Bundesparteitag: Droht der NRW-AfD die Bedeutungslosigkeit?

Ein Logo-Button der AfD liegt unter einer Lupe

Bundesparteitag: Droht der NRW-AfD die Bedeutungslosigkeit?

Von Christoph Ullrich

  • Bundes-AfD wählt in Braunschweig einen neuen Vorstand
  • NRW-Partei droht der Verlust von Posten
  • Landesverband erst seit Oktober mit komplett neuen Vorstand

Wenn die AfD am Wochenende (30.11./01.12.2019) ihren neuen Vorstand wählt, geht es auch darum, welche Rolle der NRW-Landesverband spielt. Bis in den Herbst hinein war die Partei von einem internen Streit nahezu gelähmt. Im Oktober wurde ein komplett neuer Vorstand gewählt. Seitdem hat die Partei nur noch einen Vorsitzenden, den Bundestagsabgeordneten Jörg Lucassen.

Politologe: AfD braucht "Truppe um Höcke"

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.11.2019 05:55 Min. Verfügbar bis 29.11.2020 WDR 5

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Meuthen in NRW unumstritten

Seit seiner Wahl ist es ruhiger geworden, von großen Streitereien hört man nichts mehr. Das machte sich auch vor dem Bundesparteitag bemerkbar. In ungewohnter Einigkeit favorisierte das Spitzenpersonal in NRW die Wiederwahl des Parteichefs Jörg Meuthen.

Allerdings wird es beim zweiten Vorsitzenden schon schwieriger. Parteichef Lucassen hält Tino Chrupalla aus Sachsen für einen geeigneten Kandidaten. Das sagte er in einem WDR-Interview. Zurückhaltender ist man in der Landtagsfraktion. Deren Chef Markus Wagner sagt, dass Chruppall zwar "ein gewisses Anrecht hat, die erfolgreichen Ostverbände der AfD an dieser herausragenden Stelle zu vertreten", aber er sagt auch, dass viel von den Reden abhängen werde.

Keinen Favoriten für zweiten Bundeschef

Das könnte für Gottfried Churio ein Vorteil sein, der an der Basis wegen seiner Reden beliebt ist. Allerdings gilt der Bundestagsabgeordnete aus Berlin als Einzelgänger und in NRW findet er bei den Landesspitzen keine Zustimmung. Anders ist das bei Dana Guth aus Niedersachsen. Weite Kreise der NRW-AfD wollen die niedersächsische Landeschefin zur zweiten Person an der Spitze wählen, allen voran Ex-Landeschef Helmut Seifen.

Bei allem Schachern um die Posten an der Parteispitze geht es für den NRW-Verband vornehmlich um seinen Einfluss im Bundesverband. So steht die Wiederwahl des stellvertretenden Parteichefs Kay Gottschalk auf der Kippe.

Der Politiker vom Niederrhein hat es sich mit dem ganz rechten Parteiflügel der AfD verscherzt. Außerdem ist die Konkurrenz bei der Wahl der drei Partei-Vize ausgesprochen groß.

NRW-AfD kämpft um Einfluss

Klar scheint die Situation für Guido Reil zu sein. Er wird nicht mehr Teil der Bundesspitze sein. Der Mann aus Essen war vor zwei Jahren zum Beisitzer gewählt worden. Intern war der ehemalige Bergmann damals durchaus beliebt. Er war 26 Jahre in der SPD, der Übertritt in die AfD fand bundesweit Beachtung.

Inzwischen sitzt Reil im Europaparlament für die AfD - die Zuneigung der Basis ist allerdings wegen mehrerer unglücklicher Auftritte in der Öffentlichkeit abgekühlt. Es könnte also passieren, dass NRW mit dem zahlenmäßig größten Landesverband künftig nicht mehr in der AfD-Spitze vertreten sein wird.

Vor dem Parteitag: Wo steht die AfD? Westpol: Eins zu eins 27.11.2019 28:45 Min. Verfügbar bis 27.11.2020 WDR

Stand: 30.11.2019, 15:27