CBD-Öle: Ein Trend mit Gesundheitsrisiko

Cannabidiol - Umstrittenes Lebensmittel Westpol 15.03.2020 UT DGS Verfügbar bis 15.03.2021 WDR

CBD-Öle: Ein Trend mit Gesundheitsrisiko

Von Anja Lordieck

  • CBD-haltige Produkte sind im Trend
  • Teilweise sind sie gesundheitsgefährdend
  • Sie dürfen nicht verkauft werden

Cannabidiol-haltige Lebensmittel liegen zurzeit im Trend. Sie sollen angstlösend und entzündungshemmend wirken. Doch sie sind teilweise gesundheitsgefährdend. Zudem dürften die Mittel laut einer EU-Verordnung in Deutschland nicht verkauft werden. Trotzdem bekommt man sie in vielen Läden – in speziellen Shops, im Internet und sogar in Drogerien.

Ein Stoff in der Hanfpflanze

Cannabidiol (CBD) ist ein Stoff in der Hanfpflanze, ähnlich wie Tetrahydrocannabinol (THC). THC ist psychoaktiv und wirkt berauschend. CBD hingegen hat laut aktuellen Studien keine berauschende Wirkung.

Können wie ein Joint wirken

Die Lebensmittelüberwachung Baden-Württemberg hat verschiedene Öle und andere Lebensmittel, die CBD enthalten und auf dem deutschen Markt sind, untersucht. Sie fand heraus, dass ein Viertel der untersuchten Produkte einen zu hohen THC-Gehalt aufweist.

Dirk Lachenmeier, der die Untersuchung durchgeführt hat, erklärt: „Das Problem ist ja, es wird Ihnen suggeriert: Da ist kein THC drin, das ist THC-frei.“ Deshalb könne der Konsum dieser Öle eine ähnliche Wirkung erzeugen wie das Rauchen eines THC-haltigen Joints.

Laut EU-Verordnung kein Verkauf erlaubt

CBD wurde vor 1997 nicht in großen Mengen in der EU konsumiert. Laut der Novel-Food-Verordnung darf es deshalb nicht ohne vorherige Prüfung auf den Markt kommen.

EIne Mittelalte Frau mit kurzem braunen Harr und grünen AUgen blickt in die kamera mit leicht geöfnetem Mund

Angela Clausen, Verbraucherzentrale NRW

Die Hersteller verkaufen die Mittel, obwohl sie bisher keinen Antrag auf Prüfung gestellt. Dass THC gesundheitsgefährdend ist, ist erwiesen. Ob CBD unabhängig davon auch eine gesundheitsschädliche Wirkung hat, ist bisher ungeklärt, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW, und weiter: „So wie es im Moment geht, bin ich der Meinung, CBD darf weder für Erwachsene noch für Kinder verkauft werden.“

Minderjährige stärker gefährdet

Vor allem bei Minderjährigen sieht Dirk Lachenmeier eine Gefahr: „Da ist das Körpergewicht geringer und der entwickelnde Organismus ist auch natürlich stärker gefährdet.“

Beim Drogeriemarkt Rossmann werden trotzdem CBD-Öle und -Kaugummis an Jugendliche verkauft. Dem WDR gegenüber erklärt Rossmann: „Da es sich um Produkte handelt, die insbesondere die erwachsene Käuferschicht ansprechen (…) dürfte hier keine gesonderte Auszeichnung notwendig sein.“ Nach ihrem Kenntnisstand ergebe sich auch für Kinder und Jugendliche kein gesundheitliches Risiko.

Warum werden die Öle trotz Verbots weiterverkauft?

Wer der die EU-Verordnung umsetzt, ist abschließend nicht geklärt. Die Lebensmittelüberwachung NRW erläutert gegenüber dem WDR, dass nicht klar ist, wer einschreiten müsste - Lebensmittel- oder Arzneimittelüberwachung.

Trotz rechtlicher und gesundheitlicher Bedenken werden CBD-haltige Lebensmittel also weiter in Deutschland verkauft. Weil die Behörden sich nicht einig werden, floriert das Geschäft.

Stand: 15.03.2020, 16:39