Masern: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Ein Impfbuch mit markierten Feldern für Polio und Masern.

Masern: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Angesichts einer erneuten Häufung der Masern-Fälle in Deutschland gibt es eine neue Debatte über eine Impfpflicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu der hochansteckenden Krankheit.

Wo steckt man sich an?

Zu Ausbrüchen kommt es öfter in Großstädten und Ballungsräumen. Das extrem ansteckende Masern-Virus wird durch Tröpfchen übertragen und hat dort leichtes Spiel, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten.

Warum sind Masern so gefährlich?

Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Es sei keine harmlose Kinderkrankheit, betont Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. "Wir sehen bei 1.000 Erkrankten einen Todesfall." Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, ergänzt: "Bei Säuglingen stirbt sogar eines von 300 erkrankten Kindern." Manchmal führt die Krankheit erst nach Jahren zum Tod, etwa bei der Masern-Gehirnentzündung SSPE - wer im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ist besonders gefährdet.

Wie verbreitet sind Masern-Impfungen bei Kindern in Deutschland?

Laut RKI erreichen bei der Schuleingangsuntersuchung alle Bundesländer eine Impfquote von mindestens 95 Prozent für die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Verbesserungsbedarf gebe es aber bei der zweiten Impfung, die den Impfschutz ausweiten soll. Es sei ein Problem, dass Kinder oft zu spät geimpft würden, so Glasmacher. "Aber das Hauptproblem sind die jungen Erwachsenen."

Debatte um die Impfpflicht

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 13.04.2019 03:46 Min. WDR 5

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Woher kommt die Impflücke bei jungen Erwachsenen?

Bei Menschen, die nach 1970 geboren wurden, fehlt oft die zweite Masernimpfung, weil diese in deren Kindheit noch nicht vorgesehen war. Später wird sie oft nicht mehr nachgeholt. Hier liegt die Impfquote laut RKI zum Teil bei nur 30 Prozent. Infizierte Erwachsene können demnach wiederum kleine Kinder oder Säuglinge anstecken, die (noch) nicht geimpft sind.

Debatte um die Impfpflicht

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 13.04.2019 03:46 Min. WDR 5

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Warum wurde eine Masern-Impfpflicht bisher nicht eingeführt? 

Die Einführung ist eine Frage des politischen Willens, aber auch mit komplizierten rechtlichen Aspekten verbunden. In einer Ausarbeitung für den Bundestag schrieben Experten 2016, dass sich eine Impfpflicht wohl nur bei Krankheiten etwa mit hoher "Gefahr eines fatalen Verlaufs für das Leben oder die Gesundheit der Kinder" durchsetzen ließe.

1959 wurde zum Beispiel eine Impfpflicht gegen Pocken als verfassungsgemäß eingestuft, angesichts einer Sterblichkeitsrate von 30 Prozent. Nach der Ausrottung wurde die Pflicht wieder aufgehoben.

Seit wann wird gegen Masern geimpft?

Der erste Impfstoff wurde 1967 in Deutschland zugelassen. In der DDR wurde 1970 eine Pflichtimpfung eingeführt, in der Bundesrepublik eine Impfung ab 1974 empfohlen. Seit 1991 wird eine zweifache Impfung für alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren empfohlen. Die aktuelle Empfehlung lautet, die erste Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite Impfung im zweiten Lebensjahr durchführen zu lassen.

Stand: 13.04.2019, 13:49