Lügde: Jugendamt Höxter war für weiteres Kind zuständig

Lügde: Jugendamt Höxter war für weiteres Kind zuständig

Von Arne Hell

Seit Monaten wartet der Lügde-Untersuchungsausschuss auf Akten aus dem Kreis Höxter. Der Landrat hat eingeräumt, dass darunter der Fall eines weiteren Kindes ist, das sexuelle Gewalt in Lügde erlebt hat.

Michael Stickeln (CDU) ist sichtbar bemüht, Aufklärungswillen zu demonstrieren, als er am Freitag im Lügde-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags aussagt. Offenbar möchte er den Eindruck der Abgeordneten verändern, dass er und seine Kreisverwaltung die Aufklärung im Fall Lügde nicht aktiv unterstützen.

Das Jugendamt Höxter ist zuständig gewesen für Kinder und Jugendliche, denen in Lügde sexuelle Gewalt angetan wurde. Das Amt war mehreren konkreten Hinweisen nicht konsequent nachgegangen. Damals ist Stickeln noch nicht im Amt gewesen.

Jugendamt: "Haben Fehler gemacht"

Unter seiner Führung sind jetzt aber noch einmal Akten des Jugendamts mit den Namen von betroffenen Kindern abgeglichen worden. Mehr als zwei Jahre, nachdem der Fall Lügde öffentlich wurde, ist man in Höxter fündig geworden. Es gibt demnach also ein weiteres betroffenes Kind, das dem Jugendamt zumindest bekannt war.

Warum die Akte jetzt erst gefunden wurde, konnte Landrat Stickeln nicht sagen. "Klar ist, dass hier ein Fehler gemacht wurde", sagte er, "und das werden wir aufarbeiten". Wie genau das Jugendamt Höxter in diesen Fall involviert war, ist offen. Der Untersuchungsausschuss soll die Akte so schnell wie möglich bekommen.

Lügde-Untersuchungsausschuss wartet seit Monaten auf Akten

"Ich habe generell hier den Eindruck, dass die Kreisverwaltung Höxter jetzt erst mit Aktivitäten loslegt, nachdem der Ausschuss so viel Druck gemacht hat", sagt Verena Schäffer, Abgeordnete der Grünen.

Immerhin wartet der Ausschuss seit Monaten auf angeforderte Akten. Mehrere leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes zeigten bei ihrer Befragung erstaunliche Wissenslücken. Eine Abteilungsleiterin veränderte im Nachhinein ihre Aussage.

Landrat Stickeln kündigte auch an, dass die gesamten Vorgänge in einer externen Untersuchung aufgearbeitet werden sollen. Den Auftrag dazu will er im Laufe dieses Jahres vergeben.

Ex-Landrat erkennt keinen Fehler

Solche Bemühungen hat es unter seinem Vorgänger Friethelm Spieker (CDU) nicht gegeben. Er ist politisch im Kreis Höxter verantwortlich gewesen, während Kinder aus dem Kreis in Lügde sexuelle Gewalt erlebt haben. Auch er hat am Freitag im NRW-Landtag ausgesagt.

Die konkreten Fragen der Abgeordneten ließ Spieker größtenteils unbeantwortet. Die Akten kenne er nicht. Um wie viele Kinder es sich handelt, konnte er auch nicht beantworten. Zur Chefsache habe er den Fall nie gemacht.

Stattdessen betonte Spieker immer wieder, dass er einen "kollegialen" Führungsstil gepflegt habe. Die Bewertung der Vorgänge im Jugendamt habe er den Experten dort überlassen. Fehler will er nicht erkannt haben.

"Ich bin nicht nur entsetzt, sondern auch traurig", sagte der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas, "langsam sollte doch mal eine Fehlerkultur entstanden sein, in der die entscheidende Frage ist: Wie können wir Anwalt und Partner der Kinder sein?"

Es bleibt "nebulös"

Auch der CDU-Abgeordnete Dietmar Panske war unzufrieden: "Ich weiß immer noch nicht, welche Maßnahmen eingeleitet wurden, wer was wann aufgearbeitet hat. All das ist nebulös geblieben."

Stand: 07.05.2021, 14:52