größten Kinosaal Deutschlands. 1.250 Plätze bietet das altehrwürdige Kino mitten in der Essener Innenstadt.

Im Ruhrgebiet gibt es noch mehr Superlative: Europas größte zusammenhängende Haldenlandschaft ist der Landschaftspark Hoheward. Mittelpunkt und Wahrzeichen des Landschaftsparks ist die 170 Hektar große und 151 Meter hohe Halde Hoheward, die aus 180 Millionen Tonnen Bergematerial aufgeschüttet würde.

Ein weiteres Ruhrgebiets-Highlight ist der Binnenhafen Duisburg. Er gilt mit all seinen Anlagen als größter Binnenhafen der Welt. Hier liegen imposante Schiffe vor Anker und warten auf die nächste Tour über die Weltmeere. Die 21 öffentlichen Hafenbecken weisen eine Wasserfläche von mehr als 180 Hektar auf, die Uferlänge beträgt 40 Kilometer.

Und zum Schluss ein weltweit bekannter Mann aus Dortmund, der wegen seines Schmucks im Guinnessbuch der Rekorde steht: 516 Stahlstifte und -ringe stecken in der Haut von Rolf Buchholz. Der Informatiker ist der meistgepiercte Mann auf der Welt.

Landtag feiert mit Bürgerinnen und Bürgern

Der Festakt am Montag bildete nur den Auftakt mehrerer Programmpunkte: So öffnet der Landtag interessierten Besucherinnen und Besuchern für eine ganze Jubiläumswoche seine Türen. Zudem wird das Parlamentsgebäude bis Sonntag immer abends in den Landesfarben grün, weiß und rot illuminiert, ergänzt um Zitate und Sätze prägender Persönlichkeiten.

Eine Antwort auf die Moderne: 75 Jahre NRW

WDR RheinBlick 18.08.2021 46:06 Min. Verfügbar bis 18.08.2022 WDR Online


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