NRW mit durchwachsener Klimabilanz

Im Vordergrund steht ein Windkraftrad, im Hintergrund sind rauchende Schornsteine zu sehen.

NRW mit durchwachsener Klimabilanz

Von Sabine Tenta

  • Pinkwart legt Zahlen zu Emissionen in NRW vor
  • Der Energiesektor spart, aber die Mobilität legt zu
  • Noch offen, wie es weitergeht mit der Windkraft in NRW

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) spart bei der Vorstellung der CO2-Bilanz des Landes am Montag (13.07.2020) in Düsseldorf nicht mit Superlativen: NRW sei "auf dem absolut richtigen Weg", die Prognosen der Zahlen für 2019 stellten "alles in den Schatten, was wir bisher erreicht haben". Die Zahlen des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen lassen Pinkwart so ins Schwärmen geraten. Die für 2018 liegen nun endgültig vor, die für 2019 werden noch geschätzt. Für die Coronazeit liegen noch keine Zahlen vor.

Demnach wurden nach den vorläufigen Berechnungen 2019 insgesamt 227 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, 1990 waren es noch 368 Millionen Tonnen. Das macht eine Reduzierung von 38 Prozent aus. Ziel übererfüllt, freut sich Pinkwart. Denn die gesetzliche Vorgabe in NRW sieht eine Reduzierung von 25 Prozent vor.

Klimazielchen erreicht

Im Vergleich zum Klimaziel des Bundes - 40 Prozent weniger Emissionen bis 2020 - hat NRW mit 25 Prozent jedoch nur ein Klimazielchen festgeschrieben, noch unter der alten rot-grünen Landesregierung. Diese 25-Prozent-Einsparung wurde übrigens bereits 2017 erreicht, die neue schwarz-gelbe Landesregierung hat das nie angepasst. Seit Jahren produziert dieses bescheidene Ziel Klima-Erfolgsmeldungen in NRW.

Nimmt man das ambitioniertere Ziel des Bundes, hat NRW noch Arbeit vor sich. Immerhin steht NRW laut Pinkwart im Bundesschnitt gut da. Im Jahr 2019 werde NRW den Bund sogar überholen, mit 38 Prozent Emissionsrückgang in NRW und 35 Prozent im Bund.

Anstieg der Emissionen bei der Mobilität

Die größten Einsparungen in NRW gehen auf das Konto der Energiewirtschaft. Bei der Mobilität gibt es hingegen erhebliche Defizite, denn hier wird sogar ein Anstieg der Emissionen von zwei Prozent für das Jahr 2019 im Vergleich zu 2018 prognostiziert. Nach vorläufigen Berechnungen lag der Mineralöl-Verbrauch im Jahr 2019 in Deutschland 1,7 Prozent über dem Vorjahr. Der Absatz von Diesel- und Ottokraftstoff sowie Flugbenzin habe einen vergleichbaren Anstieg verzeichnet, teilt das Lanuv mit.

Darum stellt Pinkwart am Montag nochmal die bereits beschlossenen Fördermaßnahmen für die Elektromobilität vor.

Windkraft-Konzept soll folgen

Pinkwart weiß, dass all das nicht reicht, um der Klimakrise zu begegnen und betont, weitere "Innovationssprünge" seien notwendig, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Darum werde er "zeitnah" ein Konzept für einen "akzeptanz-sicheren Ausbau der Windenergie" vorlegen. Ob es dann bei den umstrittenen Abstandsregeln bleibt, ließ der Minister offen.

Während der Bund einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 1.000 Metern vorsieht, möchte NRW gerne bei seinem Mindestabstand von 1.500 Metern bleiben. Für Reiner Priggen, Chef des NRW-Landesverbands Erneuerbare Energien, ist dieser Abstand unvereinbar mit einem Ausbau der Windenergie. Einen Ausbau, den auch die Landesregierung will und braucht, wie Pinkwart am Montag betonte.

Grüne: Pinkwart bleibe im "Ankündigungsmodus"

Wibke Brems, energiepolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, kritisierte, Pinkwart bleibe "wieder im Ankündigungsmodus. Noch immer ist unklar, wie die schon lange angekündigten Ziele zum Ausbau Erneuerbarer Energien erreicht werden sollen." Der Ausbau der Elektromobiliät sei klimapolitisch nur dann sinnvoll, wenn der Strom aus Erneuerbaren komme.

Wie geht’s weiter mit der Windkraft in NRW?

WDR 5 Westblick - aktuell 28.05.2020 04:42 Min. Verfügbar bis 28.05.2021 WDR 5 Von Stefan Lauscher

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Stand: 13.07.2020, 13:51

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