WDR-Umfrage: Warum die Fördergelder für Luftfilter kaum abgerufen werden

Ein Luftfilter steht in einem mit Schülern besetzten Klassenzimmer.

WDR-Umfrage: Warum die Fördergelder für Luftfilter kaum abgerufen werden

Von Moritz Börner

90 Millionen Euro stellt die Landesregierung für Luftfilter in Klassenzimmern zur Verfügung. Ausgezahlt wurden davon bisher nur rund 4,6 Millionen. Weil die Förderkriterien zu streng sind, bleiben viele Kommunen auf den Kosten sitzen, ergab eine WDR-Umfrage.

Die Alexander-Coppel-Gesamtschule in Solingen hat 78 Klassenzimmer. Doch aus dem Fördertopf des Landes gibt es nur Geld für 17 mobile Luftfilter. Sie die Luft der Räume reinigen, die schlecht zu belüften sind: im Fotolabor der Schul- AG etwa, oder im Computerraum. Die meisten normalen Klassenzimmer aber gehen leer aus.

"Sinnvoll wäre sie natürlich in alle Klassenräumen, in denen Kinder sitzen, wo die absolute Mehrheit sich nicht impfen lassen darf - bis jetzt", findet Schulleiter Andreas Tempel. Er glaubt, dass Luftfilteranlagen zusammen mit dem regelmäßigen Lüften der Klassenräume dabei helfen können, die Infektionszahlen niedrig zu halten.

Viele Kommunen haben kein Geld für Luftfilter

Das Problem: Laut der Förderrichtlinie des Landes bekommen nur solche Räume eine Förderung, deren Fenster maximal auf Kipp geöffnet werden können. Wenn sie ganz normal aufgeklappt werden können, gibt es kein Fördergeld. Und so müssen Kinder und Lehrkräfte in den meisten Solinger Unterrichtsräumen ganz ohne Luftfilter auskommen. Denn um die Geräte selber zu finanzieren, fehlt der Stadt das Geld.

An der WDR-Umfrage haben sich 216 NRW-Kommunen beteiligt: Sie haben bislang rund 9.500 Luftfilter-Geräte angeschafft und aufgestellt, weitere 7.300 wurden bestellt, aber noch nicht geliefert. Oft wurden die Geräte aber nicht von Landesgeldern finanziert, sondern von den Kommunen selber. Münster zum Beispiel hat 410 Geräte vom Land bewilligt bekommen. 778 zusätzliche Anlagen hat die Stadt auf eigene Kosten angeschafft.

"Förderkriterien eng gefasst"

Auch der Münsteraner Stadtdirektor Thomas Paal findet, dass die Anlagen zumindest in alle Klassenräume gehören, in denen Kinder unterrichtet werden, die bisher noch nicht geimpft werden konnten. "Es ist bedauerlich, dass die Förderkriterien für Luftfilter so eng gefasst sind, dass es nur einen verschwindend kleinen Teil der Räume betrifft, die durch Schülerinnen und Schüler benutzt werden", sagt Paal. 

Neukirchen-Vluyn hat gute Erfahrungen mit Luftfiltern

Die Luftfilter sollen dabei als Ergänzung zum Lüften in den Klassenräumen genutzt werden. Neukirchen Vluyn ist eine von wenigen Städten, die schon vor einem Jahr auf eigene Kosten alle Klassenräume mit mobilen Anlagen ausgestattet hat. "Die Kitas und die Grundschulen und die weiterführen Schulen mit Luftfiltern auszustatten, hat dazu geführt, dass wir in dem ganzen Jahr kaum Infektionsgeschehen oder Ausbruchsgeschehen in den Schulen gehabt haben", sagt Bürgermeister Ralf Köpke. Er hält die Geräte für sinnvoll.

Köln zahlt bis zu 30 Millionen

Aus dem aktuellen Fördertopf der Landesregierung in Höhe von 90 Millionen Euro wurden bisher gerade einmal rund sechs Millionen Euro bewilligt. Der Großteil des Geldes bleibt also liegen. Das sorgt für Unverständnis, zum Beispiel in Köln, wo die Stadt rund 4500 Anlagen selber bezahlt. Kostenpunkt: Zwischen zwanzig und dreißig Millionen Euro. "Diese Gelder übernehmen wir als Kommune komplett alleine", sagt Robert Voigtsberger, Beigeordneter der Stadt, "das heißt, hier hätte ich mir natürlich eine deutliche Unterstützung des Landes gewünscht!"

Vom Sinn und Unsinn der Raumluftfilter

WDR RheinBlick 03.12.2021 29:53 Min. Verfügbar bis 03.12.2022 WDR Online


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Auch der Städte- und Gemeindebund NRW sieht das ähnlich. Die Förderkriterien müssten weiter gefasst werden, so der Verband, um praktische Lösungen für die Belüftung der Klassenräume zu finden.

Stand: 03.12.2021, 06:00