Die Corona-Strategie der Grünen

Das Logo der Grünen ist auf einem Monitor zu sehen. Die nordrhein-westfälischen Grünen wählen am Wochenende ihr Spitzenpersonal für die Bundestagswahl. Der dreitägige Parteitag verläuft wegen der Corona-Pandemie teils online, teils in Präsenz.

Die Corona-Strategie der Grünen

Teile der Grünen beraten über die sogenannte "No-Covid"-Strategie. Öffentlich und länderübergreifend. Politische Mehrheiten dafür gibt es nicht, aber scheinbare kleine Annäherungen.

Noch haben sie die sogenannte "No-Covid"-Strategie nicht abgeschrieben - das wird an diesem Dienstag deutlich. Zwar nur digital, dafür aber mit prominenter Unterstützung, hielten sieben Landtagsfraktionen der Grünen, darunter auch die aus NRW, ein öffentliches Online-Hearing über Strategien zur Pandemiebekämpfung ab. Doch der Titel und die lange Gästeliste täuschten. Zwar waren viele Fachrichtungen vertreten - neben Virologie, auch Physik, Pädagogik und Politik - doch alle Expertinnen und Experten einet ein großer gemeinsamer Nenner: sie sind alle Anhänger der sogenannten "No Covid"-Strategie.

Was hinter "No-Covid" steckt

Kern der Strategie sind stabil niedrige Inzidenzen von unter 10 pro 100.000 Einwohner. Trotzdem wollten sie keine Lockdown-Initiative sein, erklärt der Immunologe Michael Meyer-Herrmann im Hearing. Im Gegenteil: Das Ziel seien Öffnungen. Aber halt erst, wenn die Inzidenz niedrig sei. Und dann gelte es diesen Status zu verteidigen. Das sei aber gar nicht so schwer, dank besserer Kontaktnachverfolgung und gesundheitlicher Versorgung.

Keine politische Mehrheit

Die "No-Covid"-Strategie ist seit langem bekannt, auch in der Politik. Michael Meyer-Herrmann zählt zum Beraterkreis der Bundeskanzlerin. Und bei den wissenschaftlichen Anhörungen im Vorfeld der Ministerpräsidenten-Konferenzen haben auch schon seine "No Covid"-Kolleginnen Viola Priesemann und Melanie Brinkmann vorgetragen. Eine Mehrheit für die Strategie fand sich bislang aber weder im Bund noch auf Länderebene.

Raus aus dem Jo-Jo-Effekt

Warum dann wieder Beratungen über "No Covid"? Die niedersächsische Landtagsfraktion habe das Hearing organisiert, erklärt der gesundheitspolitische Fraktionssprecher der Grünen in NRW, Mehrdad Mostofizadeh. Und man müsse ja nicht alles eins zu eins übernehmen, sondern könnte von der Strategie lernen. Niedrige Inzidenzen seien nunmal die Basis, um Schulen und andere gesellschaftliche Bereiche zu öffnen. Das müsse das Ziel sein, allein um aus diesem Jo-Jo-Effekt rauszukommen. Zudem hätten die NRW-Grünen auch schon mit mehreren anderen Wissenschaftlern zum Thema diskutiert, so Mostofizadeh.

Modellprojekte als Annäherung

Was also bleibt von der "No-Covid"-Strategie? Der Bonner Virologe und Mitglied des Corona-Expertenrats der NRW-Landesregierung Hendrik Streeck betont, es gebe zwar nicht "die Wissenschaft". Aber so unterschiedlich, wie oft berichtet, seien die Positionen teilweise gar nicht: "Vieles von dem, was wir damals vorgeschlagen haben, Stichwort "Modellprojekte wie in Tübingen", wird mittlerweile auch von den "No Covid"-Wissenschaftlern als gut befunden.", so Streeck. Tatsächlich hatte Virologin Melanie Brinkmann gerade erst in einer Stellungnahme befürwortet, das Tübinger Modellprojekt fortzuführen. Die Rufe nach einem harten Lockdown werden scheinbar ein bisschen leiser.

Modell Tübingen: "Kostet wahnsinnig viel Energie"

WDR 5 Mittagsecho 29.03.2021 05:19 Min. Verfügbar bis 29.03.2022 WDR 5


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Sinkende Inzidenzwerte

Nah bei einander sind die Wissenschaftler auch bei ihren Prognosen für den weiteren Pandemie-Verlauf. Bei einer Anhörung im Parlamentarischen Begleitgremium zur Covid-19-Pandemie des Bundestags erklärte Forscherin Viola Priesemann, dass sie Inzidenzen unter 50 in den nächsten Wochen für möglich hält, wegen des Impffortschritts. Was die sinkenden Inzidenzwerte dann mit der "No-Covid"-Bewegung und den Grünen machen, wird sich zeigen.

Stand: 04.05.2021, 18:47

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