NRW-Wirtschaft sucht Anschluss im Heiligen Land (II)

NRW-Wirtschfatsdelegation in der israelischen Innovationsbehörde

NRW-Wirtschaft sucht Anschluss im Heiligen Land (II)

Von Thomas Drescher

Israel hat die zweithöchte Dichte an Startups - nach dem Silicon Valley. Spezialität der Israelis: Cybersicherheit. Unternehmer aus NRW suchen Unterstützung. Ein Reisebericht.

Cybersicherheit ist ein Riesenthema für NRW-Unternehmen

Das Thema Cybersicherheit treibt viele Firmen in NRW um. Deshalb ist das Interesse an der Reise mit Minister Pinkwart groß. Bei der Entwicklung selbstfahrender Autos ist der Schutz vor Attacken zentral, erklärt Rainer Denkelmann vom Automobilzulieferer Aptiv aus Wuppertal während einer Diskussion. Die Vorstellung, ein Fremder könnte die Kontrolle über ein computergesteuertes Fahrzeug übernehmen, schreckt auch die Entwickler.

Im Bergischen Land gibt es über 400 kleine und mittlere Firmen die die deutschen Autokonzerne beliefern und die bei beim großen Wandel zum autonomen Fahren und zur Elektromobilität mitspielen wollen.

Auch für Energieversorger ist Cybersicherheit ein Thema von größter Bedeutung. Patrick Kruchen vom Düsseldorfer Energiekonzern Uniper berichtet von der Sorge, Strom- oder Gasnetze könnten gehackt werden. Angriffe auf die Infrastuktur könnten Städte, wenn nicht ganze Regionen lahmlegen.

Inspiration für Hoffnungsträger

Doch nicht nur große Firmen, auch Startup-Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen sind auf der Tour mit dem Minister dabei. Carlo Jesse aus dem münsterländischen Ibbenbüren sucht nach Inspiration. Er kauft über eine Online-Plattform Privatleuten ihre Gebrauchtwagen ab und verkauft sie dann wieder - ohne selbst ein Autohaus zu betreiben. Zur Zwischenlagerung der Fahrzeuge nutzt er das Gelände der erst kürzlich stillgelegten Steinkohlezeche in Ibbenbüren.

Unternehmer wie Jesse sind Hoffnungsträger für Minister Pinkwart, muss er doch gerade den Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier einleiten. Die Ansiedlung innovativer Unternehmen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Israelis welcome

Die verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israel und Nordrhein-Westfalen soll allerdings in beiden Richtungen funktionieren. Daran wirkt die landeseigene Gesellschaft NRW Invest mit. Der Verantwortlichen für Israel, Eva Platz, ist es gelungen das israelische Unternehmen Orcam nach Köln zu locken.

Eva Platz von NRW Invest mit dem israelischen Unternehmer Omer Elad von der Firma Orcam

Eva Platz von NRW Invest und Omer Elad von Orcam

Orcam stellt eine Kamera her, die stark sehbehinderte oder blinde Menschen an ein Brillengestell heften können. Die Kamera erfasst blitzschnell geschriebenen Text auf Papier, Smartphones oder Schildern. Über einen kleinen Lautsprecher am Ohr wird der Text vorgelesen. Den staunenden Unternehmern aus NRW berichtet Omer Elad von Orcam, es gebe bereits Verträge mit deutschen Krankenkassen zur Kostenübernahme.

Der erste Kontakt ist geknüpft

Noch bevor die Delegation am Freitag wieder in den Flieger steigt, berichten mehrere Teilnehmer über einen regen Mailaustausch mit den Kontakten, die entstanden sind. Einzelheiten sind nicht zu erfahren. Aber weitere Geschäftsreisen nach Israel sind sehr wahrscheinlich.

Stand: 02.03.2019, 12:21