Laschets Runder Tisch für Afghanistan

Zarifa Ghafari und Armin Laschet sitzen an einem Tisch

Laschets Runder Tisch für Afghanistan

Von Nina Magoley

Ministerpräsident Laschet hat die afghanische Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari mit Hilfsorganisationen an einen "Runden Tisch" gebracht. Weltpolitik in NRW kommt gerade nicht ungelegen.

Am Montagabend war Zarifa Ghafari am Flughafen Köln-Bonn gelandet, nach einer dramatischen Flucht aus Kabul und vermutlich in allerletzter Minute. Die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Maidan Shahr war, als einzige Frau in diesem Amt in ganz Afghanistan, schon länger zur Zielscheibe der Taliban geworden. In erschütternden Telefongesprächen hatte sie vergangene Woche deutschen Medien erklärt, sie sitze zu Hause und rechne damit, "dass sie kommen und mich töten".

Zu ihrem großen Glück gelang ihr, zusammen mit ihrer Familie, dann doch die Flucht. Dass es sie dabei ausgerechnet nach NRW verschlug, könnte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der als Kanzlerkandidat gegen Kritik und Umfragewerte kämpfen muss, im Wahlkampf nicht ungelegen kommen. Bereits am Montagabend hatte er Ghafari persönlich begrüßt. Am Donnerstag standen die beiden wieder vor der Kamera - unmittelbar vor einem "Runden Tisch", zu dem die Landesregierung auch Vertreter von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen eingeladen hatte.

Runder Tisch für Afghanistan

WDR 5 Westblick - aktuell 26.08.2021 05:17 Min. Verfügbar bis 26.08.2022 WDR 5


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Laschet: Rat einholen, "wie geholfen werden kann"

Die Landesregierung, so hieß es in der Einladung zu dem eilig anberaumten Treffen, wolle "auf Initiative von Ministerpräsident Armin Laschet" beraten, wie unmittelbar geholfen werden kann". Auf der Liste der Geladenen stand unter anderem die Caritas Flüchtlingshilfe, die Welthungerhilfe, Misereor, Aktion Deutschland hilft und die Kindernothilfe. Der Frauenrechtsverein Medica Mondiale aus Köln war zwar eingeladen, doch laut einer Sprecherin mit Evakuierungen aus Afghanistan voll ausgelastet.

Zarifa Ghafari und Armin Laschet stehen vor zwei Flaggen

"Von hier aus die Welt erreichen": Ghafari in der NRW Staatslanzlei

Zuvor hatte Laschet vor den versammelten Journalisten seine Bewunderung für die erst 28-jährige Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari aus Kabul ausgedrückt: Die NRW Landesregierung wolle ihr jetzt die Möglichkeit geben, "von hier aus die Weltöffentlichkeit zu erreichen" und zu schildern, was in Afghanistan passiert. Gleichzeitig erhoffe man sich ihren Rat "bei Beobachtung dessen, was die Taliban jetzt in Afghanistan umsetzen".

"Wir erwarten von den Taliban ..."

Dass es bei dem G7 Gipfeltreffen nicht gelang, eine Öffnung des Kabuler Flughafens für Evakuierungen über den 31. August hinaus zu erreichen, sei bedauerlich, der Rückzug der Amerikaner, "eine bittere Enttäuschung".

Ziel sei dennoch, über den 31. August hinaus Menschen auf zivilen Wegen aus Afghanistan herauszubringen, so Laschet. Die Rettung müsse weitergehen, vor allem die von Frauen, die sich bisher etwa als Journalistinnen, Bloggerinnen oder Menschenrechtlerinnen in der Öffentlichkeit gezeigt haben. "Wir erwarten von den Taliban, dass diesen Frauen freies Geleit gewährt wird". Laschet erneuerte dabei seine Zusage, in NRW 1.000 Frauen aus Afghanistan aufzunehmen, forderte aber gleichzeitig auch ein "größeres europäisches Konzept".

"Alles an einem Tag verloren"

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In Sicherheit in NRW: Zarifa Ghafari

Ghafari bedankte sich bei "Mr. President" für die Unterstützung und "Liebe", die sie und ihre Familie seit ihrer Ankunft erfahren hätten. Sie sei froh, hier im Namen aller Frauen sprechen zu können, die sich nicht öffentlich äußern können. "Wir haben 20 Jahre lang so hart gekämpft für die Rechte und Freiheiten, die wir jetzt innerhalb eines Tages verloren haben."

Was in den letzten 20 Jahren in Afghanistan an Freiheiten gewachsen ist, sei den Frauen zu verdanken. Ghafari wiederholte ihren Appell an die Talibanführung, mit ihr zu reden. "Ich bin bereit, mit ihnen zu verhandeln, egal wo und wann."

"Eine solche ausgestreckte Hand kann man einer solchen Regierung nur anraten, zu ergreifen", sagte Laschet. Ein künftiger Kanzler müsse den europäischen Konsens aus 27 Staaten herstellen, um dem Taliban-Regime mit einheitlicher Methodik und wirtschaftlichem Druck klarmachen: "Es gibt keine Kooperation, wenn nicht fundamentale Rechte gewahrt werden."

Dann eilten beide zum Treffen mit den Hilfsorganisationen. Fotografen durften noch ein Bild von Laschet und Ghafari am Kopf der Runde machen, dann ging es los. Wie der WDR von Teilnehmern erfuhr, verabschiedete sich der Kanzlerkandidat bereits kurz nach Beginn und verließ die Veranstaltung.

Stand: 26.08.2021, 18:16

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