Wo ist eigentlich Armin Laschet?

Wo ist eigentlich Armin Laschet?

Von Rainer Striewski

  • Armin Laschet hat ein Corona-Image-Problem
  • Als Lockerer hat er nicht punkten können
  • Rückzug aufs Europaparkett

Ist das schon die zweite Corona-Welle? Viele Menschen werden zusehends unvorsichtiger - die Masken fallen, die Fallzahlen steigen. Doch im Gegensatz zur ersten Welle ist das Land NRW nach eigenen Angaben nun besser vorbereitet. Zahlreiche Abläufe seien in den vergangenen Monaten verbessert und viele neue Instrumente geschaffen worden, hieß es Freitag (31.07.2020) aus dem Gesundheitsministerium.

Laschet scheint abgetaucht

Auch die Staatskanzlei scheint einige Abläufe geändert zu haben - allen voran ihr Chef Armin Laschet. Seine Medienpräsenz hat deutlich abgenommen. Offiziell befindet er sich zwar gerade im Sommerurlaub am Bodensee, was ihn aber auch nicht davon abgehalten hat, andere politische Termine wahrzunehmen.

Und während er sich in den ersten Monaten der Pandemie noch beinahe täglich per Livestream aus der Staatskanzlei an seine Bürger wandte - staatstragend vor NRW- und Deutschlandfahne - bleiben die Kameras nun immer häufiger aus. Von Laschet ist zu Corona immer weniger zu hören. Interviewanfragen werden abgelehnt. Laschet scheint in der Corona-Krise abgetaucht.

Image des Lockerers

So wird statt Laschet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag im "ARD Extra" zu verpflichtenden Coronatests befragt - und nutzt die Gelegenheit sogleich für einen Seitenhieb auf seinen NRW-Kollegen: "Alle, die zu schnell lockern wollten, sind komplett widerlegt worden", stellt Söder vor einem Millionenpublikum fest.

Laschet kann mit Corona nicht punkten

Auch wenn er ihn nicht beim Namen nennt, so weiß doch jeder, wer gemeint ist: Schließlich war es NRW-Ministerpräsident Laschet, der oft zuerst vor die Mikrofone trat, um in seinem Bundesland Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu verkünden. Was ihm Pluspunkte bei der Bevölkerung bringen sollte, führte letztendlich zum Gegenteil. Die Beliebtheitswerte des Ministerpräsidenten brachen ein. Im Juni waren laut NRW-Trend nur noch 46 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden. Im April hatte der Wert noch bei 65 Prozent gelegen.

"Laschet ist auf das Image des Lockerers festgelegt, kann damit aber bei der Bevölkerung nicht punkten", meint auch Tobias Blasius, als Vorsitzender der Landespressekonferenz NRW ein genauer Laschet-Beobachter. Der Journalist vermutet in der aktuellen "Medienaskese" des Landesvaters den Versuch einer Image-Korrektur - weg vom Corona-Lockerer, hin zum Europapolitiker.

Neustart als Europapolitiker

Der war Laschet schließlich schon immer - und dieses Image scheint er nun wieder pflegen zu wollen: Am 14. Juli hat er in Paris den französischen Präsidenten getroffen, Sonntag (02.08.2020) fliegt er nach Griechenland, um sich auf Lesbos in der Flüchtlingsfrage zu informieren.

Auf dem Europaparkett bewegt Laschet sich schon seit Jahren sicher, hier ist er zu Hause. Und er weiß: Auch hier muss derjenige punkten, der CDU-Vorsitzender und später sogar Kanzlerkandidat werden möchte. Der könnte am Ende immer noch Laschet heißen. Denn seine Chancen dafür sind trotz des angekratzten Corona-Images immer noch hoch, meint auch Tobias Blasius: "Wenn er die Nerven behält, kann ihm wenig passieren."

Stand: 31.07.2020, 18:58

Weitere Themen