Chaos Notaufnahme - Portalpraxen helfen weiter

Chaos Notaufnahme - Portalpraxen helfen weiter

  • Starker Andrang in Notaufnahmen der Krankenhäuser
  • Portalpraxen bieten Abhilfe
  • Anzahl soll ausgebaut werden

Seit Jahren gibt es einen immer größeren Andrang in den Notaufnahmen der Krankenhäuser: Es kommen Patienten mit Bagatellerkrankungen oder weil sie keinen zeitnahen Termin beim Facharzt bekommen haben. Echte Notfälle müssen warten. Manchmal zu lange warten.

Drastische Folgen für Patienten

Sabrina Diehl ist Fachanwältin für Medizinrecht und schildert den Fall einer Mandantin: Mit einem Gefäßverschluss im Bein sei sie zunächst zu einer Notarzt-Praxis gegangen und von dort zur Notaufnahme eines Krankenhauses geschickt worden.

Dann musste sie rund sechseinhalb Stunden auf eine Behandlung warten. "Das Ganze hat letztlich noch zu einem Schlaganfall geführt und sie ist heute schwerst pflegebedürftig."

Die Notfallversorgung

Viele Patienten sind überfordert, auszumachen, wer für sie zuständig ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der TU Berlin. Demnach kennen 55 Prozent der Patienten, die in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen, den Bereitschaftsdienst der Kassenärzte nicht.

Dabei ist der ärztliche Bereitschaftsdienst seit 2012 ganz einfach über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116 117 zu erreichen.

Portalpraxen: Eine Anlaufstelle für alle

Ein Weg aus der Krise der Notfallaufnahme bieten sogenannte Portalpraxen: Sie werden gemeinsam von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern betrieben. Großer Vorteil: für die Hilfesuchenden gibt es eine Anlaufstelle.

Hier wird je nach Schwere des Falls entschieden, ob der Bereitschaftsarzt oder die Notfallambulanz des Krankenhauses weiterhilft. Die KV Westfalen-Lippe hat bereits 13 Portalpraxen im Regelbetrieb.

NRW will mehr Portalpraxen

Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums besteht bei den wesentlichen Akteuren ein Konsens, dass in den kommenden Jahren sukzessive Portalpraxen an allen geeigneten Krankenhausstandorten in NRW errichtet werden sollen.

Rein räumlich bestehen gute Voraussetzungen zur Schaffung von Portalpraxen. Denn bereits jetzt sind viele Praxen von Bereitschaftsärzten auf dem Gelände von Krankenhäusern. Im Bereich der KV Nordrhein beispielsweise sind es 75 Notdienstpraxen.

Notfallversorgung im Fokus der GroKo

Entscheidend bei der Umwandlung dieser Praxen in Portalpraxen ist die Frage der Finanzierung. Neue finanzielle Rahmenbedingungen müsste der Bund schaffen.

CDU/CSU und SPD sehen Handlungsbedarf und haben im Ergebnispapier ihrer Sondierungen zur Bildung einer Großen Koalition festgehalten, dass sie "nachhaltige Schritte" zur Verbesserung der Notfallversorgung einleiten wollen.

Stand: 14.01.2018, 06:00

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