Fall Lügde: Ex-Landrat sagt doch noch persönlich aus

Ex-Landrat Tjark Bartels geht einen Gang im NRW-Landtag entlang

Fall Lügde: Ex-Landrat sagt doch noch persönlich aus

Der ehemalige Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont in Niedersachsen bekam wegen des Falls Lügde Morddrohungen und wurde krank. Jetzt hat er vor dem Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags ausgesagt.

Als der Fall Lügde im Januar 2019 öffentlich bekannt wurde, machte vor allem eine Tatsache fassungslos: Dass bei dem alleinstehenden Haupttäter Andreas V. auf dem Campingplatz ein Pflegemädchen leben durfte. Diesem Kind wurde über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren immer wieder sexuelle Gewalt angetan.

Erlaubt hatte das das Jugendamt im Kreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen - und das, obwohl es mehrfach Hinweise auf die Neigung des Täters gegeben hatte. Ihnen waren die Mitarbeiterinnen, aber auch die Polizei nicht nachgegangen.

Morddrohungen machen Bartels krank

Im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zum Fall Lügde hat am Montag der Mann ausgesagt, der damals die politische Verantwortung für das Jugendamt im Kreis Hameln hatte, der frühere Landrat Tjark Bartels. Er hatte später Morddrohungen erhalten und war darüber krank geworden und für dienstunfähig erklärt.

Bartels räumte im Ausschuss noch einmal grobe Fehler des Jugendamtes ein. Es habe einen "Tunnelblick" der Sachbearbeiterinnen gegeben. Die verschiedenen Hinweise und Gefährdungsmeldungen seien nie zusammengesetzt worden.

Experten checken Meldungen ans Jugendamt gegen

Eine persönliche Schuld dafür wollte Bartels nicht übernehmen: "Meine Verantwortung lag darin, aus dem, was passiert ist, Lehren zu ziehen." Das habe er getan, sagte er, bevor er aus gesundheitlichen Gründen das Amt niedergelegt hatte.

So habe er zum Beispiel noch dafür gesorgt, dass Kindeswohlgefährdungsmeldungen von Experten außerhalb des Jugendamtes noch einmal gegengecheckt werden müssen - etwas, das es in nordrhein-westfälischen Jugendämtern so bisher nicht gibt.

Gesund genug für's Fernsehen - aber nicht für Aussage im Landtag?

Nach längerem Hin und Her hatte Bartels sich anfangs mit den Abgeordneten des Untersuchungsausschusses geeinigt, dass er die Fragen nur schriftlich beantworten muss. Ein persönliches Erscheinen lehnte er wegen seiner Erkrankung ab.

Nachdem er die Antworten im vergangenen Mai zugesandt hatte, trat er allerdings als Gast in einer Fernsehshow des SWR auf. Das wollten die Abgeordneten des NRW-Landtags so nicht stehen lassen. Sie luden ihn ein weiteres Mal ein. Diesmal folgte Bartels der Bitte.

Stand: 04.10.2021, 20:07