Faktencheck: Stimmen die Linnemann-Äußerungen zu Deutschkenntnissen?

Carsten Linnemann, 22.03.2018

Faktencheck: Stimmen die Linnemann-Äußerungen zu Deutschkenntnissen?

  • Erstklässler müssen Deutsch können
  • Debatte um Linnemann-Äußerungen
  • Hat der Unionsfraktions-Vize Recht?

Von "Parallelgesellschaften" und "Alarmglocken" spricht der CDU-Politiker Carsten Linnemann. Er forderte, dass "wir es nicht zulassen dürfen, dass Kinder in die Grundschule kommen, die kein Deutsch können." Sein Beispiel: in Duisburg sprächen viele Erstklässler gar kein Deutsch mehr. Der WDR macht den Faktencheck.

Stimmen die Zahlen in Duisburg?

Der Unionsfraktions-Vize wird von der "Rheinischen Post" mit den Worten zitiert: "Es müssten alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests wie in Duisburg über 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten."

Faktencheck: Die Aussage ist falsch. Aus dem jüngsten Bericht (2018) zur Gesundheit von Einschulkindern in Duisburg geht hervor, dass durchschnittlich 16,4 Prozent aller Einschulkinder mit Migrationshintergrund keine Deutschkenntnisse haben. Ein fehlerfreies Deutsch sprechen laut dem Bericht sogar nur 8,2 Prozent. Allerdings bezieht sich diese Statistik ausdrücklich auf Erstschüler mit Migrationshintergrund, nicht auf sämtliche Duisburger Einschulkinder. Zahlen zu allen Duisburger Schülern liegen nicht vor.

Sinkt das Schulniveau bei hohen Migrantenanteilen?

Laut Linnemann hat "ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, auf einer Grundschule noch nichts zu suchen." Er verweist auf eine Warnung des Deutschen Philologenverbandes, wonach ein Migrationsanteil ab 30 bis 40 Prozent oft mit einem Sinken des Leistungsniveaus einhergehe.

Faktencheck: Diese Meinung vertritt Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Philologenverband tatsächlich. Er bezieht sich auf eine Begleituntersuchung zu eine PISA-Studie – allerdings aus dem Jahr 2003. Am Dienstag sagte er dem WDR, dass Linnemann Recht habe mit der grundsätzlichen Problembeschreibung. "Rund 20 Prozent aller Grundschüler haben nicht genügend Deutschkenntnisse, um dem Unterricht zu folgen." Auch die Lehrergewerkschaft VBE NRW beobachtet zunehmend schwierige Lernbedingungen an Grundschulen in NRW. Allerdings führt der VBE NRW sie in erster Linie auf unzureichende Ausstattungen und Personalmangel zurück.

Vorschulpflicht – ja oder nein?

Zu den Kindern, die zur Einschulung noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, sagte Linnemann: "Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden."

Faktencheck: In Deutschland existiert keine Vorschul- oder Kindergartenpflicht. Allerdings gibt es in NRW und mehreren anderen Bundesländern flächendeckende "Sprachstandsfeststellungen", die häufig in den Kitas durchgeführt werden. Hier soll rechtzeitig Förderbedarf ermittelt werden, zu dem Eltern auch verpflichtet werden können.

Stand: 06.08.2019, 19:08