Über 2.100 Lehrer in NRW gesucht

Über 2.100 Lehrer in NRW gesucht

Von Nina Magoley

  • Viele Lehrerstellen in NRW zu Beginn des neuen Schuljahres unbesetzt.
  • Neue NRW-Schulministerin Gebauer stellte am Freitag (25.08.2017) ihre Pläne vor.
  • Vorgängerregierung habe ihr "große und völlig ungelöste Aufgaben" hinterlassen.

Sie sei angetreten, "Gutes zu bewahren und notwendige Veränderungen herbeizuführen", sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag (25.08.2017) zum Auftakt des neuen Schuljahres in Düsseldorf. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe ihr "große und völlig ungelöste Aufgaben" hinterlassen. Dies sind die wichtigsten Punkte, die die neue Ministerin in Angriff nehmen will:

1. Inklusion

Die neue NRW-Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer

Will drängende Probleme lösen: Schulministerin Yvonne Gebauer

Beim Thema Inklusion seien den Schulen die Probleme zuletzt "über den Kopf gewachsen", stellte Gebauer fest, ein Umsteuern sei dringend notwendig. Eine erste Maßnahme sei die vorübergehende Aussetzung des rot-grünen Beschlusses, die Förderschulen abzuschaffen. Drei der Förderschulen, die 2017 auslaufen sollten, werden nun erstmal weitergeführt: so die Uppenbergschule in Münster und zwei Förderschulen in Duisburg und Köln. Auch im Schuljahr 2017/18 sollen mehrere Förderschulen erhalten bleiben, deren Ende eigentlich beschlossen war.

Ziel sei es, so Gebauer, dass Eltern die freie Wahl haben sollen, ob ihr Kind an die Förder- oder an eine Regelschule geht. Im abgelaufenen Schuljahr profitierten in NRW 126.862 Schüler von Inklusion, weit mehr als ein Drittel davon an Regelschulen.

Ausgewiesene Inklusionsschulen, sogenannte Schwerpunktschulen, gebe es in NRW bisher nur "eine Hand voll", kritisierte Gebauer. Das soll sich ändern.

Was offen bleibt: Es müsse eine neue Definition dazu erarbeitet werden, was eine "Schwerpunktschule" für Inklusion ist und welche Bedürfnisse es dort gebe, sagt Gebauer.

Inklusion in der Schule

Nur vage Zahlen zur Inklusion

Auch lasse sich bisher nicht genau beziffern, wie viele Schulen überhaupt Inklusion praktizieren. Das Ministerium sei nun dabei, per Abfrage an allen Schulen eine "Landkarte" zu erstellen, die Aufschluss über Standorte von Inklusionsschulen, deren Konzepte, Personal und zusätzliche Ausstattungen gibt.

2. G8/G9

Beim Turboabi, einem der größten Reizthemen der rot-grünen Jahre, hatte die neue Regierung gleich zu Anfang eine "Leitentscheidung" getroffen: Gymnasien und Gesamtschulen sollen ab dem Schuljahr 2019/20 grundsätzlich wieder über neun Schuljahre laufen. Allerdings können Schulen selber entscheiden, ob sie doch bei G8 bleiben möchten.

Für die Rückkehr zu G9 müssten jetzt zügig neue Lehrpläne und Prüfungsordnungen her, im Sommer 2018 soll die notwendige Gesetzesänderungen beschlossen werden. Eltern müssten "frühzeitig wissen", ob ihre favorisierte Schule sich für G8 oder G9 entscheidet.

Was offen bleibt: Den Schulen wurde bisher keine Frist gesetzt, bis wann sie sich für G8 oder G9 entscheiden müssen.

Wie Eltern dann eine Entscheidung treffen sollen, ist unklar. Das seien rechtliche Fragen, die "momentan noch im Haus geklärt" würden. Dennoch sagt die Ministerin: Auch Kinder, die jetzt in die vierte Klasse kommen, würden bei G9 noch "mitgenommen".

Das heißt, sie sollen bereits die Chance haben, erst nach 13 Schuljahren Abitur zu machen. Wie genau dies ausgestaltet wird, ist ebenfalls noch unklar.

3. Lehrermangel und Unterrichtsausfall

Besonders dramatisch zeigt sich der Lehrermangel an den Grundschulen, aber auch an Förderschulen und Berufskollegs, erklärte die Ministerin. Von gut 5.400 Stellen, die für das kommende Schuljahr 2017/18 neu ausgeschriebenen Stellen, wurden, seien mehr als 2.100 noch nicht besetzt. Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministeriums derzeit 160.000 Lehrerstellen in NRW. Als kurzfristige Maßnahme kündigte Gebauer an, den "Seiteneinstieg" in die Grundschule zu ermöglichen. Ausgebildete Akademiker können, außer für die Fächer Kunst, Musik und Sport, jetzt auch als Englischlehrer anheuern.

Während es an Grundschullehrern mangelt, gibt es aber zu viele Lehrer für die Sekundarstufen I und II. Gebauer will arbeitslosen Oberschullehrern daher anbieten, auf zwei Jahre befristet - und geringer bezahlt - an Grundschulen einzusteigen. Nach den zwei Jahren, so das Angebot, sei eine Stelle an Gymnasium oder Gesamtschule dann garantiert.

Was offen bleibt: Keine Antwort kann die Minsterin bisher auf die Frage geben, ob noch weitere Lehrerstellen neu geschaffen werden müssen.

Beim Thema Unterrichtsausfall ist weiterhin unklar, wie groß das Problem wirklich ist. Die Vorgängerregierung hatte die ausgefallenen Stunden mit nur 1,8 Prozent beziffert. "Das widerspricht aber der allgemeinen Wahrnehmung", sagte die neue Schulministerin. Geplant sei deshalb eine "schulscharfe Erhebung" - die allerdings erst im Schuljahr 2018/19 starten soll. In der Opposition hatten FDP und CDU oft behauptet, den Unterrichtsausfall könne man doch "auf Knopfdruck" eruieren.

Fazit: Ministerin Gebauer muss jetzt liefern

Die neue Schulministerin hat viel vor. An klaren Konzepten mangelt es allerdings sieben Wochen nach ihrem Dienstantritt in vielen Bereichen noch. Ob Yvonne Gebauer die drängenden Probleme der Vorgängerregierung lösen kann, muss sie jetzt zeigen.

Stand: 25.08.2017, 15:31