Ab Montag ist Mund-Nasen-Schutz Pflicht

Ab Montag ist Mund-Nasen-Schutz Pflicht

  • Regierung beschließt landesweite Pflicht für Mund- und Nasen-Schutz
  • Maskenpflicht soll für Einzelhandel und Nahverkehr gelten
  • Gültig ab Montag, bis dahin gilt eine dringende Empfehlung
  • Einzelhandel soll Masken vorhalten

In Nordrhein-Westfalen soll es ab Montag (27.04.2020) eine Pflicht für einen Mund-Nasen-Schutz in Teilbereichen des öffentlichen Lebens geben. Das hat die NRW-Staatskanzlei am Mittwoch (22.04.2020) mitgeteilt. Damit werde "die bisherige dringende Empfehlung im ÖPNV und beim Einkaufen eine Mund-Nasen-Bedeckung bzw. eine sogenannte Alltagsmaske zu tragen, in eine Pflicht" überführt.

NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) erklärte, das Land werde keinen Mund-Nasenschutz zur Verfügung stellen. Es reichten so genannte Alltagsmasken aus: "Wir gehen davon aus, dass diese Masken breit verfügbar sind." Zudem könne man Mund und Nase auch mit einem Schal bedecken. "Es geht darum, die Verbreitung von Tröpfchen zu verhindern, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann."

Laumann appelliert an gesunden Menschenverstand

"Im größten Bundesland können wir uns dieser Entwicklung nicht entziehen", erklärte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstagmorgen im WDR. Allerdings hätte er eine "dringende Empfehlung" an die Menschen vorgezogen, wie sie zunächst mit den anderen Bundesländern beabsichtigt war. Denn: "Muss man in Deutschland alles vorschreiben mit Verboten und Geboten? Geht nicht auch etwas durch gesunden Menschenverstand?"

Laumann zu Lockerungen und Maskenpflicht: "Menschen vernünftig"

WDR 2 23.04.2020 05:19 Min. Verfügbar bis 23.04.2021 WDR Online

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Laschet: Maskenpflicht als Unterstützung

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte: "Das Wichtigste bleibt: Abstand halten und die konsequente Einhaltung von Hygieneregeln." Nach Experten-Auffassung könne auch das Tragen von Alltagsmasken dazu beitragen, das Infektionsrisiko zu reduzieren. "Wir müssen alles tun, was dabei hilft, umsichtig den Weg zurück zu einem Leben in Normalität zu finden. Die Maskenpflicht in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens kann dabei sinnvoll unterstützen."

Zur Verfügbarkeit der Masken sagte Laschet: "Die Geschäfte werden sie bereit halten müssen. Wer Kunden haben will, muss auch Masken vorrätig haben." Der Einzelhandel habe signalisiert, dass dies kein Problem sei. Die Versorgungslage sei heute besser als vor drei Wochen.

Ob es wie in anderen Bundesländern eine Altersbegrenzung geben wird und beispielsweise Kleinkinder von der Pflicht ausgenommen werden, konnte Laschet auf WDR-Nachfrage noch nicht sagen. Die Details der Verordnung würden nun ausgearbeitet.

Alle Bundesländer führen nun Maskenpflicht ein

Die NRW-Landesregierung hatte sich vor Bekanntgabe der Pflicht mit den Bundesländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Saarland abgestimmt. Auch dort wird eine Maskenpflicht ab Montag in den genannten Bereichen vorgeschrieben. Denn, so begründete es Kommunalministerin Scharrenbach, in diese Länder würden auch Bürger aus NRW zur Arbeit pendeln.

Im Verlauf des Mittwoch haben sich dann noch auch die letzten beiden Bundesländer Brandenburg und Bremen für eine derartige Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie entschieden. Damit gilt sie ab Montag deutschlandweit.

Städtetag forderte einheitliche Regelung

Zuvor war der Druck auf die NRW-Landesregierung, eine landeseinheitliche Regelung zu treffen, gewachsen. So hatte am Mittwochmorgen der Vorsitzende des NRW-Städtetags, Thomas Hunsteger-Petermann, der Landesregierung eine NRW-weite Pflicht dringend anempfohlen. Ansonsten würden die Kommunen jeweils Einzelentscheidungen treffen. Das hatten zuvor beispielsweise Münster und Dorsten getan.

SPD: Pflicht auch in Schulen und im Fernverkehr

Der Chef der SPD-Fraktion NRW-Landtag, Thomas Kutschaty, begrüßte die Einführung der Maskenpflicht, die Umsetzung sei aber halbherzig. Kutschaty sagte, auch in öffentlichen Gebäuden, wie Rathäusern und Gerichten, müsse sie gelten. Außerdem halte er eine Ausweitung auf Schulen und auf den Fernverkehr für erforderlich.

Man könne keinem Kind erklären, dass es in der Straßenbahn auf dem Schulweg eine Maske tragen müsse, in der Schule nicht und auf dem Rückweg dann wieder, so Kutschaty in Düsseldorf. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum man in der S-Bahn eine Maske tragen müsse, im ICE aber nicht.

Stand: 23.04.2020, 09:50