U-Ausschuss Lügde soll nach Landtagswahl weiterarbeiten

Ein mit Polizeiband abgesperrter Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

U-Ausschuss Lügde soll nach Landtagswahl weiterarbeiten

Von Arne Hell

Der Untersuchungsausschuss des Landtags zur sexuellen Gewalt in Lügde wird bis zur Landtagswahl 2022 nicht mehr fertig. Der Vorsitzende hat nun alle Parteien gebeten, die Arbeit danach fortsetzen.

Mehr als 20 Jahre lang konnten mehrere Täter auf einem Campingplatz in Lügde und in der Umgebung Kindern sexuelle Gewalt antun, ohne dass die Behörden einschritten. Die Polizei und mehrere Jugendämter ignorierten jahrelang Hinweise oder gingen ihnen nur halbherzig nach.

Um diese Behördenfehler aufzuarbeiten, gibt es seit fast zwei Jahren einen Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag. Der Ausschussvorsitzende, Martin Börschel (SPD), hat jetzt alle Parteien im Parlament angeschrieben. Er will erreichen, dass der Fall Lügde auch im nächsten Landtag weiter untersucht wird.

Verzögerte Aktenlieferungen, unkooperative Zeuginnen und Zeugen

Normalerweise endet ein Untersuchungsausschuss mit dem Ende einer Legislaturperiode, in diesem Fall also im Mai 2022. Die verbleibende Zeit wird aber wohl nicht reichen, um den gesamten Komplex rund um die jahrzehntelange sexuelle Gewalt gegen Kinder zu Ende aufzuarbeiten.

Dafür nennt der Ausschussvorsitzende Börschel von der SPD in dem Schreiben, das dem WDR vorliegt, mehrere Gründe. Unter anderem hätten Behörden und Ministerien mehrmals Akten verzögert geliefert. Einige Zeuginnen und Zeugen hätten nicht kooperiert. Dazu komme der "enorme Umfang des Untersuchungsauftrags".

Ausschuss soll erstmal nur Zwischenbericht vorlegen

Einfach verlängern kann der Landtag den Ausschuss nicht. Aber alle Parteien sollen jetzt dafür stimmen, dass der Ausschuss vor der Landtagswahl im kommenden Frühjahr erstmal nur einen Zwischenbericht abgibt, und keinen Abschlussbericht.

Außerdem hat der Ausschussvorsitzende alle Parteien aufgerufen, öffentlich für einen neuen Untersuchungsausschuss im neuen Landtag zu werben. Es wäre den Opfern und deren Familien nicht zu vermitteln, schreibt er, wenn wichtige Dinge im Fall Lügde unbearbeitet blieben.

Stand: 21.06.2021, 11:32