Lügde und Bergisch Gladbach: Reul bestätigt "verwandtschaftliche Beziehungen"

Der Wohnwagen des Buschuldigtem im Fall Lügde von innen

Lügde und Bergisch Gladbach: Reul bestätigt "verwandtschaftliche Beziehungen"

Von Sabine Tenta

  • Innenminister Reul bestätigt "verwandtschaftliche Beziehungen" zwischen Lügde und Bergisch Gladbach
  • Das sei allerdings nicht strafrechlich relevant
  • Ein Zufall sei denkbar, aber "ungewöhnlich"
  • Es werde weiter unter Hochdruck ermittelt

Zwischen den beiden großen Missbrauchsfällen im lippischen Lügde und in Bergisch Gladbach gibt es offenbar einen Zusammenhang: Familienangehörige des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach sollen über Jahre auch den Campingplatz in Lügde genutzt haben.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Mittwoch (15.01.2020): "Dass es diese verwandtschaftlichen Beziehungen gibt, kann nicht bestritten werden." Das sei jedoch nicht strafrechtlich relevant. Die verwandtschaftlichen Beziehungen könnten "reiner Zufall sein. Zugegeben ein ungewöhnlicher Zufall, aber das ist manchmal bei Zufällen so."

Reul: "Spitze des Eisbergs"

Reul versicherte, es werde weiter mit Hochdruck ermittelt. Der Innenminister glaubt, aktuell sei "nur die Spitze des Eisbergs" zu sehen. "Es wird bestimmt noch weitere Opfer und Täter geben." Bislang gebe es 36 identifizierte Opfer und 51 Tatverdächtige. Mit den umfangreichen Ermittlungen werde "das Dunkelfeld ins Hellfeld" überführt. "Wir knipsen das Licht an, dabei werden wir weitere schreckliche Taten sehen."

Staatsanwaltschaften: Keine strafrechtlich relevanten Erkenntnisse

Am Mittwoch haben sich auch die Staatsanwaltschaften geäußert, die die beiden Ermittlungenkomplexe leiten. Weder die Staatsanwaltschaft Köln - sie leitet die Ermittlungen im Fall Bergisch Gladbach - noch die Staatsanwaltschaft Detmold - zuständig für die Lügde-Ermittlungen - haben zurzeit strafrechtlich relevante Erkenntnisse über Verbindungen beider Fälle.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn sagte: "Wir haben keinerlei Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Täter aus unserem Tatkomplex Bergisch Gladbach auch an den in Lügde begangenen Taten beteiligt gewesen sein könnten." Und Ralf Vetter von der Staatsanwaltschaft Detmold sagte dem WDR, dass Verbindungen "nach unserer Ansicht im Augenblick nicht erkennbar sind."

SPD fordert Überprüfung alter Fälle

Für die SPD-Fraktion im NRW-Landtag erklärte ihr innenpolitischer Sprecher Sven Wolf am Mittwoch: "Wir müssen davon ausgehen, dass wir jetzt nicht mehr über zwei Fällen sprechen, sondern über einen sehr dramatischen Fall, der einer der schrecklichsten Fälle ist, die wir uns hier in diesem Land vorstellen können." Wolf forderte, nun alle alten Fälle auf einen Zusammenhang mit diesem Netzwerk hin zu prüfen.

Die AfD-Fraktion will den bestehenden Lügde-Untersuchungsausschuss auf den Tatkomplex Bergisch Gladbach ausweiten.

Was lernen wir aus Lügde?

WDR RheinBlick 19.07.2019 28:40 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 WDR Online

Download

Stand: 15.01.2020, 22:07