Keine Barrierefreiheit im Gesundheitswesen

 Ein Rollstuhl steht unter einer Treppe in einem Wohnhaus.

Keine Barrierefreiheit im Gesundheitswesen

Von Giselle Ucar

  • Veraltete Arztpraxen nicht barrierefrei
  • Krankenkassen sollen mehr Leistungen erstatten
  • Behindertenbeauftragte NRW erhält 100 Beschwerden pro Monat

Vor allem die Barrieren im Kopf müssten abgebaut werden, betont die Behindertenbeauftragte des Landes NRW Claudia Middendorf am Dienstag (25.02.2020) auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Menschen mit Beeinträchtigung hätten beispielsweise noch immer viel zu selten freien Zugang zu Arztpraxen und Krankenhäusern. Und selbst wenn die Zugänglichkeit zur Praxis gewährleistet sei, schauten noch immer viele Rollstuhlfahrer auf einen viel zu hohen Tresen im Eingangsbereich.

Finanzielle Unterstützung für Barrierefreiheit

Eine aktuelle Statistik über die Barrierefreiheit bei Arztpraxen und Krankenhäusern liege nicht vor, so Middendorf. Bei einer Übernahme von alten Praxen können Ärzte auf finanzielle Hilfe vom Land zurückgreifen, wenn sie die Praxen barrierefrei modernisieren.

Appell an NRW-Krankenkassen

Auch bei der Zugänglichkeit zu Leistungen im Gesundheitssystem sieht Claudia Middendorf Verbesserungsbedarf. Zum einen sei die Bürokratie zum Erhalt von Leistungen zu groß. Zum anderen würden viele Kosten, die nicht direkt mit gesellschaftlicher Teilhabe (beispielsweise Schule oder Arbeit) zu tun hätten, nicht immer von den Krankenkassen erstattet werden. "Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche und Erwachsene so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause leben können und gesellschaftlich teilnehmen", so Middendorf, "da muss es auch in Richtung Krankenversicherung möglich sein, ob privat oder gesetzlich, Kosten zu erstatten oder zumindest Teilkosten zu übernehmen“.

Deshalb sei sie bei ihrem Amtsantritt 2017 mit der Bitte an die Geschäftsführungen der Krankenkassen in NRW herangetreten, nicht jeden Fall nach Leistungskatalogen zu bewerteten, sondern auch das Individuum wieder stärker in den Blick zu nehmen.

Es beginnt bei der Ausbildung

Für die optimale Betreuung und Pflege von Menschen mit Beeinträchtigung plant Middendorf ein Angebot in der generalisierten Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen: Ab der zweiten Jahreshälfte 2020 soll in Ausbildungsstätten ein Modul angeboten werden, das Auszubildende angemessen auf die Pflege von beeinträchtigten Menschen vorbereite.

100 Beschwerdefälle pro Monat

Etwa 100 Beschwerden erreichen die Behinderten- und Patientenbeauftragte des Landes monatlich. 70 Prozent davon entfielen dabei auf Patienten, 30 Prozent auf Behinderte. Bei der nächsten Bürgersprechstunde im Pfarrzentrum St. Kilian in Erftstadt können Patienten und Menschen mit Beeinträchtigung am 26. März 2020 Claudia Middendorf persönlich von ihren Sorgen und Problemen berichten.

Stand: 25.02.2020, 16:48