WDR-Umfrage zu Luftfiltern: So haben die Städte geantwortet

Ein Luftfilter steht in einem Klassenzimmer

WDR-Umfrage zu Luftfiltern: So haben die Städte geantwortet

Von Rainer Striewski

Über Luftfilter-Geräte wird schon lange diskutiert, in den Schulen NRWs stehen sie aber selten. Auch die Fördermittel dazu werden kaum abgerufen. Das hat eine WDR-Recherche ergeben.

Die Summe klingt gewaltig: Über 90 Millionen Euro stehen in NRW bereit, mit denen Schulen und Kitas mobile Luftfiltergeräte anschaffen können. Doch der Fördertopf leert sich nach wie vor nur langsam. Bis Ende November wurden davon gerade einmal 4,6 Millionen Euro ausgezahlt. Woran liegt's? Und wie viele mobile Luftfilter reinigen eigentlich schon die Luft in den Schulen NRWs?

Der WDR hat bei den öffentlichen Schulträgern im Land nachgefragt, also bei allen 396 Städten und Gemeinden und 31 Kreisen, ob und wie sie Luftfilter für ihre Schulen angeschafft haben. Rückmeldungen haben wir von 216 Städten bzw. Gemeinden für die Situation an den allgemeinbilden Schulen erhalten, die in ihrer Trägerschaft sind. Des weiteren haben 18 Kreise geantwortet - hierbei ging es vor allem um die Berufs- und Förderschulen. Das lässt ein detailliertes Bild zum Luftfilter-Einsatz in NRW nicht zu, zeigt aber Tendenzen auf.

9.500 Luftfilter-Geräte im Einsatz

111 Kommunen und 12 Kreise haben zurückgemeldet, dass in ihren Schulen derzeit mobile Luftfiltergeräte im Einsatz sind. Zusammengerechnet sind das rund 9.500 Geräte. Hauptsächlich reinigen sie die Luft in Grundschulen (67 Prozent der Geräte). Neun Prozent der Luftfilter werden in Förderschulen eingesetzt, 8,5 Prozent in Gymnasien und 4,7 Prozent in Gesamtschulen.

Aus den Rückmeldungen ergibt sich auch: Weitere 7.300 Geräte sind von den Kommunen und Kreisen bereits bestellt, aber noch nicht geliefert. Bezahlt wurden und werden die Geräte dabei nicht nur aus einem der beiden Lüftungsprogramme des Landes, sondern teilweise auch aus Spenden oder eigenen Haushaltsmitteln.

Förderung mit zu hoher Anforderung?

Aber warum verzichten viele Schulträger auf die Beantragung von Fördermitteln? Das liegt offenbar an den strengen Förderkriterien. Denn Geld gibt es vom Land nur für Räume der "Kategorie 2". Das sind Räume die kaum lüftbar sind, deren Fenster beispielsweise nur auf kipp gestellt werden können.

Viele Kommunen meldeten uns zurück, dass sie deshalb für viele ihrer (gut belüftbaren) Schulräume keine Luftfilter-Förderung beantragen konnten. Aus Bergheim etwa erreichte uns deutliche Kritik an den häufig geänderten Förderrichtlinien. Die Stadt kann "bis heute" den Willen der Landes- und Bundespolitik nicht erkennen, Luftreiniger in Klassen einzusetzen.

Auch die Stadt Köln hat zwar alle Fördermittel ausgenutzt, 4.500 Geräte aber zusätzlich selber bezahlt. Kostenpunkt: zwischen 20 und 30 Millionen Euro. "Diese Gelder übernehmen wir als Kommune komplett alleine", erklärt Kölns Schuldezernent Robert Voigtsberger, "das heißt, hier hätte ich mir natürlich eine deutliche Unterstützung des Landes gewünscht!"

Knapp die Hälfte der Kommunen, die uns geantwortet haben, haben keine Förderung beantragt, wollen teilweise aber auch keine Luftfilter einsetzen. 24 Kommunen gaben an, alle bisherigen Luftfilter komplett selbst, also rein kommunal finanziert zu haben.

Vom Sinn und Unsinn der Raumluftfilter

WDR RheinBlick 03.12.2021 29:53 Min. Verfügbar bis 03.12.2022 WDR Online


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Luftfilter auch in Sporthallen

Eingesetzt werden die Luftfilter überwiegend in Klassenräumen (68 Prozent), Sporthallen (35,9 Prozent) und Facharbeitsräumen (10,5 Prozent).

Die Schulträger, die keine Luftfilter angeschafft haben, setzen eher auf "Lüften statt Luftfilter". Da das aber nicht in allen Gebäuden ideal möglich war, meldeten uns 67 Schulträger zurück, dass sie ihre Fensteranlagen umgebaut hätten. 12 Schulträger haben in den Umbau ihrer Lüftungsanlagen investiert.

Bezahlt wurden diese Baumaßnahmen überwiegend von den Schulträgern selber. Nur knapp ein Drittel der Kommunen, die sich zurückmeldet haben, haben dafür Mittel aus einem der beiden Lüftungsprogramme des Landes verwendet.

Insgesamt meldeten uns die Städte und Kreise Arbeiten an 433 Schulen und in 2.781 Räumen.

Einige Kommunen wie Bad Oeyenhausen, Halle oder Schwerte setzen zudem auf CO2-Ampeln, um die Luftqualität in den Klassenräumen zu überprüfen.

Stand: 03.12.2021, 06:00