Friedrich Merz: Der ehrgeizige Sauerländer

Friedrich Merz

Friedrich Merz: Der ehrgeizige Sauerländer

Von Martin Teigeler

Bierdeckel, Sauerland, Blackrock: Das sind drei Schlagworte, die viele mit Friedrich Merz verbinden. Bei der Wahl zum neuen Vorsitzenden der CDU wurde der 65-jährige Rechtsanwalt einmal mehr Zweiter.

Friedrich Merz kam 1955 im Sauerland auf die Welt. In seiner Heimatstadt Brilon wuchs er als Ältester von vier Geschwistern in einer stramm konservativen Familie auf. Nach dem Abitur 1975 absolvierte Merz den Wehrdienst. Danach studierte er Jura.

"Ich hatte schulterlange Haare, bin mit dem Motorrad durch die Stadt gerast", beschrieb er seine rebellische Jugendzeit - eine Schilderung, die später angezweifelt wurde.

Von Europa nach Bonn

Nach dem Studium wurde er Amtsrichter und dann Jurist beim Verband der Chemischen Industrie. In die CDU war der Katholik bereits 1972 eingetreten. 1989 gewann er bei der Europawahl ein Mandat.

1994 kandidierte Merz im Hochsauerlandkreis für den Bundestag. Als direkt gewählter Abgeordneter kam er in Bonn - es war die späte Kohl-Ära - mit anderen jungen CDU-Abgeordneten wie Armin Laschet und Norbert Röttgen zusammen.

Endspurt der Kandidaten: Was wird aus der CDU? phoenix runde 13.01.2021 44:53 Min. Verfügbar bis 13.01.2026 Phoenix

Scharfer Redner

Merz machte sich einen Namen als scharf formulierender Redner und Finanzexperte. Anfang 1996 gewann er einen Redner-Wettbewerb im Bundestag. "Wir dürfen erst ans Rednerpult, wenn die Älteren geredet haben. Wir müssen deswegen Streit anfangen", sagte Merz in Richtung der Altvorderen.

Inhaltlich vertrat Merz wie heute sehr wirtschaftsfreundliche und konservative Positionen: von der Rente ab 70 bis zur "deutschen Leitkultur". Damit zog er viel Kritik auf sich. Nach der Abwahl der Kohl-Regierung und der CDU-Spendenaffäre wurde er 2000 Fraktionschef der Union. Im Bundestag war er fortan Gegenspieler von Rot-Grün und Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Abgelöst von Merkel

Angela Merkel und Friedrich Merz, 12.07.2001

Das Verhältnis zu Angela Merkel sollte die Laufbahn von Merz bestimmen

2002 musste Merz den Posten des Fraktionschefs abgeben. Parteichefin Angela Merkel griff nach der Wahlniederlage Edmund Stoibers bei der Bundestagswahl nach dem Amt. Den Mut, gegen Merkel anzutreten, brachte er nicht auf. Merz wurde Fraktionsvize.

2003 schlug Merz ein dreistufiges Steuermodell vor. Für die Steuerpflichtigen lasse sich dann "einfach auf einem Bierdeckel ausrechnen, was sie an Steuern zahlen müssen", sagte er. Der Vorschlag wurde kontrovers debattiert.

Comeback in NRW

Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Friedrich Merz nicht mehr. Er arbeitete als Anwalt und ging in die Wirtschaft, etwa zum amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock, wo er Aufsichtsratschef für Deutschland wurde. Wenn sich Merz politisch äußerte, dann oft mit Kritik an Merkels Politik.

Der Union ärgster Feind & des Jahres Abschied - Meinungsmagazin

WDR 5 Politikum 29.12.2020 15:07 Min. Verfügbar bis 29.12.2021 WDR 5


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Jahrelang rankten sich Gerüchte um ein Merz-Comeback. Der Sauerländer wurde zur Projektionsfigur für den rechten Flügel der CDU. In NRW erlebte Merz ein kleines Comeback. Er wurde 2010 "Veräußerungsbevollmächtigten" der maroden WestLB. Sein Tageshonorar von 5.000 Euro sorgte für Schlagzeilen. 2018 wurde er Brexit-Beauftragter der NRW-Landesregierung.

Kanzler Merz?

Merz polarisiert. Für seine Fans wird er immer die wahre CDU personifizieren, für Kritiker ist er ein alter weißer Mann von gestern: Der Klarinetten-Spieler kombiniert die Bodenständigkeit (für seine Gegner ist es Miefigkeit) des hausmusizierenden Familienvaters mit der Aura eines Unternehmensberaters. Er fliegt Privatjet - aber halt von Arnsberg aus.

Nach seiner gescheiterten Kandidatur um den CDU-Vorsitz im Jahr 2018 griff Merz nun erneut nach diesem Amt - und scheiterte diesmal in der Stichwahl an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Stand: 16.01.2021, 11:44

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