Kommentar: Laschets tatsächlich falsches Signal

Eckfahne im Erzgebirge-Stadion in Aue

Kommentar: Laschets tatsächlich falsches Signal

Von Christoph Ullrich

Die NRW-Landesregierung blockt große Veranstaltungen für Sport und Events konsequent ab. Und was macht der Ministerpräsident? Er spricht vor 2.000 Zuschauern in einem Stadion. Ein Kommentar.

Armin Laschet ist auf Stadion-Tour. Das wäre in einer normalen Situation kein großer Aufreger. Der NRW-Ministerpräsident will CDU-Chef werden, hat mit Friedrich Merz starke Konkurrenz und muss sich natürlich bundesweit vor den Parteimitgliedern präsentieren.

Aber der Auftritt vor 2.000 Zuschauern im Stadion des sächsischen Zweitligisten Erzgebirge Aue ist bei dieser Corona-Politik ein massiver Fehler. Auch wenn der Anlass - der Festakt zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung - unstrittig ist.

Sachsens höhere Sensibilität

Christoph Ullrich

Christoph Ullrich, WDR-Landespolitik

Klar, in Sachsen hat der dortige Ministerpräsident und CDU-Parteifreund Michael Kretschmer schon länger die Tendenz, bei Großveranstaltungen einen offenen Weg zu gehen. In Leipzig sollen über 8.000 Zuschauer zum Auftakt der Bundesliga zugelassen werden. Jüngst gab es Testkonzerte von Tim Bendzko, ebenfalls in Leipzig.

Aus Gesprächen mit Vereinsvertretern der kleineren Sportarten höre ich immer wieder von denen in Sachsen, dass man in der Dresdener Staatskanzlei offen und zugänglich sei. Das ist wichtig für Branchen, die durch Corona an die Grenze der Existenz getrieben wurden.

Man muss sich nämlich bei der Debatte um Zuschauer in Stadien eines klar machen - die Lage um das Virus hat sich verändert. Im März, als man alles öffentliche Leben erst einmal auf Eis gelegt hat, waren die Ängste groß. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich aber nicht bestätigt. Zum Glück.

Und was passiert in NRW? Trotz geänderter Ausgangslage wird weiter alles abgeblockt, was irgendwie nach populärer Großveranstaltung aussieht. Wegen eines hervorragend vorbereiteten Konzerts in der Düsseldorfer Arena wird die Corona-Schutzverordnung angepasst - und damit das Event nachträglich de facto untersagt.

Fehlende Argumente und Widersprüche

Und so startet am Tag, wo das Düsseldorfer Konzert hätte stattfinden sollen, die große Reise-Messe Caravan. Mit 20.000 Besuchern pro Tag. Direkt neben dem Düsseldorfer Stadion, wo Bryan Adams hätte auftreten sollen.

Vertreter aus Sportligen jenseits des Fußballs finden kaum Gehör in ihren Nöten. Die der der großen Eishockey-Clubs aus Düsseldorf und Köln schütteln nur noch den Kopf über pauschale Politiker-Äußerungen wie vom "falschen Signal".

Immerhin konsistent scheint die Debatte zu sein, ob man den CDU-Parteitag mit 1.000 Delegierten stattfinden lassen kann und man sich nicht besser auf einen Chef vorher einigt und den Wettkampf um den Vorsitz einstellt. Wie absurd diese Debatte ist, zeigt Laschets Auftritt in Aue. Vor 2.000 Menschen reden, während man Angst vor einem Parteitag mit 1.000 Delegierten hat und Sport- wie Eventbranche abtropfen lässt?

Das "falsche Signal", das setzen eigentlich nicht die, die um jeden Platz bei einer Veranstaltung unter strengen Maßgaben kämpfen. Das falsche Signal setzen Politiker wie Armin Laschet, deren Corona-Politik mehr den eigenen politischen Ambitionen zu dienen scheint, als der differenzierten und zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem Virus.

Stand: 03.09.2020, 11:38

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