NRW-Wirtschaft sucht Anschluss im Heiligen Land (I)

NRW-Delegation mit Minster Pinkwart vor dem Shimon Peres Center for Innovation and Peace, Tel Aviv, Israel

NRW-Wirtschaft sucht Anschluss im Heiligen Land (I)

Von Thomas Drescher

Israel hat die zweithöchste Dichte an Startups - nach dem Silicon Valley. Spezialität der Israelis: Cybersicherheit. Unternehmer aus NRW suchen Unterstützung. Ein Reisebericht.

Die Unternehmer-Delegation aus NRW ist schon seit drei Tagen in Israel unterwegs, als Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwochabend in Tel Aviv eintrifft. Beim gemeinsamen Abendessen erzählen die Besucher dem Minister von einer Reise nach Be’er Scheva, einem einstigen Beduinendorf in der Negev-Wüste. Die dortige Ben-Gurion-Universität des Negev ist die Keimzelle des digitalen Wirtschaftswunders, das Israel gerade erlebt.

Startups mit militärischem Hintergrund

Dort, auf dem Campus im Wüstensand, siedeln nicht nur Professoren und Studenten. In unmittelbarer Nähe arbeitet auch die bei Hackern berüchtigte Einheit 8200 der israelischen Armee, die als Pendent zur amerikanischen NSA gilt. Der "Unit 8200" sagt man nach, sie sei mit verantwortlich für den Computervirus Stuxnet, der 2010 dafür sorgte, dass sich Uran-Zentrifugen selbst zerlegten und damit das iranische Atomprogramm angeblich um Jahre zurück warf.

Diese Nähe von Militär und Forschung ist seit einigen Jahren für IT-Giganten aus aller Welt so attraktiv, dass sie Teile ihrer Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nach Israel ausgelagert haben. Facebook, Apple, Google, Ebay oder Amazon finden sich auf dem Campus ebenso wie die Deutsche Telekom, SAP oder Siemens.

Wirtschaftsminister und Unternehmer aus NRW auf Israelreise

Die persönliche USB-Stick-Sammlung von Dov Moran dem Erfinder dieser Datenspeicher.

Die persönliche USB-Stick-Sammlung von Dov Moran, dem Erfinder dieser Datenspeicher. Der Israeli hatte sich geärgert, weil ihm eine Datei verloren gegangen war, die auf keine Diskette passte. Die Sticks gehören zur Ausstellung im Shimon Peres Center for Peace and Innovation.

Die persönliche USB-Stick-Sammlung von Dov Moran, dem Erfinder dieser Datenspeicher. Der Israeli hatte sich geärgert, weil ihm eine Datei verloren gegangen war, die auf keine Diskette passte. Die Sticks gehören zur Ausstellung im Shimon Peres Center for Peace and Innovation.

Die NRW-Delegation mit Minister Andreas Pinkwart vor dem gerade eröffneten Shimon Peres Center for Peace and Innovation in Tel Aviv. Der ehemalige Außenminister und Ministerpräsident Israels wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sein Motto: Dream Big.

Im Inneren des Gebäudes wimmelt es von neuester IT-Technik. Peres hielt Innovation und wirtschaftliche Zusammenarbeit für Garanten des friedlichen Zusammenlebens.

Besuch bei der israelischen Innovationsbehörde. Sie fördert zahlreiche Startups mit mehreren hundert Millionen Dollar pro Jahr. Der Staat gibt keine bestimmte Richtung bei der Förderung vor. Daraus, dass das Militär ein Erfolgsfaktor ist, macht niemand ein Geheimnis.

Im Inneren von SOSA in Tel Aviv. Das Unternehmen vermittelt Kontakte zwischen jungen Startups und etablierten Unternehmen.

Zu den Kunden von SOSA gehören Eon und die Stadt Köln.

Treffen mit dem israelischen Handelsbeauftragten Ohad Cohen. Er signalisierte großes Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit NRW. Zur Medizinmesse Medica will Cohen im Oktober mit etwa 70 Unternehmen nach Düsseldorf reisen.

Eva Platz von der landeseigenen Firma NRW Invest mit Omer Elad von der Firma Orcam. Der kleine schwarze Kasten an der Brille ist ein neuartiges Hilfsmittel für stark Sehbehinderte und Blinde. Das Gerät erkennt Texte und liest sie vor. Orcam eröffnet bald seine Europa-Niederlassung in Köln.

Wie israelische Ex-Hacker der NRW-Wirtschaft helfen sollen

Die Unternehmer aus NRW suchen Unterstützung im Heiligen Land bei den drängenden Fragen der Digitalisierung. Sie wollen Kontakte knüpfen zu den tausenden Startups, die hier so schnell entstehen, dass die Innovation Authority, die staatliche Innovationsbehörde Israels, kaum mit dem Zählen nachkommt.

Dass dieses Ökosystem aus militärisch getriebener IT-Forschung und ziviler Weiterverwertung funktioniert, hat zwei Gründe: Erstens müssen alle Israelis Wehrdienst leisten (Männer drei und Frauen zwei Jahre). Tausende tun dies in der Cyber-Spezialeinheit. Und darüber bildet sich ein oft bemerkenswertes Netzwerk.

Zweitens ist es ihnen erlaubt ist, ihre Forschungsergebnisse, die nicht sicherheitsrelevant sind, später in ihr ziviles Leben mitzunehmen. Viele gründen dann ein Startup-Unternehmen. Oft, aber nicht immer, geht es um Cybersicherheit, also um die Abwehr von Angriffen auf die digitale Infrastruktur.

Stand: 02.03.2019, 12:21