Missbrauchsfall Bergisch Gladbach wird immer größer

Zwei Menschen kämpfen miteinander. Man sieht nur ihre Schatten.

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach wird immer größer

Von Nina Magoley

  • Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach wohl größer als Fall Lügde
  • Landeskriminalamt in NRW: Ausmaß noch nicht absehbar
  • Zuletzt Festnahme in Sachsen-Anhalt

Experten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) gehen davon aus, dass der Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach noch größer ist als der Fall in Lügde. "Wenn so viele Chat-Teilnehmer und Gruppen da sind, kann man davon ausgehen, dass das sichergestellte Datenmaterial größer ist als im Fall Lügde", zitiert die "Rheinische Post" vom Montag (25.11.2019) LKA-Direktor Frank Hoever. Man habe bereits "immense Datenmengen" gefunden.

Nach LKA-Informationen stießen die Ermittler auf eine Chat-Gruppe mit 1.800 Mitgliedern, die kinderpornografisches Material untereinander ausgetauscht haben. Die Zahl der Täter und Opfer steige derzeit noch ständig, bestätigte LKA-Sprecher Frank Scheulen dem WDR.

Lügde: Tatort räumlich begrenzt

Frank Scheulen vom Landeskriminalamt Düsseldorf im Interview: die Arbeit von Profilern

Frank Scheulen, Landeskriminalamt NRW

Im Gegensatz zum Fall Lügde, wo sich der Tatort auf einen Campingplatz eingrenzen ließ, sei im Fall Bergisch Gladbach mittlerweile klar, dass die Täter in mehreren Bundesländern aktiv sind. Bei der Auswertung der sichergestellten Chats, Fotos, Videos und E-Mails fielen Hinweise auf neue Täter "wie Dominosteine", so Scheulen. So identifizierte die Polizei Tatverdächtige auch in Hessen und Rheinland-Pfalz, zuletzt in Sachsen-Anhalt.

Dabei gelte es, so schnell, wie möglich festzustellen, ob es "noch andauernden" Missbrauch gebe. Im Fall Bergisch Gladbach ergab sich so nach Angaben der Kölner Polizei bereits elf Mal akuter Handlungsbedarf. Vergangenen Dienstag (19.11.2019) identifizierten die Beamten einen 38-Jährigen in Sachsen-Anhalt, der ein Mädchen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld sexuell missbraucht haben soll und dies vermutlich wiederholt tue.

Um das Mädchen sofort aus der Gefahrenzone zu holen, fuhren Kölner Polizeibeamte noch am selben Abend ihre gefundenen Beweismittel nach Magdeburg, wo die dortigen Kollegen die Wohnung des Verdächtigen durchsuchten und ihn daraufhin festnahmen.

Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: Strafverschärfung gefordert

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.11.2019 04:55 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 WDR 5

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Wettlauf mit der Zeit

Die Auswertung solchen Beweismaterials ist ein Wettlauf mit der Zeit und stellt die Polizei in NRW auch nach Lügde vor Herausforderungen: In den Kreispolizeibehörden mangele es an Personal für diese Aufgabe, räumt LKA-Sprecher Scheulen ein. Das LKA hat daher nach Angaben des Sprechers eigens 20 neue Mitarbeiter eingestellt, darunter auch Nicht-Polizeibeamte. Sie nehmen in diesen Tagen ihre Arbeit auf.

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach gibt es nach Angaben der zuständigen Polizei Köln mittlerweile 14 Verdächtige, acht Personen sitzen in Untersuchungshaft. Als mutmaßlich Tatorte in NRW nennt die Polizei Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Langenfeld. Bisher geht die Polizei davon aus, dass mindestens 20 Kinder missbraucht wurden. Sie seien unter einem bis 14 Jahre alt.

Stand: 25.11.2019, 17:37