Lügde-U-Ausschuss: Jugendamtsleiter aus Höxter verändert seine Aussage

Ein Polizeiauto steht neben einem abgesperrten Grundstück, im Hintergrund ein Campingwagen

Lügde-U-Ausschuss: Jugendamtsleiter aus Höxter verändert seine Aussage

Von Arne Hell

Das Jugendamt Höxter war für Kinder zuständig, denen in Lügde sexuelle Gewalt angetan wurde. Der heutige Leiter der Behörde musste jetzt das zweite Mal im Landtags-Untersuchungsausschuss aussagen.

Der Jugendamtsleiter des Kreises Höxter war gerade erst frisch im Amt, als er im Januar 2019 vom hundertfachen sexuellen Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz in Lügde hörte. "Mir geht das sehr nah", sagte er am Freitag im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags, er schlafe seit Längerem schlecht.

Allerdings beantwortete er auch diesmal viele Fragen der Abgeordneten nur allgemein, wich aus oder behauptete, sich an die Vorgänge damals nicht zu erinnern. So konnte er angeblich nicht sagen, welche Schritte er angeordnet hatte, nachdem klar war, dass auch Kinder betroffen sind, für die sein Jugendamt zuständig war.

Abgeordnete fragten nochmal nach - und erhielten andere Antworten

So ähnlich war dies schon bei seiner ersten Aussage im April 2021 gewesen. Wegen Widersprüchen zu den Aussagen seiner Kolleginnen wollten ihn die Abgeordneten ein zweites Mal befragen. Mehrmals konfrontierten sie ihn mit Unterlagen oder Aussagen von Mitarbeiterinnen des Jugendamts.

"Er hat seine erste Aussage ein Stück weit verändert", sagte der CDU-Abgeordnete Dietmar Panske nach der Vernehmung des Jugendamtsleiters, "ich hätte mir gewünscht, dass wir eine zweite Vernehmung von Zeugen gar nicht brauchen."

So gab der Behördenleiter diesmal zu, dass ihm schon Tage nach dem Bekanntwerden des Falls Lügde Akten zu sieben Kindern vorgelegt wurden. Das hatte er im April noch anders dargestellt und unter anderem behauptet, er kenne die Details der Fälle gar nicht genau.

"Nehmen Sie das eigentlich ernst, was wir hier machen?"

Mehrere Abgeordnete reagierten in der Sitzung am Freitag ungehalten auf die Aussagen des Jugendamtsleiters. Der Ausschussvorsitzende Martin Börschel (SPD) fragte zwischendurch: "Nehmen Sie das eigentlich ernst, was wir hier machen?"

Von Fehlern im Umgang mit den Hinweisen auf die sexuelle Gewalt an Kindern wollte der Jugendamtsleiter auch diesmal nicht sprechen. Er räumte lediglich ein, dass die Akten an mehreren Stellen nicht gut geführt gewesen seien. Das sei inzwischen verbessert worden. Außerdem sei das Personal für diesen Bereich des Jugendamts aufgestockt worden.

Untersuchungsausschuss: Kindesmissbrauch in Lügde

WDR 5 Westblick - aktuell 07.05.2021 04:49 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 WDR 5


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Landrat hat externe Untersuchung angekündigt

"Enttäuschend und frustrierend", nannte das der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas, "ich kann keinen Zusammenhang herstellen zwischen einer sauberen Aufarbeitung der Lügde-Fälle und tatsächlich getroffenen Maßnahmen."

Der Landrat des Kreises Höxter, Michael Stickel (CDU), hatte angekündigt, dass es zur Frage der Aufarbeitung des Falls Lügde eine externe Untersuchung geben soll. Erst im Frühjahr 2021 war bei Nachforschungen in der Behörde aufgefallen, dass es noch ein weiteres Opfer gegeben haben soll.

Stand: 27.08.2021, 16:45