Neuer "Lockdown" für die Kreise Warendorf und Gütersloh

Neuer "Lockdown" für die Kreise Warendorf und Gütersloh

Von Thomas Drescher/Nina Magoley

  • Land verhängt "Lockdown" in den Kreisen Gütersloh und Warendorf
  • Nach Coronaausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies
  • Zunächst bis 30. Juni befristet

Die strengen Corona-Maßnahmen, die im März über ganz Deutschland verhängt worden waren, kehren nun in den Kreisen Gütersloh und Warendorf zurück. Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (beide CDU) verkündeten am Dienstag (23.06.2020) den entsprechenden Maßnahmenkatalog.

Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Laschet, da die massenhaften Infektionen, die in der Fleischfabrik Tönnies ihren Ursprung haben, bisher offenbar nicht auf breite Teile der Bevölkerung über gesprungen sind. Außerhalb der Tönnies-Belegschaft seien bisher nur 24 Personen entdeckt worden, die mit SARS CoV-2 infiziert sind.

Bekannte Kontaktbeschränkungen

Die Maßnahmen sehen unter anderem Kontaktbeschränkungen in der Öffentlichkeit vor, aber auch die Schließung von Kinos, Fitnessstudios und Hallenbädern. Am Donnerstag (25.06.2020) schließen sämtliche Schulen und Kitas in beiden Kreisen.

Parallel dazu seien Massentests in allen Altenheimen geplant, ergänzte Laumann am Nachmittag. Ebenso sollen alle Krankenhäuser und auch sämtliche Supermarktmitarbeiter in beiden Kreisen getestet werden. Er gehe davon aus, dass sich die ausländischen Werkvertragsarbeiter außerhalb ihrer Unterkünfte hier am meisten bewegt hätten.

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Zunächst nur für sieben Tage

Jeder Bewohner könne sich zudem freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Auch werde ein repräsentativer Massentest erhoben, um festzustellen, ob sich das Virus bisher wirklich hauptsächlich innerhalb des Schlachtbetriebs ausgebreitet hat.

Ziel sei, in einer Woche einen Überblick über den Infektionsausbruch zu haben, um dann die Einschränkungen "hoffentlich" wieder herunterfahren zu können, so Laumann. Die Schließungen und Kontaktbeschränkungen seien zunächst bis zum 30. Juni befristet.

Was nun in den Kreisen Gütersloh und Warendorf gilt

  • Kontaktbeschränkung auf Personen des eigenen Hausstands.
  • In der Öffentlichkeit dürfen sich maximal zwei Personen zusammen aufhalten, wenn sie nicht dem gleichen Hausstand angehören.
  • Geschäfte bleiben geöffnet, weil dort eine Maskenpflicht besteht.
  • Restaurants bleiben geöffnet, dürfen aber nur mit Personen des gleichen Hausstands besucht werden.
  • Thekenbetrieb in Gaststätten wird verboten, Bars werden geschlossen.
  • Picknicks und Grillen im öffentlichen Raum ist verboten.
  • Alle Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen werden unterbunden, wenn für sie keine Maskenpflicht besteht.
  • Kinos sind geschlossen, Konzerte und Aufführungen verboten.
  • Museen und Kunstausstellungen bleiben geschlossen, ebenso wie Burgen, Schlösser und Gedenkstätten.
  • Sport in geschlossenen Räumen ist untersagt, dazu zählen Fitnesstudios, Hallen- und Freizeitbäder, Saunen, Wellnesseinrichtungen.
  • Indoor-Spielplätze sind geschlossen.
  • Stadtrand- und Ferienfreizeiten bedürfen der Genehmigung durch die Ordnungsämter.
  • Busreisen sind verboten.

Testen, testen, testen

Laschet kündigte in ganz NRW Tests bei Mitarbeitern der fleischverarbeitenden Industrie an. Auch würden Werkvertragsmitarbeiter in anderen Branchen getestet, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.

Erschwert werde die Gesamteinschätzung dadurch, dass die Arbeiter von Tönnies in rund 1.300 verschiedenen Immobilien untergebracht seien, berichtete Gesundheitsminister Laumann. In einigen Fällen lebten dort Tönnies-Mitarbeiter mit Werkvertragsmitarbeitern zusammen, die nicht bei bei Tönnies arbeiten.

Laumann beschrieb die Subunternehmer, die diese Werkvertragsarbeiter beschäftigen, als äußerst unkooperativ in der aktuellen Krise: Erst unter Androhung von Zwangsgeld würden manche Subunternehmer die Namen der Firmen herausrücken, bei denen ihre Beschäftigen arbeiten. Erneut plädierte Laumann dafür, den "Sumpf" in der Fleischindustrie trocken zu legen und äußerte Symapthie dafür, Tönnies an Unkosten zu beteiligen.

Er versicherte, dass die vom Virus betroffenen Mitarbeiter, "die hier hart gearbeitet haben", jede medizinische Hilfe bekämen, die sie brauchten, und dass ihnen mithilfe von Dolmetschern "alles ganz genau erklärt" würde.

Reisebeschränkungen?

Zu Berichten, dass Bewohner des Kreises Gütersloh in Ferienunterkünften anderer Regionen und Bundesländer abgewiesen wurden, sagte Laschet: Dafür gebe es keine Veranlassung. Er verwies auf die bisher sehr niedrigen Infektionszahlen in der Bevölkerung und warnte vor einer Stigmatisierung der Kreisbewohner.

Zugleich appellierte Laschet an die Bevölkerung, den Kreis nicht zu verlassen und sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Allerdings gebe es kein Ausreiseverbot. Und die Beschränkungen seien nur innerhalb der Kreisgrenzen wirksam.

Vorwurf: Wertvolle Zeit verloren

Der Oppositionsführer im NRW-Landtag, Thomas Kutschaty (SPD), warf der Landesregierung einen "Schlingerkurs" in Gütersloh vor. Noch am Sonntag habe sie die Maßnahmen abgelehnt, die sie nun heute verkündet habe, sagte Kutschaty dem WDR. Es sei wertvolle Zeit verloren gegangen, um das Virus einzugrenzen.

Leider müsse man davon ausgehen, dass man nicht mehr alle Beschäftigten bei Tönnies testen kann, weil sie mittlerweile schon in anderen Regionen unterwegs seien. Das hätte man durch entschlosseneres Eingreifen verhindern können, so Kutschaty.

Zuvor war bekannt geworden, dass mobile Teams, die im Kreis Gütersloh Tests nehmen und die Quarantäne kontrollieren sollten, leere Unterkünfte vorgefunden hätten.

Stand: 23.06.2020, 20:16