Laschet gibt sich cool im WDR-Sommerinterview

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Westblick-Sommerinterview bei WDR5

Laschet gibt sich cool im WDR-Sommerinterview

Von Nina Magoley

Kaum Fehler in Coronakrise, Wünsche zum Konzert in Düsseldorf und alles in Butter mit Konkurrent Söder: Im Westblick-Sommerinterview gibt sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet cool.

Noch vor einigen Monaten wurde er als durchaus denkbarer Merkel-Nachfolger gehandelt. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Seitdem läuft es nicht mehr ganz so rund für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). In Umfragen liegt er als Kanzlerkandidat hinter seinen Konkurrenten.

Ja, es seien "schon sehr angespannte Zeiten", räumt er im Westblick-Sommerinterview ein. "Corona fordert alles heraus, was in einem Menschen drin ist." Anfangs habe er viele Entscheidungen treffen müssen, "ohne viel über das Virus zu wissen", jede davon mit Konsequenzen für viele Millionen Menschen.

Nachdenklichkeit wegen Schließung von Schulen und Kitas

Von möglichen Fehlern in den vergangenen Monaten will der Ministerpräsident nicht viel wissen. Auf die Frage, was er im Nachhinein anders gemacht hätte in der Coronakrise, nennt Laschet einzig das Thema Schulschließung: Wäre es noch einmal März 2020, würde er "alles tun, dass Schulen und Kitas nicht geschlossen werden".

Auch verteidigt er die viel kritisierten frühen Lockerungen in NRW: Wenn Infektionszahlen sinken, müssten Grundrechtseinschränkungen zurückgenommen werden.

Ministerpräsident Armin Laschet im Westblick-Sommerinterview

WDR 5 Westblick - Interview 13.08.2020 15:43 Min. Verfügbar bis 13.08.2021 WDR 5


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Ob es noch einmal einen weiteren Lockdown geben könnte, hänge "von der Lage ab". Man müsse aber alles dafür tun, dass es nicht dazu komme - wie Coronatests an Flughäfen oder Maskenpflicht in den Schulen. "Das ist nichts Schönes, aber leider müssen wir vorsichtig sein."

Streit um Konzert

Heißt auch: Es wird weiter Streit geben um Entscheidungen - wie den mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) um ein Konzert mit 13.000 Besuchern. Die Stadt hat bereits begonnen, Tickets dafür zu verkaufen. Gegen den Willen der Landesregierung.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Westblick-Sommerinterview bei WDR5

NRW-Ministerpräsident Laschet zu Besuch bei WDR5

"Ich hätte mir gewünscht, dass bei einem solchen Großereignis mit dem Land geredet wird", sagt der Ministerpräsident. Das Bemühen, Kultur wieder möglich zu machen, könne er nachvollziehen. Am Donnerstagnachmittag nun zeichnet sich ein Konsens ab. Der Kartenverkauf geht weiter. Aber man will das Infektionsgeschehen beobachten und am 31. August entscheiden.

Keine Revanche gegen Söder

Während Laschet wünscht, posiert sein bayerischen Amtskollege und Konkurrent um die Kanzlerkandidatur Markus Söder (CSU) als Macher - der dabei durchaus schon gegen Laschet ausgeteilt hat. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Bayern 900 positiv getestete Urlaubsheimkehrer tagelang nicht über ihr Ergebnis informiert hatte. Söder steht massiv unter Druck - die Chance für Laschet, die eingesteckte Seitenhiebe aus Bayern zurückzugeben.

Doch der sagt: Nein, die Unterschiede zwischen Bayern und NRW seien gering, der Konflikt zwischen ihm und Söder würde seiner Meinung nach "künstlich zugespitzt". Und fügt beiläufig hinzu: Bayern habe ja beim kürzlichen Corona-Ausbruch in einem Obstbetrieb in Dingolfing von den Erfahrungen mit Tönnies profitieren können. Von der Panne bei den bayerischen Tests kein Wort.

Parteivorsitz? "Noch so weit weg!"

Rechnet er sich noch Chancen auf einen Parteivorsitz aus? Das sei noch so weit weg, wiegelt der Aachener ab. Auch die Frage nach einer möglichen schwarz-grünen Koalition: Bis dahin fließe noch "so viel Wasser den Rhein hinunter", sagt Laschet - wohl wissend, dass die Coronakrise sicherlich auch noch weitere Stromschnellen für ihn bereit hält.

Noch nie zuvor hätten Menschen, so wie jetzt gelegentlich, Blumen für ihn beim Pförtner der Staatskanzlei abgegeben, verbunden mit warmen Dankesworten. Andere schrieben ihm Briefe mit Sätzen wie "Sie schicken unsere Kinder in den Tod". "Extremer", sagt Laschet, "geht’s nicht."

Stand: 13.08.2020, 16:27

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