Lehrermangel: Land lockt mit Geld

Lehrermangel: Land lockt mit Geld

Von Daniela Junghans und Martin Teigeler

  • Schulministerin Gebauer schlägt neue Maßnahmen vor
  • Finanzielle Anreize sollen Lehrermangel abmildern
  • Tausende Lehrer fehlen aktuell an Schulen in NRW

Mit finanziellen Anreizen will das Land den Lehrermangel abmildern. In Regionen, Schulformen und Fächerkombinationen mit besonders großen Schwierigkeiten soll es ab 2020 bei Neueinstellungen Zuschläge geben, um Lehrkräfte mit entsprechender Lehramtsbefähigung anzulocken. Dies teilte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag (21.11.2019) in Düsseldorf mit.

Schon das dritte Paket gegen den Mangel

Lehrer, die zum Beispiel an bisher wenig attraktiven Schulen im Ruhrgebiet ihren Dienst antreten, sollen monatlich 350 Euro brutto extra bekommen - befristet für zweieinhalb Jahre.

Bis 2022 stellt das Land dafür 17 Millionen Euro zusätzlich bereit. Der Plan ist Teil des "Dritten Maßnahmenpakets zur Gewinnung von Lehrkräften". Tatsächlich werden damit jedoch keine neuen Lehrer eingestellt, sondern der Mangel wird lediglich anders organisiert.

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

Außerdem wird laut Gebauer die Hinzuverdienstgrenze für Pensionärinnen und Pensionäre bis Ende 2024 ausgesetzt. Pensionierte Lehrkräfte können somit in den Schuldienst zurückkehren und ohne Abzüge vom Ruhegehalt hinzuverdienen. Rund 800 bereits pensionierte Lehrer sind bereits zurück in den Schuldienst gekommen.

Lehrermangel nimmt zu

Zum Beginn des laufenden Schuljahres blieb in NRW jede zweite der rund 3.000 ausgeschriebenen Grundschullehrer-Stellen unbesetzt. Ähnlich sieht es an Haupt- und Realschulen aus. Auch die Gesamtschulen leiden unter fehlenden Lehrern. Besonders stark betroffen sind die Förderschulen, hier konnte zum Schuljahresbeginn sogar nur jede dritte freie Stelle besetzt werden.

Schüler und Lehrerin während einer Unterrichtsstunde an einer Grundschule in Görlitz

Grundschulen sind besonders stark betroffen

Das Problem wird erstmal nicht gelöst werden, im Gegenteil: Weil für viele Schulformen zu wenige Lehrer ausgebildet wurden, rechnet die Schulministerin bis zum Jahr 2028 mit mindestens 15.000 fehlenden Pädagogen. Andere Prognosen nennen noch größere Zahlen.

Langfristig sollen mehr Studienplätze helfen: 700 für Grundschullehrer und 750 für Sonderpädagogen hat die Landesregierung schon zusätzlich eingerichtet oder ist gerade dabei. Bis sich das an den Schulen bemerkbar macht, werden Jahre vergehen. Ein Lehramtsstudium dauert mindestens fünf Jahre - plus das 18-monatige Referendariat.

Viele verschiedene Ansätze

Bis die neuen Lehrer in den Schulen ankommen, versucht die Schulministerin, die Not mit anderen Ideen zu lindern. Zum Beispiel durch Seiteneinsteiger. Das geht an Grundschulen inzwischen für die Fächer Englisch, Sport, Musik und Kunst. Oder, indem arbeitslose Lehrer für die gymnasiale Oberstufe übergangsweise an Grundschulen eingesetzt werden.

Rund 400 Pädagogen haben diese Gelegenheit genutzt. Einige von ihnen könnten auch langfristig an den Grundschulen bleiben, hofft man im Schulministerium.

Lehrermangel: "Es braucht große Maßnahmen"

WDR 5 Mittagsecho 09.09.2019 05:47 Min. Verfügbar bis 08.09.2020 WDR 5

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Stand: 21.11.2019, 14:42