Klimaaktivistin bringt Laschet in Erklärungsnot

Armin Laschet, Ministerpräsident NRW im Gespräch mit Luisa Neubauer auf der Frankfurter Buchmesse (19.10.2019)

Klimaaktivistin bringt Laschet in Erklärungsnot

Von Nina Magoley

  • Klimaaktivistin Luisa Neubauer diskutierte mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet
  • Laschet zuweilen auf dünnem Eis
  • Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse

Gleich zu Beginn des Gesprächs sah das Publikum der Frankfurter Buchmesse am Samstag (19.10.2019) einen leicht überrumpelt wirkenden NRW-Ministerpräsidenten: Ob er eine besondere Frage an Luisa Neubauer habe, wollte die Moderatorin wissen. Nein, brachte Armin Laschet (CDU) nach einigem Hin und Her vor, er habe keine Frage an sie, "die ich noch nicht gewusst habe".

Die 23-jährige Klimaaktivistin, die vor allem als Stimme der "Fridays for Future"-Bewegung bekannt geworden ist, ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, dass viele ihrer Mitstreiter bei Themen wie Kohleausstieg oder Erhalt des Hambacher Forsts Laschet persönlich verantwortlich machten für eine klimagefährdende Politik.

Mit seiner Reaktion darauf manövrierte sich der Ministerpräsident dann auch gleich auf dünnes Eis: Er habe diesen "Konflikt" um Klima und Kohleausstieg doch größtenteils von der rot-grünen Vorgängerregierung geerbt. Er sei "gebunden" an geltendes Recht und früher bereits gefasste Beschlüsse.

Armin Laschet, Ministerpräsident NRW im Gespräch mit Luisa Neubauer auf der Frankfurter Buchmesse (19.10.2019)

Jeder Regierung sei es überlassen, Impulse zu setzen, entgegnete Neubauer. Laschet aber habe mit entschieden, dass der Wald gerodet wird, er habe nicht eingegriffen, als die Bewohner der Dörfer im Braunkohlerevier enteignet wurden. "Was hat Sie davon abgehalten, in dem Moment zu sagen, yes, wir sind da, wir führen jetzt eine vernünftige Klimadebatte?"

Klimaschutz 2017 "noch nicht aktuell"

Das tue er doch, rief Laschet zunehmend aufgebracht: "Ich steige aus der Kohle aus, ich rette den Hambacher Forst, wir machen es doch alles!" Das Thema Klimaschutz sei 2017 aber nun mal "so scharf nicht da" gewesen, jedenfalls "nicht mit politischer Relevanz". Verständnisloser Blick der jungen Klimaaktivistin.

Und dass der Ausbau der Windkraft in NRW inzwischen nahezu still steht, liege nicht etwa daran, dass in NRW neuerdings ein besonders hoher Mindestabstand der Windräder von Wohnbebauung von 1.500 Metern vorgegeben ist. Schuld sei vielmehr das "schlechte" bundesweite Ausschreibungsverfahren.

Ja, es sei "ein anstrengendes Jahrhundert, es wird total mühsam", entgegnete Neubauer, "aber das ist nun mal Politik und die Herausforderung, die die Zeit an uns stellt". Wer als Politiker oder Firmenchef keine Lust habe, sich mit diesen Themen zu befassen, solle es lassen, "aber dann lasst es andere machen", sagte sie unter Applaus.

WDR 5 Bücher Spezial von der Frankfurter Buchmesse

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch 19.10.2019 44:20 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 WDR 5

Download

"Alle müssen kämpfen"

Wie sie es aushalte, "sich immerzu mit Untergangsszenarien zu befassen", wollte Moderatorin Anette Bruns, Redakteurin beim "Spiegel", wissen. "Wir sind in eine Welt hineingewachsen, wo wir das anscheinend aushalten müssen, weil diese Szenarien kommen", erklärte ihr die junge Frau ruhig. Im besten Fall "stehen wir im Jahr 2030 da und sagen, ja, wir haben es in Bahnen gelenkt, wir haben es irgendwie gebacken bekommen. Aber dafür müssten nun alle kämpfen".

Stand: 20.10.2019, 10:11