Laschets Griechenland-Reise mit Hindernissen

Laschets Griechenland-Reise mit Hindernissen

Von Tobias Zacher

  • Laschet und Stamp zu Gesprächen in Flüchtlingslagern auf Lesbos
  • Besuch in Flüchtlingslager Moria musste abgebrochen werden
  • Laschet appelliert, EU müsse nun wach werden

"This is not Europe" steht an einer Mauer am Eingangsbereich zum größten Flüchtlingslager Europas: Moria auf Lesbos. Ausgelegt ist das Lager auf knapp 3.000 Menschen. Derzeit leben rund 14.000 dort, mehrheitlich in der wilden Zeltstadt, die sich herum gruppiert um das ehemalige Militärlager.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat das Camp am Dienstagvormittag (04.08.2020) besucht. Und das erlebt, was er selbst einen "Aufschrei der Verzweifelten" nennt.

Laschet und Stamp in Griechenland vor Ort

Nordrhein-Westfalen nimmt in diesen Wochen 220 Menschen aus den Flüchtlingslagern von den griechischen Inseln auf. Es handelt sich um kranke Kinder mit ihren Eltern und Geschwistern. Aus diesem Grund wollte sich der Ministerpräsident gemeinsam mit seinem Stellvertreter und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) ein eigenes Bild von der Situation in den Lagern machen.

Gespräche im Dschungel von Moria

Im Lager Moria besuchen Laschet und Stamp das Verwaltungsgebäude im Mittelpunkt des befestigten Camps, gemeinsam mit dem stellvertretenden griechischen Minister für Migration, Giorgos Koumoutsakos.

Armin Laschet und Joachim Stamp im Gespräch im Flüchtlingslager Moria

Laschet und Stamp in Moria

Eine aktuelle Luftbildaufnahme, die im Büro an der Wand hängt, macht die schwierige Situation deutlich: In der Mitte eine Ansammlung von Containern und Gebäuden, umzäunt und von Mauern umgeben - der Kern des Camps. Drum herum tausende Zelte, in alle Himmelsrichtungen verteilt - der so genannte Dschungel von Moria. Auf dem Schreibtisch des Lagerleiters steht eine Dose Pfefferspray.

Gruppen skandieren: "Befreit Moria"

Ministerpräsident Laschet umringt von Geflüchteten in Moria

Laschet und Stamp hatten den Wunsch, auch den Dschungel Morias zu besuchen. Ihr Besuch im Kern des Camps verläuft zunächst für 40 Minuten ruhig, auch in dem Teil, in dem viele unbegleitete Minderjährige leben. Schließlich, auf dem Weg Richtung Ausgang, wird die Situation aufgeregter.

Kleine Gruppen von Camp-Einwohnern folgen der Delegation, vor dem Ausgang haben sich hunderte versammelt, skandieren "befreit Moria". Sicherheitskräfte schirmen die Gruppe ab, Polizisten mit Schilden stehen auf der Straße. Der Polizeichef rät davon ab, den Dschungel zu besuchen, aus Sicherheitsgründen. Laschet und Stamp reisen weiter. Erst nach einigen Stunden kehren sie mit einer wesentlich kleineren Delegation zurück, fallen diesmal nicht auf, und können einen Blick auf den Dschungel erhaschen.

 Entspannter Besuch in Kara Tepe

Armin Laschet mit Delegation im Gespräch im Flüchtlingslager Kara Tepe

Entspannte Gespräche in Kara Tepe

Der Besuch in Kara Tepe im Anschluss verläuft entspannter - es gilt als Vorzeigelager mit seinen Spielplätzen, Schatten spenden Bäumen und bunt angemalten Klassenzimmern. Rund tausend Menschen leben dort. Laschet hält sich dort rund anderthalb Stunden auf, spricht unter anderem mit Vertretern von "Ärzte ohne Grenzen".

 Laschet: "Situation der Perspektivlosigkeit"

"Die ganze Europäische Union muss jetzt wach werden", appelliert Laschet nach den Besuchen in beiden Lagern. Die Flüchtlinge erlebten eine "Situation der Perspektivlosigkeit". Er äußert auch die Hoffnung, dass die aktuelle deutsche EU-Ratspräsidentschaft "eine dauerhafte Lösung" für die Flüchtlingskrise herbeiführen könnte. Das Versagen der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise seit nunmehr fünf Jahren - in diesen Augenblicken ist es geradezu körperlich spürbar für Laschet und seine Delegation.

Armin Laschets Griechenlandreise

WDR 5 Westblick - aktuell 03.08.2020 04:47 Min. Verfügbar bis 03.08.2021 WDR 5 Von Tobias Zacher

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Stand: 04.08.2020, 13:42

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