Was wird aus Laschet nach der Wahl? - Fünf Szenarien

Armin Laschet

Was wird aus Laschet nach der Wahl? - Fünf Szenarien

Von Sabine Tenta

Kann Armin Laschet das Ding noch drehen? Geht er wirklich nach Berlin? Kommt er überhaupt in den Bundestag? Bleibt er am Ende Ministerpräsident? Oder kommt es ganz anders?

1. Der Kanzler

Das erklärte Ziel von Armin Laschet ist: Die Union gewinnt die Wahl und er wird Kanzler. Dafür müsste er jedoch in den letzten Wochen des Wahlkampfs eine bemerkenswerte Aufholjagd hinlegen. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend liegt die CDU/CSU nur noch bei 20,0 Prozent, die SPD hingegen bei 25 Prozent. Für die Union ein regelrechter Absturz, für die SPD ein Höhenflug. Zum Vergleich: Am 23. Juli lag die Union in der infratest/dimap-Sonntagsfrage bei 29, Prozent, die SPD bei 16 Prozent.

Und in der Rangliste der Zufriedenheit rangiert Armin Laschet aktuell auf Platz 9 hinter der Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock. Dabei musste er im Vergleich zur letzten Umfrage Einbußen von 13 Prozentpunkten hinnehmen!

2. Der Vizekanzler und Minister

Denkbar ist, dass Armin Laschet zwar den Einzug ins Kanzleramt verpasst, es aber mit einem respektablen Ergebnis schafft, die CDU als Juniorpartner in eine Koalition zu führen. Nach aktuellem Stand der Umfragen käme eine sogenannte Deutschlandkoalition aus SPD, CDU und FDP rechnerisch infrage.

In diesem Bündnis könnte Armin Laschet in der Regierung ein Ministeramt übernehmen und womöglich den Posten des Vizekanzlers. Also die Rolle, die aktuell Olaf Scholz, der SPD-Kanzlerkandidat, hat.

3. Der Oppositionsführer

Immer wieder beteuert Laschet, auch im Falle einer Wahlniederlage nach Berlin gehen zu wollen. Schafft die Union es nicht in die Regierung, dann wäre der Fraktionsvorsitz im Bundestag der wichtigste Posten innerhalb der CDU/CSU. Hier könnte sich die Person profilieren, die in vier Jahren die Union in den nächsten Bundestagswahlkampf führt.

Fraglich ist, ob eine empfindlich dezimierte Unionsfraktion ausgerechnet den Kandidaten an ihre Spitze wählen würde, der ihnen gerade eine historische Schlappe eingebrockt hat. Oder würden dann ganz andere nach der Fraktionsführung greifen?

Armin Laschet

Wie viel Rückhalt hätte Laschet in der Fraktion?

Hinzu kommt die Frage: Schafft es Laschet überhaupt in den Bundestag? Das ist nicht sicher, denn zur Überraschung vieler hatte er auf eine Direktkandidatur in seinem Wahlkreis in Aachen verzichtet. Jetzt kann Armin Laschet nur als Spitzenkandidat der NRW-Landesliste in den Bundestag einziehen. Da die CDU traditionell viele Direktmandate gewinnt, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass diese Liste gar nicht zum Tragen kommt. Und ohne Bundestagsmandat für Laschet würden sich die Spekulationen um den Fraktionsvorsitz ohnehin erübrigen.

Je nach dem Ausmaß der Wahlniederlage würde es für Laschet sicherlich auch schwer, sich im Amt des CDU-Bundesvorsitzenden zu halten. Gut denkbar, dass die CDU dann innerhalb von nur drei Jahren zum dritten Mal den Vorsitz neu bestimmen muss.

4. Der immer-noch-Ministerpräsident in NRW

Kurz nachdem Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten der Unionsparteien gekürt worden war, betonte er noch, im Falle einer Niederlage Ministerpräsident in NRW bleiben zu wollen. Er nannte das "gelebte Staatspraxis" und verwies auf Vorbilder wie Johannes Rau (SPD), Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber (beide CSU). Sie blieben nach gescheiterten Kanzlerkandidaturen in ihrem Amt als Ministerpräsident.

Doch dass die Wählerinnen und Wähler diese halbherzigen Schritte nicht immer mögen, zeigte unter anderem das Scheitern von Norbert Röttgen im NRW-Landtagswahlkampf 2012. Der damalige Bundesumweltminister wollte nur als Ministerpräsident nach Düsseldorf kommen, im Falle einer Niederlage aber lieber Minister in Berlin bleiben. Dann verlor er die Wahl krachend - und obendrein sein Amt als Bundesminister, weil er sich Merkels Wunsch, er möge die Opposition in Düsseldorf anführen, widersetzte.

War es also ein Akt politischer Vernunft oder echte Überzeugung, als Laschet früh im aktuellen Bundestags-Wahlkampf dazu überging, zu betonen, er gehe auf jeden Fall nach Berlin, in welchem Amt auch immer?

Armin Laschet hat sich durch seine Parteitagsstrategie als NRW-Landesvorsitzender zumindest ein theoretisches Hintertürchen offengelassen: Denn erst nach der Bundestagswahl wird die NRW-CDU über die Laschet-Nachfolge als Vorsitzender der Landes-CDU und als Ministerpräsident entscheiden. Teile des Landesverbands haben vergeblich auf eine Entscheidung vor der Bundestagswahl gedrungen.

Aber könnte ein Armin Laschet als womöglich großer Wahlverlierer wirklich in NRW einfach so weitermachen? Das ist zumindest fraglich. Bereits im Mai stehen Landtagswahlen in NRW an. Wer auch immer Laschet nachfolgt, würde leichter mit einem Amtsbonus in den Wahlkampf ziehen.

5. Der Ex-Politiker

Bleibt schließlich die Frage, ob es auch vorstellbar wäre, dass sich der 60-Jährige nach einer Wahlniederlage aus der Politik zurückzieht.

Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) 2013 wegen nachgewiesener Plagiate ihren Doktortitel und in der Folge ihr Ministerinnenamt verlor, wurde sie deutsche Botschafterin im Vatikan.

Armin Laschet (links) und Papst Franziskus im Vatikan

Alte Bekannte: Laschet und Papst Franziskus

Bereits mehrfach hat der tief gläubige Katholik Laschet den Papst besucht. Die jüngste Visite war vor einem Jahr, im September 2020.

Stand: 09.09.2021, 15:30

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