Brescia, eine Fitness-Kette und das Loveparade-Unglück

Loveparadeopfer Giulia Minola

Brescia, eine Fitness-Kette und das Loveparade-Unglück

Von Martin Teigeler

Giulia Minola starb bei der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg. Ihre Hinterbliebenen in Italien werden jetzt an das Unglück erinnert - wegen einer Fitness-Kette.

Wenn McFit im Dezember eine Filiale in der italienischen Stadt Brescia eröffnet, ist es für die Fitnesskette von Rainer Schaller nur ein Geschäft. Die Familie von Giulia Minola, die in Brescia lebt, wird dadurch an einen der schlimmsten Tage ihres Lebens erinnert. Denn ihre Tochter und Schwester starb 2010 bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Schaller hatte das Technofestival damals ins Ruhrgebiet gebracht.

Loveparade-Prozessblog: Bericht zur Zeugen-Aussage der Freundin von Giulia Minola

"Für uns bedeutet McFit Loveparade"

"Ich bin schockiert. Am Anfang konnte ich es nicht glauben, die Nachricht hat mich sehr tief bewegt", sagte Nadia Zanacchi, die Mutter der bei der Massenpanik getöteten Giulia, die damals 21 Jahre alt war, der Zeitung "Giornale di Brescia". Dem Zeitungsbericht zufolge soll eine dreistöckige McFit-Filiale im Zentrum der 200.000-Einwohner-Stadt Brescia eröffnen.

"Für uns bedeutet McFit Loveparade, die Tragödie vom 24. Juli 2010", sagte Zanacchi. Von Rainer Schaller oder McFit gab es am Mittwoch (16.10.2019) auf WDR-Anfrage keine Stellungnahme zu den Äußerungen und Medienberichten aus Italien.

Anwalt: ein "Schock"

Archivbild: Tausende Raver drängen sich auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich eine Massenpanik ereignet hat (2010).

21 Menschen wurden bei einer Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg getötet. Über 600 wurden verletzt

Weder McFit noch Schaller hätten sich bezüglich der Filiale in Brescia mit der Familie von Giulia Minola in Verbindung gesetzt, "noch gab es ansonsten in den letzten Jahren Kontaktversuche von Herrn Schaller zu den Hinterbliebenen", sagte der deutsche Rechtsbeistand der Familie, der Kölner Anwalt Daniel Henneke-Sellerio.

"Für unsere Mandanten war die Nachricht in der Tat ein Schock", so der Rechtsanwalt. Dieses "Denkmal" nun direkt in der eigenen Stadt, sozusagen vor der Haustür, vorzufinden, sei kaum zu ertragen.

Auftritt beim Prozess

Erst im Januar 2019 hatte Minolas Mutter in Düsseldorf gegen die Teil-Einstellung des Loveparade-Strafprozesses Stellung bezogen. Nebenklägerin Zanacchi sprach von der Schuld der Verantwortungslosigkeit, von der Schuld der Loveparade-Macher, ein absolut ungeeignetes Gelände für die Loveparade 2010 gewählt zu haben.

Mehrfach äußerte sich Zanacchi enttäuscht über den Prozess und über die deutsche Justiz. Loveparade-Macher Schaller war nie angeklagt worden, sondern hatte lediglich als Zeuge aussagen müssen.

Loveparade-Prozess – steht das Ende bevor? Lokalzeit aus Duisburg 05.02.2019 02:40 Min. Verfügbar bis 05.02.2020 WDR Von Michael Jung, Jessika Westen

Anders als in Deutschland, wo die Namen der Loveparade-Todesopfer kaum bekannt sind, wird die Erinnerung an Giulia Minola in Brescia mit regelmäßigen Veranstaltungen wach gehalten. Erst im August habe es ein großes Konzert ihrer Lieblings-Musikgruppe auf einem großen Festival in Brescia gegeben, sagte Emanuele Galesi, Redakteur beim "Giornale di Brescia".

Dabei gehe es auch darum zu zeigen, dass ihre Familie nicht allein sei. Galesi: "Die Geschichte von Giulia wird immer noch gesehen als eine enorme Tragödie und Ungerechtigkeit."

Stand: 16.10.2019, 15:59