Wirtschaft als neues Schulfach

ARCHIV - Eine Schülerin hebt  im Unterricht an einer Schule  den Finger.

Wirtschaft als neues Schulfach

Von Nina Magoley

  • Fach Wirtschaft neu ab dem kommenden Schuljahr
  • Schülerverbände sind empört
  • Befürchtung: Politikunterricht kommt zu kurz

"Wirtschaft" als neues Schulfach soll an den Gymnasien in NRW bereits ab dem Schuljahr 2019/20 unterrichtet werden, an anderen Schulformen ab dem Jahr darauf. Die ersten Details dazu stellte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag (26.11.2018) vor.

Ziel sei, den Schülern die Kompetenz zu vermitteln, Wirtschaftsnachrichten einordnen zu können und später "wirtschaftliche Verhältnisse verantwortungsvoll mitgestalten zu können", sagte die Ministerin. Zum Unterrichtsinhalt gehöre die Frage "Was ist ein Tarifvertrag?" genauso wie eine Anleitung, einen Handyvertrag "gut und günstig" abzuschließen.

Kein einheitlicher Name des Schulfachs

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, Pressekonferenz am 24.08.2018

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer

Am Gymnasium soll das neue Fach künftig "Wirtschaft-Politik" heißen und zusammen mit den Fächern Erdkunde und Geschichte in insgesamt 23 Wochenstunden unterrichtet werden.

An den Realschulen wird es schlicht "Wirtschaft" heißen und zur bestehenden Fächergruppe Geschichte, Erdkunde und Politik mit insgesamt 21 Wochenstunden gehören. Die Hauptschulen werden einen neuen "Lernbereich Wirtschaft und Arbeitswelt" bekommen.

Schüler wollen kein Schulfach Wirtschaft

Die Einführung des Fachs Wirtschaft entspreche dem Wunsch der Schüler in NRW, erklärte Gebauer. Immer wieder sei geäußert worden, dass Jugendliche sich bei wirtschaftlichen Themen "nicht ausreichend geschult" fühlten.

Dem widerspricht allerdings die Landesschülervertretung (LSV) NRW vehement. Man lehne die Einführung eines Fachs Wirtschaft ab, sagt LSV-Vorstandsmitglied Moritz Bayerl. In Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus sei die politische Bildung viel wichtiger.

Gefahr durch Lobbyeinflüsse?

Die LSV verweist auf eine Studie der Uni Bielefeld, wonach schon jetzt nur 32 Prozent des Politikunterrichts am Gymnasium politischen und nicht wirtschaftlichen Themen gewidmet sei. Eine Stärkung des Unterrichtsfachs Wirtschaft schwäche die politische Bildung in der Schule weiter und sei "zudem eine offene Tür für unreflektierte Lobbyarbeit der Unternehmen".

Mit den selben Argumenten lehnt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW ein Schulfach "Wirtschaft" ab.

Unterrichtsinhalte und -materialien sei "urhoheitliche Aufgabe des Landes" und müssten von der Lehrplankommission geprüft werden, erklärt dagegen das Ministerium. Die Sorge, dass künftig Unternehmen wie etwa Banken oder Versicherungen Einfluss auf die Gestaltung des Lehrmaterials nehmen könnten, sei "durch nichts begründet", beteuerte Staatssekretär Mathias Richter.

Stand: 26.11.2018, 13:50